15 Jahre Haft – offiziell wegen zwei Telefonmasten

21. Januar 2013

Der heute 48-jährige Christ Jamaa Ait Bakrim befindet sich seit über sieben Jahren hinter Gittern, weil er Muslimen von Jesus erzählte.



Zwei hölzerne Telefonmasten wurden dem Marokkaner Jamaa Ait Bakrim zum Verhängnis. Die Masten standen vor seinem Haus und  waren schon lange nicht mehr in Betrieb. Bakrim hatte die Behörden gebeten, sie zu entfernen. Da sie nicht reagierten, entfernte er sie schliesslich selber. Daraufhin wurde er im Dezember 2005 wegen «Zerstörung fremden Eigentums» zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.
Der wahre Grund für seine lange Haftstrafe ist natürlich nicht diese Bagatelle. Vielmehr wurde ihm zum Verhängnis, dass er – als Muslim aufgewachsen – sich nicht davon abbringen liess, offen über seinen neuen Glauben als Christ zu sprechen. In Marokko kann Evangelisieren mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. 
Doch die Behörden suchten einen Vorwand, um Bakrim «endgültig zum Schweigen zu bringen», wie Rachid, ein mit Bakrim befreundeter Christ, sagte.

«Wes das Herz voll ist …»

Der heute 48-jährige Bakrim hatte in Marokko Politikwissenschaften und Recht studiert. Nach seinem  Studium reiste er nach Europa und wurde Christ. Er war sich bewusst, welche Konsequenzen dieser Entscheid in seiner Heimat haben könnte, und beantragte deshalb in Holland Asyl. Sein Asylgesuch wurde jedoch abgelehnt, er musste zurück nach Marokko.
Wieder in Marokko, wollte Bakrim seinen neuen Glauben nicht verheimlichen. Im Gegenteil: Er sprach öffentlich darüber, zeichnete sogar ein Kreuz an sein Haus. Seine Familie verstiess ihn als Ungläubigen.
Die Behörden versuchten auf verschiedene Arten, ihn zum Schweigen zu bringen: Sie steckten ihn zweimal mehrere Monate ins Gefängnis, verlegten ihn für längere Zeit in eine psychiatrische Klinik und unterzogen ihn einer medikamentösen Therapie. Schliesslich kam es zu der langjährigen Haftstrafe.

Öffentlicher Protest nötig

Bakrim sitzt nun bereits seit über sieben Jahren im Gefängnis. Er hat vor Gericht offen zugegeben, dass er Christ ist. Den Vorwurf, dass er versucht habe, seine Nachbarn in ihrem muslimischen Glauben zu erschüttern, wies er jedoch zurück.
Der mit Bakrim befreundete Christ Rachid lebt heute im Ausland. «Unsere marokkanischen Brüder und Schwestern leiden und wir gehen einfach davon aus, dass sich die Situation früher oder später wieder von selbst einrenkt.» Das sei jedoch ein Irrtum, sagt Rachid: «Die Situation wird sich nie und nimmer verändern, wenn wir diese Fälle nicht an die Öffentlichkeit bringen.»
Autor: Max-Peter Stüssi Quellen: wwm | sta


Regierung will «homogene» Gesellschaft

Die etwa 30 Millionen Einwohner Marokkos bekennen sich fast alle zum  sunnitisch-muslimischen Glauben. In der Verfassung ist festgehalten, dass der Islam Staatsreligion ist und dass der König der höchste Hüter des Glaubens sei. Es gibt nur wenige zehntausend Nichtsunniten; sie sind vornehmlich Ausländer.
Die enge Verbindung von Religion und Staatsbürgerschaft ist für die marokkanischen Behörden sehr wichtig. Ausländern wird schnell einmal vorgeworfen, sie würden «fremde Religionen» verbreiten.
2010 wurden über 100 ausländische Christen ausgewiesen, unter ihnen 16 Mitarbeiter des Pflegeelternprojekts «Dorf der Hoffnung», die seit zehn Jahren in Marokko tätig waren und marokkanischen Kindern ein Zuhause boten. Selbst ein Spanier, der in Marokko geboren und aufgewachsen war, wurde zur Ausreise gezwungen.
Einheimische, die vom sunnitisch-muslimischen Glauben abweichen, geraten schnell unter erheblichen Druck von Behörden und Gesellschaft. Das bekam zum Beispiel Kacem El Ghazzali zu spüren: Er wuchs als Muslim auf, wurde aber später Atheist. In seinem vielbeachteten Blog äusserte er sich kritisch über Religionen. Als seine Identität entdeckt wurde, drohte man ihm mit dem Tod. Es ging so weit, dass sich El Ghazzali nur noch mit einer Burka verkleidet aus dem Haus wagte. Er hat inzwischen in der Schweiz Asyl erhalten.
Quelle: irfr

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