40 Jahre Islamische Republik Iran: Bevölkerung leidet weiter

26. März 2019

40 Jahre nach der Islamischen Revolution ist der Iran weit davon entfernt, volle Religionsfreiheit zu gewähren. Die Verhaftung von Andersdenkenden hat in den letzten Monaten sogar einen Höhepunkt erreicht. CSI ruft zum Protest auf.



Diese Protestaktion wurde beendet. Den aktuellen Protest finden Sie hier.

Eine Welle der Unzufriedenheit im Volk leitete vor 40 Jahren die Islamische Revolution ein. Sie führte zum Sturz des Schah und kündigte eine neue Ära an. Der neue Oberste Religionsführer Ayatollah Khomeini erklärte den Iran am 1. April 1979 zur islamischen Republik.

Wer hoffte, dass eine Blütezeit der Demokratie kommen würde, wurde enttäuscht. Während die Schah-Epoche von der Verwestlichung des Landes geprägt war, setzte der neue Herrscher die Rückkehr zu konservativen sozialen Werten durch und führte islamische Kleidungs- und Verhaltensvorschriften ein. Die Frauen litten besonders unter dem neuen Kurs. Sie verloren viele ihrer Rechte und mussten sich fortan in der Öffentlichkeit verschleiern.

International isoliert

Der Iran kehrte dem Westen den Rücken und war bestrebt, sich als regionale Macht zu etablieren und den eigenen, schiitischen Islam zu stärken. Dadurch entwickelte sich eine erbitterte Rivalität mit dem sunnitisch-wahhabitischen Königreich Saudi-Arabien, dem wichtigsten Verbündeten der USA in der Region. In den letzten Jahren missbrauchten beide Staaten die Umwälzungen des Arabischen Frühlings, um ihren Einfluss auszuweiten, namentlich in Syrien und im Jemen, wo sie gegnerische Parteien unterstützen.

Auf der Weltbühne wurde der Iran zunehmend geächtet, weil er trotz weltweiter Proteste sein nukleares Programm vorantrieb. Ängste vor einer Entwicklung von Atomwaffen im Iran hatten verheerende internationale Wirtschaftssanktionen zur Folge, die fast ein Jahrzehnt aufrechterhalten blieben und erst durch das Abkommen von 2015 (JCPOA) aufgehoben wurden. Mit den USA zog sich 2018 jedoch der wichtigste Partner aus dem Abkommen zurück und verhängte erneut drakonische Sanktionsmassnahmen gegen den Iran. Wie in Syrien leidet darunter auch hier vorwiegend die Zivilbevölkerung.

Proteste im Keim erstickt

Während der letzten 40 Jahre regierten die Mullahs das Land mit eiserner Faust. Widerspruch und Proteste beendeten die Revolutionsgarden häufig mit Gewalt. Wohl gab es Ansätze zu sozialen Reformen, namentlich unter der Präsidialzeit von Mohammad Khatami zwischen 1997 und 2005. Doch auch diese wurden letztendlich durch das konservative Parlament und den Obersten Religionsführer Ali Khamenei (Nachfolger von Khomeini, der 1989 starb) unterdrückt.

Zwar wird der gegenwärtige iranische Präsident Hassan Rouhani als gemässigt und reformfreudig eingestuft. Dennoch gehört der Iran heute zu den weltweit repressivsten Ländern. Zudem bestehen Anzeichen, dass sich die Unterdrückung noch verschärft. Letztes Jahr führten landesweite Proteste gegen die verschlechterte Wirtschaftslage, gegen Korruption und fehlende Freiheit zu willkürlichen Festnahmen von Tausenden: Menschen- und Frauenrechtlerinnen, Umweltaktivisten, Christen.

Ehemaligen Muslimen droht die Todesstrafe

Die Lage der religiösen Minderheiten ist prekär. Wohl sind Juden und Christen offiziell anerkannt, doch werden sie im Alltag schikaniert und diskriminiert. Noch schlimmer ist die Lage für die Bahai, eine der grössten Minderheiten, die nicht anerkannt ist. Sie werden systematisch verfolgt.

