• Südsudan

Aus dem Flüchtlingslager entführt und versklavt

30. Mai 2021

Achol Thiep Thiep kam in einem Flüchtlingslager im Sudan zur Welt. Sie war ein kleines Mädchen, als sie von Islamisten aus dem Lager verschleppt und einem Sklavenhalter übergeben wurde. Nach jahrzehntelanger Unterdrückung wurde sie gerettet.



Achols Eltern lebten im heutigen Südsudan an der Grenze zum Sudan. Als die arabisch-islamistischen Kämpfer im Auftrag der sudanesischen Regierung den christlich-animistischen Süden angriffen, flohen sie in den muslimischen Teil des Sudans und strandeten dort in einem Flüchtlingslager. Nach einigen Monaten kam Achol zur Welt.

Achol verbrachte die ersten Jahre wohlbehütet bei ihren Eltern. Doch eines Tages drangen arabische Kämpfer in die Flüchtlingsunterkunft ein und entführten das kleine Mädchen vor den Augen seiner hilflosen Eltern.

Die Islamisten übergaben Achol einem arabischen Gutsherrn, der zwei Frauen und neun Kinder hatte. Täglich musste sie das Haus putzen und Wasser für die beiden Frauen schleppen. Zu essen erhielt sie meistens nur die Reste der Familie. «Zudem musste ich in einem winzigen Raum auf dem Boden schlafen.»

Auch sonst erlebte Achol im Haus der Grossfamilie eine fürchterliche Zeit. «Die Kinder grenzten mich aus und schlugen mich häufig», berichtet sie. Auch ihr Gebieter verprügelte Achol und beschimpfte sie als «Hund» oder «Esel», wenn er mit ihrer Arbeit nicht zufrieden war.

Achol musste während über 20 Jahren ungeheuerliche Qualen über sich ergehen lassen. Der Sklavenhalter vergewaltigte sie oft in der Nacht. Unter Todesdrohungen zwang er sie überdies, Muslimin zu werden. «Ich musste den Islam annehmen, wenn mir das Leben lieb war», bemerkt sie.

Nach 28 Jahren endlich zuhause

Konnte sich Achol jemals vorstellen, der Sklaverei zu entrinnen? Auf jeden Fall war sie überrascht, als sie am 2. Dezember 2020 wie üblich Wasser holte und dabei an der Wasserstelle einem arabischen Händler begegnete. «Er bot mir an, mich in meine ursprüngliche Heimat, den Südsudan, zu bringen. Ich musste nicht lange überlegen und ging voller Freude und Hoffnung mit ihm.» Der Befreier brachte die junge Frau zusammmen mit anderen geretteten Sklaven in den Südsudan.

Achol kann ihr Glück kaum fassen, dass sie nun als freier Mensch in ihrer Heimat leben kann. Kommt dazu, dass sie dank einem Nahrungsmittelpaket, einem Startsack mit Werkzeugen und vor allem einer Milchziege von CSI eine Zukunftsperspektive erhalten hat. «Ich danke Gott, dass er mir geholfen hat, der Sklaverei zu entkommen.» 


Reto Baliarda

 

 

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