• Indien

Agrarprogramm für Opfer von religiösen Angriffen

12. April 2016

In Indien leiden Angehörige religiöser Minderheiten immer wieder unter den Angriffen von Extremisten. Vielen werden ihre Besitztümer genommen. Sie müssen oft um ihr Leben bangen. Unzählige stehen vor dem Nichts, begleitet von einer stetigen Angst.



Die Übergriffe auf Minderheiten gehören leider nicht nur der Vergangenheit an. Über die Angriffe in Kandhamal im 2008, bei denen es über 100 Tote und unzählige Vertriebene gab, wurde schon viel berichtet. Besitztümer wurden verbrannt und zerstört. Die Folgen waren verheerend.

Doch auch heute noch bangen die Angehörigen von Minderheiten oft um ihr Leben und ihre Habseligkeiten, denn wir hören fast täglich von Angriffen durch extremistische Gruppierungen. Die Opfer erhalten meistens keine Unterstützung oder Entschädigung von der Regierung. Sie werden oft ihrem elenden Schicksal selber überlassen. 

Hilfe zur Selbsthilfe

Es ist sehr beeindruckend, mit welchem Engagement unsere Partner vor Ort (Indian Evangelistic Association) in den abgelegenen, oft gefährlichen Gebieten sich für diese Opfer von Übergriffen einsetzen. Mit viel Know-how und Kreativität bauen sie das Agrarprogramm immer weiter aus. Die Opfer werden von Fachpersonen angelernt und in den Arbeitsprozessen regelmässig begleitet. Auch die dazu benötigten Geräte und Utensilien werden für sie angeschafft. Die Wasserpumpe ist dabei immer ein wichtiger Bestandteil, der für die Agrararbeit unabdinglich ist. 

Momentan profitieren 232 Familien im Gebiet von Kandhamal von diesem Projekt. Dabei werden nicht nur die unterdrückten Christen berücksichtigt, sondern auch Hindus, die mit dem Extremismus nichts zu tun haben und ebenfalls unter der starken Armut leiden. Dies fördert den Frieden untereinander, was in solchen Gebieten, in denen Spannung zwischen religiösen Gruppierungen herrscht, von enormer Bedeutung ist.

Die Freude ist gross

Bei jedem unserer Besuche kann man die Erweiterung dieses Projektes gut sehen. Anfangs gab es nur wenige Äcker und zwei Gemüsesorten. Mittlerweile werden Salat, Rotkohl, Blumenkohl, Rettich, Bohnen, Kürbis, Bananen und Pilze angebaut. Hinzu kommt das Herstellen von Geschirr aus Siali-Blättern. Diese sind sehr beliebt und werden an Hotels und auf dem Markt verkauft. 

Aus dem Erlös profitiert nicht nur die Familie selber, sondern die ganze Dorfgemeinschaft. Einen Teil der Einnahmen erhalten die einzelnen Familien. Ein anderer Teil geht in eine gemeinsame Dorfkasse. Daraus werden Maschinen für die Agrararbeit angeschafft, Brunnen gebaut, Zäune für das Vieh errichtet usw.

Diese Arbeit baut nicht nur eine Familie auf. Denn auch der Zusammenhalt innerhalb eines Dorfes wächst somit sehr. Dabei wird die finanzielle Lage, die oft miserabel ist, verbessert. Vor allem aber erleben die Leute wieder Freude und Hoffnung. Dass sich Menschen aus der weit entfernten Hauptstadt Bhubaneswar (Bundestaat Odisha) und gar aus dem Ausland für sie einsetzen, berührt sie zutiefst und verleiht ihnen neue Zuversicht.

Inés Wertgen, Projektleiterin Indien


Mord an Hindu-Guru: Verurteilter kam kurz frei

Auslöser des Kandhamal-Massakers war der Mord an dem berühmten Hindu-Guru Laxamanananda Saraswati am 23. August 2008. Obwohl sich kurz darauf Maoisten-Rebellen zum Mord bekannten, wurden sieben Christen beschuldigt und im September 2013 nach einem gerichtlichen Schnellverfahren zu lebenslanger Haft verurteilt. Daran änderte sich bis vor kurzem nichts, auch wenn im Juli 2015 zwei hohe Polizeibeamte vor der Gerichtskommission von Kandhamal bezeugten, dass die Anschuldigungen falsch waren.

Nun kommt erstmals etwas Bewegung in den Fall. Am 31. März 2016 wurde Gananath Chalanseth, einer der Verurteilten, nach langwierigen Verhandlungen für einen Monat gegen Kaution freigelassen, damit er seine kranke Frau besuchen konnte. n Reto Baliarda csi | indep

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