Obwohl der Iran den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert hat, garantiert er das Recht auf Religionsfreiheit (Artikel 18) nicht vollumfänglich. Die öffentliche Ausübung ihres Glaubens in der Landessprache ist Christen verboten. Sich vom Islam loszusagen kann als Apostasie mit dem Tod bestraft werden. Die Todesstrafe gegen einen Konvertiten wurde zwar seit 1990 nicht mehr vollzogen, doch werden – wegen «Untergrabens der nationalen Sicherheit» – regelmässig lange Haftstrafen verhängt. Aus Angst davor halten viele Konvertiten ihren Glauben geheim.

Gemäss der Organisation «Article18» wurden allein in der ersten Dezemberwoche über 100 Christen verhaftet. Diese Verhaftungswelle, die sich jährlich um die Weihnachtszeit wiederholt, war eine der grössten in den letzten Jahren. Die zunehmende Christenverfolgung zeigt die Angst der iranischen Behörden vor einer Ausbreitung des Christentums – in ihren Augen eine Strategie des Westens, um das Regime zu schwächen.

Morven McLean

 


Christen in Bedrängnis

Naser Navard Gol-Tapeh ist einer der vielen ehemaligen Muslime, die in einem iranischen Gefängnis dahinvegetieren. Wegen illegaler Versammlung und geheimer Absprache gegen die gierung durch Evangelisation muss er eine zehnjährige Haftstrafe absitzen.

Aus ähnlichen Grün­- den wurde im Juli 2018 auch Pastor Yousef Nadarkhani zum wiederholten Mal inhaftiert. Er war bereits 2010 wegen Apostasie zum Tod verurteilt worden. 2012 liess man ihn frei; er wurde jedoch weiterhin überwacht. CSI hatte mehrmals zu Protestaktionen für seine Freilassung aufgerufen.

 


Eine Stimme aus dem Iran

 

CSI: Die Islamische Republik Iran wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Welche Gefühle löst das in Ihnen aus?

Ein iranischer Pastor: Der Katzen Scherz ist der Mäuse Tod. Für die Regierung ist es gut, aber das Volk wird unterdrückt. Das Volk ist nicht glücklich. Der Regierungswechsel vor 40 Jahren hat Schlechtes gebracht statt Gutes.

 

Aber es gibt bestimmt grosse Feierlichkeiten?

Am Jahrestag der Revolution, dem 11. Februar, fanden jedes Jahr pompöse Paraden statt. Dieses Jahr blieben die Feierlichkeiten bescheiden. Die Regierung weiss, dass die Leute nicht feiern würden.

 

Wie ist die Lage für die Christen heute? Hat sie sich verschlechtert?

Ja. Vor allem Konvertiten vom Islam haben Probleme und deren Pastoren wie ich. Seit dem letzten Jahr gibt es fast jede Woche Verhaftungen.

 

Was erwarten Sie vom Jahr 2019?

Nichts Gutes. Es gibt keine Hoffnung für die Zukunft. Es gibt keine Freiheit und die Sanktionen machen das Leben schwierig. Alles ist sehr teuer geworden – Gemüse, Fleisch, Medikamente. Die Preise steigen weiter, die Löhne nicht.

 

Was können wir in der Schweiz tun?

Es gibt einen grossen Bedarf an Medikamenten, einige brauchen Operationen, manche finden keine Arbeit, weil sie Christen sind. Sie können diese Leute finanziell unterstützen. Das Hauptproblem ist aber nicht der Lebensunterhalt, sondern die fehlende Freiheit im ganzen Land.

Appelltext

Your Excellency

On the occasion of the 40th anniversary of the creation of the Islamic Republic of Iran we wish to raise concerns over the continuing persecution of religious minorities in Iran. We call on you to respect the right to freedom of religion as laid down in the International Covenant on Civil and Political Rights to which Iran is a signatory, namely the freedom of the individual to adopt a religion or belief of his choice and the freedom to manifest this religion or belief in worship, observance, practice and teaching both in public and in private.

Anlässlich des 40. Jahrestags der Gründung der Islamischen Republik Iran möchten wir unsere Besorgnis ausdrücken über die anhaltende Verfolgung religiöser Minderheiten. Wir fordern Sie auf, das Recht auf Religionsfreiheit zu respektieren, wie es im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, den der Iran ratifiziert hat, festgelegt ist. Dieser Pakt garantiert insbesondere die Freiheit des Einzelnen, eine Religion oder eine Weltanschauung seiner Wahl anzunehmen und diese öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Beachtung religiöser Bräuche, Ausübung und Unterricht zu bekunden.

Ihr Kommentar zum Artikel

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.