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Menschenhandel grassiert weiter – 18 befreite Mädchen im CSI-Schutzhaus

25. Februar 2021

Die Corona-Krise hat die ohnehin weit verbreitete Armut in Indien verschlimmert und den Menschenhandel begünstigt. Die aufwühlenden Schicksale von Prema (10) und Shanti (12) zeigen, wie skrupellos die Zuhälter vorgehen. Im CSI-Schutzhaus sind bereits 18 Mädchen untergebracht.



Die 10-jährige Prema stammt aus ärmsten Verhältnissen. Das wenige Geld, das ihre Mutter nach Hause brachte, verprasste ihr Vater für seine Alkoholsucht. Ihre Mutter war selten zu Hause, ihr Vater nur physisch anwesend. Prema konnte nie die Schule besuchen und verbrachte die meiste Zeit allein zuhause.

Seit Anfang der Corona-Pandemie litt sie häufig an Hunger. So war sie eine leichte Beute, als ein «netter» Mann ihr Essen anbot. Mit einem verlockenden Versprechen überredete er sie, mit ihm nach Delhi zu gehen. Zu Premas grossem Entsetzen wurde sie zu einer Familie gebracht, bei der sie unter unmenschlichen Bedingungen den Haushalt bewältigen musste. Sie bekam kaum zu essen, litt an Schlafmangel, wurde geschlagen und regelmässig vom Hausherrn sexuell missbraucht.

Dank CSI-Partner befreit

Als die Mutter vernahm, dass ihre Tochter verschwunden war, ging sie verzweifelt auf die Suche und traf dabei auf das CSI-Team vor Ort. Auch dank guter Zusammenarbeit mit der Polizei wurde Prema nach acht Monaten von ihrem Martyrium befreit. Da die Situation zu Hause nicht sicher ist, haben sie die CSI-Partner im Schutzhaus aufgenommen. Dank der professionellen und liebevollen Betreuung erholt sich Prema langsam von ihrem Trauma. Sie geht gerne zur Schule und erhält regelmässig Mahlzeiten.

Pandemie verstärkt die Verletzlichkeit

Bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie war Indien mit über 18 Millionen Betroffenen weltweit trauriger Spitzenreiter bei der Anzahl Opfer von Menschenhandel. Besonders in ländlichen Gebieten sind Kinder und Jugendliche gefährdet. Gemäss offiziellen Zahlen lebten vor der Pandemie bereits zirka 30 Prozent der 1,3 Milliarden Menschen in Indien unter der Armutsgrenze (USD 1.90 pro Tag). Die Zahlen der in extremer Armut lebenden Inder hat durch die verheerenden Konsequenzen des Lockdowns innert weniger Monaten drastisch zugenommen. Diese erschreckende Tatsache begünstigt die Voraussetzungen für einen florierenden Menschenhandel.  

Tagelang weg von zu Hause 

Kaum wird die Ausgangssperre etwas gelockert, verlassen unzählige Eltern ihr Zuhause, um irgendwo etwas Geld fürs Überleben ihrer Familie zu verdienen. Dabei müssen sie ihre schutzlosen Kinder allein im Haus zurücklassen.

So erging es auch der Familie der zwölfjährigen Shanti. Ihre Eltern, die bereits vor der Corona-Krise täglich um die Existenz der Familie kämpfen mussten, verloren durch den Lockdown ihre Arbeit. Die Familie stürzte noch tiefer in die Not.

Leichte Beute

Im Wissen, dass ihre Eltern nicht zu Hause waren, besuchte eine Bekannte das 12-jährige Mädchen und bot ihr einen Job in Delhi an. Ohne jemandem etwas zu sagen, reiste Shanti mit der Bekannten nach Delhi. Sie war voller Hoffnung, für ihre Familie etwas Geld verdienen zu können. Doch kaum in Delhi angekommen, wurde sie in ein Bordell gezerrt. Worte können wohl nicht zum Ausdruck bringen, was Shanti durchlitten hat.

Shantis verzweifelte Eltern wurden über die Arbeit der CSI-Partner in Kenntnis gesetzt, die sich zusammen mit der Polizei für die Rettung von entführten Kindern einsetzen. Nach über sieben Monaten konnte Shanti aus den Fängen der Menschenhändler befreit werden. Leider konnten die Bordellbesitzer nicht gefasst werden. Immerhin wurde die Entführerin festgenommen. Shanti ist zurück bei ihrer Familie und wird vom CSI-Partner betreut. 

18 Mädchen im CSI-Rehabilitationszentrum

Mitte 2019 wurden die ersten sechs befreiten Mädchen aus dem Menschenhandel in das von CSI-Partnern geführte Rehabilitationszentrum aufgenommen. Mittlerweile sind es 18 Mädchen. Sie alle haben unbeschreibliches Leid erfahren und sind dankbar, Schutz zu erhalten und für ihre Zukunft vorbereitet zu werden. «Ich fühle mich hier so wohl – beschützt, geliebt und gut versorgt. In unserer Freizeit lieben wir es, draussen zu spielen und zu plaudern», so eines der Mädchen.

Grosses Geschenk

Die Leiterin des Zentrums freut sich über die positive Entwicklung der geretteten Mädchen: «Anfänglich sind sie völlig scheu und es ist schwierig, einen Kontakt zu ihnen aufzubauen.» Umso schöner sei es, wenn sie langsam an Vertrauen gewinnen und sich Schritt für Schritt entfalten. «Besonders berührend ist es, wenn sie spielen und lachen und dabei für einen Moment ihre traumatischen Erlebnisse vergessen können. Es ist ein unglaubliches Geschenk, diesen Mädchen etwas an Liebe, Respekt, Freude und Vertrauen schenken zu dürfen.»

Weitere Plätze

Trotz den erschwerten Bedingungen wegen der Corona-Pandemie konnten die CSI-Partner in Indien die Arbeit gegen Menschenhandel weiterführen. Auch 2021 sollen möglichst viele Opfer des Menschenhandels in Indien gerettet werden. Dabei werden wir auch weitere befreite Mädchen, die zu Hause keine sichere Bleibe haben, im CSI-Schutzhaus aufnehmen. 

Projektleiterin Indien

 

 

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