• Türkei

Amerikanischer Pastor sitzt im Gefängnis

10. Januar 2017

Ein Gericht hat den amerikanischen Pastor Andrew Brunson (48) am 9. Dezember 2016 für eine unbestimmte Dauer ins Gefängnis geschickt. Brunson werden Verbindungen zur Bewegung von Fetah Gülen nachgesagt, der für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird. Das Gericht stützt sich dabei lediglich auf Anschuldigungen eines geheimen Informanten.



Zusammen mit seiner Frau Norine war Andrew Brunson am 7. Oktober 2016 für die Ausschaffung in Gewahrsam genommen worden. Während Norine am 20. Oktober entlassen wurde und eine verlängerte Aufenthaltsgenehmigung erhielt, blieb Andrew bis zum Gerichtstermin vom 9. Dezember in Haft.

Nun hat das Gericht enschieden, dass Brunson auf unbestimmte Zeit inhaftiert wird. Die Ankläger werfen Andrew Brunson vor, Verbindungen zur Bewegung von Fetullah Gülen zu haben. Gülen steht im Verdacht, für den gescheiterten Militärputsch gegen die türkische Regierung vom 15. Juli 2016 verantwortlich zu sein. Seinen Entscheid, Brunson einzusperren, führt das Gericht auf Anschuldigungen eines geheim gehaltenen Informanten zurück.

Christen können «Glauben frei ausüben»

Ein türkisches Gericht lehnte am 29. Dezember 2016 einen Antrag ab, Pastor Andrew Brunson aus dem Gefängnis zu entlassen. Ein ehemaliger türkischer Beamter erklärte am 3. Januar 2017 einem Kolumnisten des Wall Street Journals, die Annahme sei lächerlich, dass Brunson wegen seines christlichen Glaubens verhaftet wurde. Christen könnten in der Türkei «ihren Glauben frei ausüben.»

Bisher konnte die Familie Andrew Brunson nur einmal besuchen, am 28. Dezember 2016. «Während türkische Gefängnisinsassen einmal pro Woche Familienbesuch empfangen können, muss Andrews Familie für jeden Besuch beim Justizminister einen Antrag stellen», schreibt die Organisation Middle East Concern.

Anwaltsbesuche werden überwacht

Brunsons Anwalt konnte seinen Mandanten bisher immerhin drei Mal sehen. Doch wegen des von der Regierung ausgerufenen Notstandes seit dem Putschversuch können sich die beiden nicht in Ruhe unterhalten. «Die Besuche werden aufgezeichnet. Sämtliche Notizen, die der Anwalt macht, werden von der Gefängnisaufsicht kopiert», teilt das «Amerikanische Zentrum für Gesetz und Recht» mit, das sich für die Familie Brunson einsetzt.

 

Reto Baliarda

Quellen: wwm/ Anadolu

 


 

Knapp einem Attentat entkommen

Im Frühjahr 2011 entkam Andrew Brunson nur knapp einem Anschlag. Gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu hatte Brunson damals berichtet, dass ein junger Mann vor seiner Kirche etwas gerufen und dann mit Platzpatronen in seine Richtung geschossen hatte. Als der Mann in seine Tasche griff, um ein richtiges Gewehr herauszuholen, sei er überwältigt und verhaftet worden.

Ihr Kommentar zum Artikel

Wir freuen uns, wenn Sie hierzu eine Rückmeldung oder Ergänzung haben. Themenfremde, beschimpfende oder respektlose Kommentare werden gelöscht.

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.