Ahok ist frei

24. Januar 2019

Der ehemalige Gouverneur von Indonesiens Hauptstadt-Distrikt Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama (Ahok), wurde am 24. Januar 2019 wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Der 52-jährige Christ war wegen angeblicher Blasphemie im Mai 2017 zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.



«Er ist zurück. Mein Vater ist ein freier Mann! Ich danke euch allen ganz herzlich für eure grosse Unterstützung!» freute sich Ahok’s Sohn Nicholas Sean, der seinen Vater um 7.30 Uhr beim Gefängnis in Depok (West Java) abholte.

Eine grosse Schar Anhänger hatte sich beim Eingang des Gefängnisses versammelt, um Ahoks Freilassung gemeinsam zu feiern. Doch dieser hatte das Gefängnisareal bereits verlassen.

Verhängnisvolle Aussage über den Koran

Als Gouverneur von Jakarta war Ahok sehr beliebt. Dies vor allem weil er das Strassennetz verbessern liess und das Überschwemmungsproblem der Hauptstadt in den Griff bekam. Zudem galt der engagierte Kämpfer gegen die Korruption als unbestechlich. Mit Unterstützung von Indonesiens Präsident Joko Widodo hatte er sich um eine zweite Amtszeit beworben – lange mit guten Aussichten.

Bei einem Auftritt im Wahlkampf sagte er am 27. September 2016, die Wähler sollten sich nicht von jenen irritieren lassen, die den Koran zitierten, um seine Wahl zu verhindern. Seine Gegner stellten den Auszug von Ahoks Rede auf Youtube und hetzten gegen ihn. Bis zu einer halben Million Menschen gingen aus Protest gegen ihn auf die Strasse. Auch in den Sozialen Medien wurden Ahok und seine Gefolgschaft aufs Übelste beschimpft. So schrieb der Musiker Ahmad Dhani Prasetyo während des Wahlkampfes auf Twitter: «Alle, die diesen Gotteslästerer unterstützen, sind Abschaum und verdienen es, ins Gesicht gespuckt zu werden.»

Ahok hatte sich mehrfach für seine Aussage über den Koran entschuldigt. Sie sei falsch verstanden worden. Doch die kollektive Wut der Islamisten klang nicht ab. Er wurde am 19. April 2017 abgewählt. Kurz darauf verurteilte ihn ein Gericht am 9. Mai 2017 wegen Blasphemie zu zwei Jahren Haft, trotz internationaler Kritik.

BTP statt Ahok

Nun wurde der 52-jährige Christ chinesischer Abstammung dank guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Offen ist, ob der Ex-Gouverneur von Jakarta in die Politik zurückkehren wird. Seine Freilassung wurde von Anhängern gefeiert. Er selbst liess seine Zukunft offen – kündigte aber an, dass er auf seinen chinesischen Spitznamen Ahok verzichten wolle. Künftig will er mit den Initialen seines bürgerlichen Namens Basuki Tjahaja Purnama genannt werden: BTP.

Zunehmende Islamisierung

Indonesien, das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt, galt lange als demokratischer Vorzeigestaat unter den Ländern mit einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung. Seit einigen Jahren gewinnen islamistische Kräfte jedoch an Einfluss. Der Fall BTP ist ein Zeichen für die zunehmende Islamisierung von Indonesiens Politik und Gesellschaft.

Dabei ist BTP nicht das einzige Opfer von Blasphemie-Anschuldigungen in der jüngsten Geschichte Indonesiens: Am 17. Juli 2018 wurde die Buddhistin Meiliana zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatte sich beschwert, dass die Gebetsaufrufe der Moschee in der Nachbarschaft zu laut seien. Und nachdem die christliche Politikerin Grace Natalie am 11. November 2018 bekanntgegeben hatte, dass ihre Partei weder die Evangelisierung noch die Scharia in Indonesien unterstützen würde, reichten konservative Muslime Klage gegen sie ein. Ihre Aussage sei islamfeindlich.

Immerhin wurde der muslimische Musiker Prasetyo für seine Beschimpfung von BTPs Anhängern auf Twitter angeklagt. Zudem wurde der ehemalige Universitäts-Dozent Buni Yani zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte auf Facebook ein Video hochgeladen, in dem BTP verunglimpft wird.

Rund 20 Millionen Indonesier bekennen sich zum christlichen Glauben.

Reto Baliarda

Quellen: jakartaglobe, jakartapost, sda, uca

 

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Silvia Schläfli

Ich wünsche Ahok, dass sich bald alles beruhigt und er endlich in Frieden irgendwo leben kann. Es macht mich sehr traurig, dass wir Christen unseren Glauben leben können und trotzdem so viele nichts mehr von der Kirche wissen wollen.


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