Zeigen Sie Solidarität mit Pastor Victor

26. Januar 2018

Der iranische Pastor Victor Bet Tamraz ist als einziger ordinierter Pfarrer seiner Kirche, die seit 2009 verboten ist, in seinem Land geblieben. Er, seine Familie und christliche Freunde wurden wegen angeblicher Handlungen gegen die nationale Sicherheit angeklagt.



Diese Protestaktion wurde beendet. Den aktuellen Protest finden Sie hier.

«Der Geheimdienst forderte mich viele Male auf, den Iran zu verlassen», erzählt Pastor Victor. «Ich habe immer gesagt: Ich bleibe.» Diese Haltung ist alles andere als selbstverständlich. Die assyrische Pfingstgemeinde habe über zehn Pastoren gehabt. «Heute sind alle meine Pastoren im Ausland», sagt Pastor Victor. Er sei als einziger ordinierter Pastor der assyrischen Pfingstgemeinde übriggeblieben. Pastor Victor war deren Leiter, bis im März 2009 die Schliessung angeordnet wurde.

Allen Besitzes beraubt

Pastor Victor hat mit Einschüchterungen leben gelernt. Eines Tages verlangten unverhofft 25 Geheimdienstoffiziere Zutritt zu seiner Wohnung. «Sie blieben sieben Stunden und durchsuchten alles.» Als sie um Mitternacht wieder gingen, war sein Zuhause nicht wiederzuerkennen: «Sie hatten alles mitgenommen, meinen ganzen Besitz: mehr als tausend Bücher und christliche Kommentare, Bibeln in Farsi, Erinnerungen von Verwandten, offizielle Dokumente, Bankauszüge, Geld, auch den Satellitenempfänger des Fernsehens.»

67 Tage in Einzelhaft

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehören Verhöre zu seinem Alltag. In der Regel liess man ihn am gleichen Tag wieder laufen. Nicht so am 26. Dezember 2014. Während eines Weihnachtsgottesdiensts in seinem Haus tauchten plötzlich Geheimdienstoffiziere in Zivil auf. Alle Anwesenden wurden durchsucht, Bibeln, Handys und Ausweise beschlagnahmt.

Die meisten liess man wieder gehen, aber Pastor Victor und ein junger Mann wurden verhaftet. Pastor Victor verblieb 67 Tage in Einzelhaft, bis man ihn gegen eine hohe Kaution nach Hause gehen liess. «In der Einzelzelle brannte rund um die Uhr das Licht», erinnert sich Pastor Victor. «Wenn ich auf die Toilette gehen musste, musste ich läuten und 15 Minuten warten. Und wenn ich einen Arzt brauchte, dauerte es zehn Tage.» Immerhin habe er die notwendigen Medikamente rechtzeitig bekommen. «Das Schlimmste war die Einzelhaft, das Weggesperrtsein ohne Kontakt zu einem Anwalt.»

Pastor Victor wurde angeklagt wegen Evangelisierung, illegalen Hauskirchen-Aktivitäten sowie Bibeldruck und -verteilung. Zudem warfen ihm die Ankläger vor, sich als Arzt ausgegeben zu haben, weil er für kranke Menschen betete. Im Juli 2017 erfolgte das erstinstanzliche Urteil: zehn Jahre Gefängnis, zwei Jahre Reiseverbot. Pastor Victor legte Berufung ein.

Ganze Familie schikaniert

Der Geheimdienst macht auch vor Pastor Victors Familie nicht Halt. Auch seine Frau, Shamiram Issavi Khabizeh, wurde verhört und muss sich wegen «Teilnahme an ausländischen Seminaren» und «Handlungen gegen die nationale Sicherheit» vor Gericht verantworten. Pastor Victors einzige Tochter floh Ende 2010 in die Schweiz und wurde hier als Flüchtling anerkannt.

Ramiel Bet Tamraz, Pastor Victors einziger Sohn, wurde am 26. August 2016 bei einem Picknick zusammen mit vier anderen Christen festgenommen (CSI-Magazin vom November 2016). Trotz zahlreicher Versuche blieb tagelang unklar, was mit ihnen geschehen war. Erst am 7. September 2016 durfte Ramiel seine Familie anrufen: Er sei in Einzelhaft im Evin-Gefängnis und werde weiterhin verhört. Nach einem Monat wurde er gegen Kaution freigelassen. Er wusste während des ganzen Monats nicht, was ihm vorgeworfen wurde. Erst später wurde er formell angeklagt: Handlungen gegen die nationale Sicherheit, Betreiben von Hauskirchen sowie Unterstützung seines Vaters und Verbreitung seiner Predigten.

Verfolgung bringt auch finanzielle Not

«Die iranischen Behörden halten uns für eine politische Bedrohung», erklärt Pastor Victor. «Sie denken, wir hätten gute Beziehungen zu Ausländern, die gegen die iranische Regierung sind.» Wenn die Behörden Nachrichten auf Facebook sähen, wonach 20 Millionen Iraner zum Christentum bekehrt werden sollen, schade das den Christen im Iran.

Die Probleme mit der Regierung bringen viele bedrängte Christen auch in existenzielle Nöte. Pastor Victors Sohn Ramiel Bez Tamraz hat wegen seines Glaubens seine Stelle verloren. Ebenso erging es – nach Intervention des Geheimdiensts – zwei Ehefrauen von Mitangeklagten.

Unser Protest soll den iranischen Behörden zeigen, dass im Ausland beobachtet wird, wie sie Pastor Victor, seine Familie und die Mitangeklagten aus seiner früheren Kirche behandeln. Beten wir um Kraft für ihn, auch weiterhin in all diesen Widrigkeiten standhaft zu bleiben.

Adrian Hartmann

Appelltext

Your Excellency,

We have heard about the plight of Pastor Victor Bet Tamraz and the members of his family, namely his wife, Shamiram Issavi Khabizeh, and his son, Ramiel. For months, they have been intimidated and put under pressure. Amin Afshar Naderi and Hadi Asgari count among those also affected by this situation.

The aforementioned individuals are all devoted to their homeland, Iran, and to their fellow countrymen. Through their prayers for Iran, they contribute to the well-being of Iranians. However, instead of being recognized for their service, they were indicted on charges of activities against national security and other violations of the law.

It is manifest that the aforementioned individuals were only indicted because they are Christians. We urge you therefore to drop the charges against them and to safeguard religious freedoms, as enshrined in article 18 of the International Covenant on Civil and Political Rights, a treaty which Iran has ratified.

 

Wir haben vom traurigen Schicksal von Pastor Victor Bet Tamraz und seinen Familienmitgliedern – Ehefrau Shamiram Issavi Khabizeh und Sohn Ramiel – gehört. Seit Monaten werden sie eingeschüchtert und unter Druck gesetzt. Davon ebenso betroffen sind Amin Afshar Naderi und Hadi Asgari.

Die Genannten lieben ihr Heimatland, den Iran, und ihre Landsleute sehr. Mit ihren Gebeten für den Iran tragen sie dazu bei, dass es den Iranerinnen und Iranern gut geht. Statt diesen Dienst anzuerkennen, hat man sie wegen angeblichen Handlungen gegen die nationale Sicherheit und anderen angeblichen Gesetzesverstössen angeklagt.

Es ist offensichtlich, dass die Genannten nur angeklagt sind, weil sie Christen sind. Wir bitten Sie daher dringend, die Anklagen fallen zu lassen und die Religionsfreiheit gemäss Art. 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte zu gewährleisten. Auch der Iran hat diesen Pakt ratifiziert.

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