Auch in der Not hielt sie an ihren Überzeugungen fest

07. März 2017

Mehr als 20 Jahre musste Abouk Maduok Garang als Sklavin schuften und abscheuliche Misshandlungen über sich ergehen lassen. Obwohl die Südsudanesin Fürchterliches durchmachen musste, hat sie ihren Lebensmut nicht verloren. Heute ist sie frei.



Es muss im Jahre 1993 passiert sein. Abouk war als kleines Mädchen mit zwei Freundinnen auf dem Weg zum Markt, als plötzlich arabische Milizen auf ihren Pferden auftauchten und alle drei gefangen nahmen. Sie wurden nicht nur gezwungen, hinter den Kidnappern zu marschieren, sondern mussten zugleich die gestohlenen Kühe treiben. Beim Verlust einer Kuh hätte ihnen der Tod gedroht.

Kaltblütig umgebracht

Abouk und ihre Nachbarinnen wurden mit vielen weiteren Südsudanesen von den brutalen Milizen verschleppt. An die Entführung ins sudanesische Dorf Magedim hat Abouk traumatische Erinnerungen: «Ich musste zusehen, wie zwei Frauen getötet wurden, weil sie sich gegen die Vergewaltigung wehrten. Ich selbst wurde auf dem Weg in den Norden oft wegen Kleinigkeiten geschlagen.»

Als sie in Magedim ankamen, wurden alle Frauen an verschiedene arabische Männer versklavt. Abouk selbst wurde einem Mann namens Ali Shaga zugeteilt. Ihre beiden Nachbarinnen mussten als Sklavinnen auf einem benachbarten Bauernhof arbeiten, der einem Verwandten Alis gehörte.

Sklavenhalter kannte kein Erbarmen

Abouk erlebte bei Ali eine schlimme, scheinbar nicht enden wollende Zeit. Sie wurde sehr schlecht behandelt. Ausserdem stand sie unter ständiger Beobachtung ihres Sklavenhalters. Wahrscheinlich, so die Südsudanesin, hatte Ali Angst, dass sie einen Fluchtversuch wagen könnte. «Während all der schlimmen Jahre als Sklavin sah ich nie einen Arzt, obwohl mich Ali immer wieder brutal zusammenschlug, weil ich beispielsweise die Beschneidung verweigerte.» Sie schuftete sehr hart, doch einen Lohn erhielt Abouk dafür nicht.

Ali versuchte auch, seine Sklavin aus religiösen Gründen zu züchtigen. Jeden Freitag sollte sie in die Moschee gehen. Jedes Mal, wenn sie sich dem widersetzte, wurde sie verprügelt. Doch sie wollte an ihrem christlichen Glauben festhalten. Die Moscheebesuche waren für sie daher beklemmend und bedrohlich.

Entscheid für die Freiheit

Durch ein arabisches Mädchen erfuhr Abouk im Herbst 2016, dass sich der Sklavenbefreier Adam Mousa in der Nähe aufhielt. Er wolle versklavte Dinka-Mädchen zurück in den Südsudan bringen. «Ich hatte das Glück, dass ich bald darauf Adam traf, als ich Wasser holen ging. Er überzeugte mich, mit ihm zurück in den Südsudan zu gehen.» So einfach war dieser Entscheid für Abouk allerdings nicht, obwohl Ali sie tatsächlich laufen liess, nachdem er von Adam Futter und Medikamente für sein Vieh erhalten hatte. Denn Ali hatte es ihren beiden Söhnen nicht erlaubt, mir ihr zu ziehen.

Trotzdem ist Abouk sehr dankbar, dass sie heute wieder in ihrer Heimat leben kann. Noch immer wird sie von den Schmerzen geplagt, die ihr ihr ehemaliger Sklavenhalter mit seinen Schlägen zugefügt hat. Dabei zeigt sie CSI-Stiftungsrat Markus Weber, der bei Abouks Rückkehr im November 2016 vor Ort war, die Wunden am rechten Bein. Dennoch freut sie sich über ihr neues Leben als freier Mensch.

Reto Baliarda

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