• Südsudan

Aleut entkommt Messerstecher-Sklavenhalter

25. September 2020

Fast 20 Jahre war die heute 31-jährige Aleut Mawien Deng eine rechtlose Sklavin im Sudan. Weil ihr brutaler Sklavenhalter ihr mit einem Messer ins Bein stach, ist Aleut auf einem Bein praktisch gelähmt. Doch sie hat ihr Lachen nicht verloren. Für CSI berichtet sie aus ihrem Leben.



«Ich war zuhause in meinem Dorf nördlich der Stadt Aweil, als Kämpfe zwischen der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) und arabischen islamistischen Milizen ausbrachen. Auf ihrem Rückweg in Richtung Nordsudan überfielen die Milizen unser Dorf. Ich schrubbte gerade den Boden unseres Hauses. Da tauchten plötzlich die Kämpfer auf. Sie befahlen mir, mitzukommen. In Todesangst wagte ich es nicht, Widerstand zu leisten. Ich liess alles liegen und ging mit.

Während der langen Verschleppung in den Norden nahmen die Araber weitere Menschen aus Nachbardörfern gefangen. Wir hatten die ganze Zeit grosse Angst, dass uns die Entführer töten würden. Auch spürten wir konstant ein Magenbrennen, denn das bisschen Sorghumhirse, das uns die Araber zu essen gaben, reichte für uns niemals aus.

Verheerender Übergriff mit Folgen

Nach der Ankunft im Norden wurde ich an Mohammed versklavt. Er hatte vier Frauen und viele Kinder. Täglich musste ich das Haus reinigen, die Kleider waschen und Wasser von weit her holen. Mohammed behandelte mich unmenschlich. Immer wieder schlug er mich. Zudem zwang er mich zu arbeiten, selbst wenn ich krank war.

Eines Tages war ich mit der Hausreinigung etwas spät dran. Das erzürnte Mohammed derart, dass er mir mit einem grossen, scharfen Messer ins Bein stach. Die Verletzung ist so schlimm, dass ich das Bein heute kaum mehr bewegen kann.

Doch Mohammed war das egal. Er quälte mich weiter und zwang mich auch, einen alten Araber als Mann zu nehmen, mit dem ich vier Kinder habe.

Weg in die Freiheit

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eines Tages ein Wunder geschehen würde. An einem Tag im Herbst 2019 war ich wieder einmal damit beschäftigt, Wasser vom Brunnen zu holen. Da kam ein fremder Mann auf mich zu und sagte mir, dass er mich zurück in den Südsudan bringen könne. Er machte mir Mut und meinte, dass ich keine Angst haben müsse. Seine Begleiter und er würden mich beschützen. Ich willigte ein. Daraufhin brachte er mich zu einem Ort, wo ich auf andere befreite Sklaven aus meiner Heimat traf.

Wir wurden auf dem Rückweg gut behandelt. Unser Befreier gab uns genügend zu essen, was ich seit Jahren nicht mehr erlebt hatte.

Ich bin so glücklich und dankbar, dass ich wieder in meiner Heimat sein kann, und das als freier Mensch. Ich hoffe und bete, dass meine vier Kinder eines Tages wieder bei mir sein werden.»

Aufgezeichnet von Reto Baliarda

 

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