• Sri Lanka

Bedrohter Pastor musste mit seiner Frau untertauchen

25. April 2017

Ein von buddhistischen Mönchen angeführter Mob wollte einen Pastor zwingen, den Gottesdienst abzubrechen. Weil die Lage mit den buddhistischen Fanatikern später ausser Kontrolle zu geraten drohte, musste der Pastor mit seiner Familie untertauchen.



Wie jeden Sonntag feierte Pastor Alawi* auch am 25. März 2017 mit seinen Gemeindemitgliedern nahe der singhalesischen Stadt Ingiriya Gottesdienst. Es war gegen zwölf Uhr mittags, als plötzlich ein von drei buddhistischen Mönchen angeführter Mob in die Kirche hereinplatzte und den Pastor aufforderte, den Gottesdienst unverzüglich abzubrechen. Der aufgebrachte Mob von rund 50 Buddhisten knöpfte sich darauf jeden einzelnen Besucher vor und fragte sie nach deren Namen und Beweggründen, warum sie am Gottesdienst teilnehmen würden.

Einem Kirchenmitglied gelang es, noch während des Vorfalls die Polizei zu alarmieren. Kurze Zeit später erschienen zwei angetrunkene Polizisten. Doch anstatt den Angst einflössenden Mob in die Schranken zu weisen, beschimpften die Polizisten die Kirchenbesucher und bezeichneten sie als Störenfriede. Auch wiesen sie den Pastor an, sich auf eine Befragung auf der Polizeiwache gefasst zu machen.

Vom Mob schikaniert und bedroht

Nach zwei ergebnislosen Befragungen wurde Pastor Alawi am 2. April erneut vorgeladen. Vor dem Polizeiposten wartete ein Mob von 200 Buddhisten und 20 Mönchen auf ihn. Zwar jagten sie dem Pastor Angst ein, liessen ihn jedoch passieren. Während des Verhörs verlangte der zuständige Polizeioffizier vom Pastor ein Bewilligungsschreiben, das ihn für die Durchführung von Gottesdiensten ermächtige. Alawi entgegnete, dass eine solche Verfügung von Gesetzes wegen nicht nötig sei. Daraufhin verlangte der Polizist, dass der Pastor seinen Dienst sofort niederlege, ansonsten würde das Ganze für ihn schlimme Folgen haben.

Doch Alawi gab nicht nach und versicherte, dass er weiterhin als Pastor seine Aufgaben wahrnehmen werde. Deshalb drohte ihm der Polizeioffizier mit einer Anklage wegen Störung der öffentlichen Ruhe.

Als der Pastor aus dem Gebäude kam, wurde er vom selben Mob bedroht und zunächst am Verlassen des Areals gehindert. Die wütenden Buddhisten schikanierten den Pastor, indem sie die Luft aus den Reifen seines Motorrads abliessen und rohe, zerschlagene Eier in dessen Helm warfen. Schliesslich liessen sie ihn gehen. Als Pastor Alawi endlich zuhause ankam, musste er feststellen, dass Unbekannte sein Haus mit Steinen beworfen und beschädigt hatten.

Flucht nach vereitelter Attacke

Kaum war er in seiner Wohnung, sah er mit Schrecken, wie Dorfbewohner das  Haus umzingelten und Drohungen gegen ihn ausstiessen. Doch er fasste sich ein Herz und kam aus dem Haus heraus, um die angespannte Lage mit den buddhistischen Nachbarn zu klären. In dem Moment, als ihn ein Bewohner mit einer Stange attackieren wollte, schritten vier Sicherheitskräfte ein, die zuvor von einem anderen Pastor benachrichtigt worden waren. Diese rieten Alawi eindringlich, das Dorf vorübergehend zu verlassen und an einem sicheren Ort Zuflucht zu suchen, bis sich die Lage wieder beruhigt hätte. Zusammen mit seiner Frau floh der Pastor in eine christliche Wohnstätte.

Die letzten 17 Jahre, in denen Pastor Alawi die evangelische Kirchgemeinde geleitet hatte, waren immer wieder von Spannungen geprägt. Im Jahre 2002 hatte ein wütender Mob gar die Kirche des Pastors zerstört.

 

Reto Baliarda

*Name geändert

 

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