Anschläge bringen Kirche praktisch zu Fall

20. Dezember 2017

Der Buddhismus wird im Westen häufig als friedliche Religion wahrgenommen. In Sri Lanka gibt es aber auch extremistische Buddhisten und Mönche, die mit Gewalt gegen Andersgläubige vorgehen. Ein CSI-Team hat Opfer von Übergriffen besucht, darunter auch Pastor Raja.



«Hier haben sie die Scheiben eingeschlagen und sind durch das Fenster eingestiegen.» Pastor Raja zeigt auf die zerbrochenen Fensterscheiben, die seit dem Einbruch im Juli behelfsmässig mit Karton und Zeitungspapier geflickt sind. Die Angreifer nutzten die Wohnung als Einstieg zum angrenzenden Kirchengebäude, um dort die Wände und Böden zu verunstalten. Beim Besuch Mitte September sind die Innenwände der Kirche noch immer mit schwarzen Fettklecksen übersät, die kaum zu entfernen sind.

Vielschichtiger Boden für Religionskonflikte

Sri Lanka leidet seit Jahrzehnten unter den Spannungen zwischen den einheimischen Singhalesen und den Tamilen, der grössten Minderheit des Landes. Ein grosser Teil der Tamilen sind Hindus, aber auch Christen und Muslime.  Die Folgen des 26-jährigen Bürgerkrieges, bei dem 2009 das Militär die Tamilen endgültig besiegte, sind bis heute stark zu spüren. Die dringend notwendigen Friedensbemühungen seitens der Regierung zwischen den beiden Fronten sind bis heute ausgeblieben. Die meist im Norden und Osten lebende tamilische Bevölkerung wird von der Regierung stark vernachlässigt, was diese Minderheit immer verwundbarer macht.

Nationalismus mit Religion verknüpft

Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren das extremistische buddhistische Gedankengut, gekoppelt mit einem stärker werdenden Nationalismus, sowohl in der Gesellschaft, aber auch unter Politikern und Mönchen bemerkbar gemacht. Dieser Hass, die Diskriminierung und die Angriffe im Alltag, bereiten den Minderheiten immer mehr Kummer und Angst. Die Stimmen seitens der Extremisten, dass ein richtiger Sri Lanker nur ein Buddhist sein kann, werden immer lauter. Minderheiten leiden immer mehr unter diesen erschreckenden Tendenzen.

Projektpartnerin Esther bestätigt dies: «Gerade in der letzten Zeit sind einige nationalistische Mönche zu leitenden Positionen gekommen. Sie hetzen andere Buddhisten auf und gehen dann gemeinsam mit Gewalt gegen Andersgläubige vor.»

Plötzlich gewalttätig

Auch Pastor Raja ist ein Opfer solcher Angriffe. Er begann seinen Dienst 2001 im Süden Sri Lankas und erbaute 2003 das Kirchengebäude. Während diesen Jahren traten Spannungen auf, doch kam es nie zu gewalttätigen Übergriffen. Im März 2017 begann jedoch eine Serie von Anschlägen gegen die Gemeinde, die sie nun fast zu Fall bringen: Am Sonntag, 26. März, umringten extremistische Mönche und etwa 50 Männer das Kirchengebäude. Sie schlugen anwesende Gemeindemitglieder zusammen, jagten Fliehenden nach und schrien immer wieder: «Kehrt nie mehr zurück!»

Pastor Raja ging sogleich zur Polizei, um den Anschlag gegen ihn und seine Gemeindemitglieder zu melden. Doch die Polizei unternahm nichts gegen die Angreifer, im Gegenteil: Sie leitete eine Beschwerde des buddhistischen Mobs gegen den Pastor ans Gericht weiter.

Polizei schaut tatenlos zu

Das Gericht bewilligte die christlichen Gottesdienste von Pastor Raja. Als die Extremisten davon erfuhren, begingen sie einen weiteren Anschlag: Sie kappten den Strom zum Haus des Pastors und warfen während drei Tagen und drei Nächten Steinbrocken auf die Kirche und seine Wohnung. «Das Dach und die Hausfassade wurden schwer beschädigt. Fensterscheiben gingen zu Bruch und lagen in Scherben auf dem Boden. Wir hatten solche Angst, konnten aber das Haus nicht verlassen», erinnert sich der Pastor.

Das CSI-Team ist erschüttert über den Bericht und die Untätigkeit der Polizei. Pastor Raja und seine Gemeinde sind den Angreifern schutzlos ausgeliefert und leben seit dem ersten Angriff im März 2017 in ständiger Angst: Jederzeit könnte wieder ein Mob auftauchen, jederzeit könnten wieder Steine fliegen oder ins Haus eingebrochen werden.

«Die buddhistischen Mönche haben eine enorme Macht im Land. Niemand wagt es, seine Stimme gegen sie zu erheben», erklärt ein Anwalt. «Sogar die Polizei und Mitglieder von lokalen Behörden schweigen in gewissen Situationen aus Angst».

Während des gemeinsamen Gesprächs erzählt Pastor Raja mit gefasster Stimme von den verschiedenen Vorfällen. Doch als er über den Zustand seiner Gemeinde sprechen will, treten ihm Tränen in die Augen. Seit dem Angriff Ende März ist alles anders. «Meine Gemeinde hat grosse Angst. Viele wurden damals zusammengeschlagen.» Aus Sicherheitsgründen haben viele die Gemeinde verlassen. «Früher waren wir etwa 40 Familien, letzten Sonntag waren wir nur noch sechs Personen», bringt Pastor Raja mit leisen Worten hervor. Dann tritt ein Lächeln über das müde Gesicht: «Dennoch halte ich an meinem Dienst hier fest. Dank der Unterstützung von CSI und NCEASL fasse ich immer wieder neuen Mut.»

Corinne Germann

 

 


 

Hilfe für bedrohte Christen

CSI ist seit 2016 in Sri Lanka tätig. Zusammen mit der Projektpartnerin, der Evangelischen Allianz von Sri Lanka (NCEASL), bietet CSI Schutzorte für bedrohte Christen und leistet lebensnotwendige Hilfe. Auch wird der Wiederaufbau von zerstörten Kirchen und Häusern mitfinanziert.

Im Weiteren erhalten bedrängte und verfolgte Pastoren juristische Unterstützung. So werden sie beispielsweise durch Mitarbeitende der NCEASL vor Gericht vertreten.

Die Projektpartner setzen sich ferner für den Dialog und den Frieden zwischen den verschiedenen Religionsgruppen ein. Die Evangelische Allianz hat hier mittlerweile eine tragende Rolle eingenommen.

 

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Projekt Sri Lanka