82 Knaben befreit – wichtige Zusammenarbeit mit den Behörden

30. August 2017

In Indien ist der Menschenhandel auch in den gefährlichen Maoistengebieten weit verbreitet. Dank den mutigen CSI-Partnern vor Ort konnten vor kurzem 82 entführte Knaben aus den Fängen maoistischer Menschenhändler befreit werden.



Seit den 1960er Jahren sind in verschiedenen Teilen Indiens maoistische Gruppen aktiv, die den bewaffneten Kampf gegen den Staat propagieren und Terroranschläge verüben. Die von ihnen beherrschten Gebiete gelten als besonders gefährlich. Weder Polizei noch Behördenvertreter wagen sich in diese Regionen, da sie Gefahr laufen, sogleich getötet zu werden. Doch auch in diesen Gebieten treiben Menschenhändler ihr Unwesen. Viele Kinder verschwinden dort spurlos.

Einige unserer CSI-Partner sind in diesen Gegenden aufgewachsen. Sie können unseren Teams einen vergleichsweise sicheren Zugang zu diesen Regionen eröffnen. So kann CSI gerade in diesen Gebieten, die sonst kaum jemand erreicht, die wichtige Präventionsarbeit in Form von Vorträgen an Schulen und durch Selbsthilfegruppen leisten.

So war es ein besonderer Erfolg, dass unsere Partner vor Ort Ende letzten Jahres 82 Jungen befreien konnten. Sie wurden gefangen gehalten, um später als Zwangsarbeiter zu einer Ziegelfabrik gebracht oder als Kindersoldaten für Maoisten ausgebildet zu werden. Eine lokale Behörde, das CWC (Child welfare committee / Komitee für das Wohl des Kindes) hatte auf Umwegen von diesem Versteck erfahren. Doch als Behörde war das Komitee selber nicht in der Lage, die Befreiungsaktion in diesem Gebiet zu organisieren. So nahm das CWC zu unseren Partnern Kontakt auf und bat sie um Unterstützung bei der Befreiungsaktion. Was für eine unglaubliche Freude, als die 82 Knaben befreit wurden!

Behörde kümmert sich um die Befreiten

Häufig müssen wir feststellen, dass Behörden nicht an den Opfern des Menschenhandels interessiert sind. Für uns ist es daher eine besonders schöne Entwicklung, dass sich das CWC um die 82 Jungen kümmern will. Sie haben bereits ein Gelände bereitgestellt. Auch wenn die Gebäude bisher nur rudimentär eingerichtet sind, öffnet sich hier eine ganz neue Perspektive.

Viele der Jungen können weder lesen noch schreiben und haben bisher nie in einem strukturierten Rahmen gelebt. Gerade sie sind dem Heimleiter ein grosses Anliegen. Die Behörden haben Gelder zur Verfügung gestellt, damit das Heim mit allem Notwendigen ausgestattet werden kann. Viele der Jungen besuchen Alphabetisierungskurse, damit sie später zur Schule gehen können. Einen grossen Wert legt der Heimleiter auf Sport und Musik. «Sport und Musik sind Aktivitäten, die bei der Verarbeitung von Traumata eine wichtige Rolle spielen können», erklärt er.

Die Zusammenarbeit mit den CWCs fördern

2013 starteten wir, zusammen mit unseren Partnern vor Ort, ein Projekt gegen den Menschenhandel in Indien. Prävention, Befreiung und Reintegration sind die drei Hauptsäulen unserer Arbeit.

Dies war nun das erste Mal, dass eine Behörde unsere Projektpartner um Hilfe gebeten hat. Unser Team wurde auch von weiteren CWCs in anderen Bundesstaaten angefragt, ähnliche Aktionen in Maoistengebieten durchzuführen. Wir sind glücklich, dass wir in Zukunft die Zusammenarbeit mit den Behörden intensivieren können. Unser Ziel ist es, dass unsere Arbeit mit der Zeit bei den Behörden immer bekannter wird. Denn je mehr Akteure gegen das gut organisierte Netzwerk des Menschenhandels zusammenarbeiten, desto effektiver kann dagegen angekämpft werden. Die Beteiligung von staatlichen Behörden hilft dabei enorm.

Opfer zu neuem Leben erwacht

Während der letzten Jahre konnte CSI mit seinen Partnern in Indien über 300 Kinder und Jugendliche aus der Zwangsarbeit befreien. Viele von ihnen konnten zurück zu ihren Familien gebracht werden.

Doch es gibt leider auch eine beträchtliche Anzahl Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen anders betreut werden müssen. Die Unterstützung dieser Kinder wird von CSI finanziert.

Es bereitet unendliche Freude zu sehen, wie sie sich seit ihrer Befreiung entwickelt haben. Anfänglich sind sie oft kaum ansprechbar, ihre Körpersprache spricht für sich. Doch durch das CSI-Projekt konnten in den letzten Jahren bereits einige Kinder in die Freiheit begleitet werden. Wir erleben, wie sie langsam Vertrauen gewinnen, in die Mitarbeiter und in sich selbst.

Neun Mädchen sind in einem Konvent untergebracht. Dort erhalten sie Schutz, viel Liebe, psychologische Betreuung, gutes Essen und eine Schulausbildung. Immer, wenn wir in Indien sind, besuchen wir die Mädchen. So sehen wir, wie auch der Bereich Reintegration nach und nach Früchte trägt.

 

Inés Wertgen, Projektleiterin

 

Weiterer Bericht: 

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Projekt Indien