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Befreit: Agol Chan Gop

18. August 2014

Als Kind wurde Agol von arabischen Milizen verschleppt, vergewaltigt und versklavt. CSI konnte sie befreien und für ein Leben in Freiheit ausrüsten.



Agol kommt aus Nyinbuli im Südsudan. Sie hatte eine Schwester und zwei Brüder, mit denen sie gerne spielte. Agol weiss nicht, was aus ihnen geworden ist, denn als sie noch ein junges Mädchen war, wurde sie mit zwölf anderen Mädchen von arabischen Dschandschawid-Milizen entführt und in den Norden gebracht. «Auf der Reise wurde ich vergewaltigt», erzählt sie. «Als wir im Norden ankamen, wurde ich von den anderen getrennt und nach Kareau in Darfur gebracht.» Ein gewisser Ibrahim wurde Agols Besitzer. Er zwang sie, seine Frau zu werden. Wenn sie sich ihm verweigerte, misshandelte er sie. «Einmal stach er mit einem Messer auf mich ein», sagt Agol. Sie wurde beschnitten, wurde gezwungen, sich zum Islam zu bekennen und den muslimischen Namen Saydia anzunehmen.

Agol musste sich um den grossen Haushalt kümmern, die Wäsche waschen und den Hof säubern. Ibrahim hatte noch zwei andere Frauen, die Agol mit Stöcken schlugen. Zu essen bekam sie nur wenig, manchmal auch gar nichts.

Agol bekam zwei Kinder, Mohammed und Musa. «Sie wurden mir weggenommen, als sie jeweils etwa ein Jahr alt waren», sagt Agol. «Ich weiss nicht, wo sie sind – wenn sie überhaupt noch leben.» Einmal wagte sie, Ibrahim nach ihren Kindern zu fragen. Er antwortete ihr barsch: «Denkst du wirklich, dass du in deinem Leben genügend Sicherheit hast, um Kinder zu haben?»

Sklavenhalter muss Agol ziehen lassen

Ihre Sehnsucht nach der Heimat verliess sie nie: «Ich wollte immer in den Süden zurückkehren», sagt Agol, «aber es gab einfach keine Chance.» Bis eines Tages ein Mann, ein Araber, zu Ibrahim kam. «Er fragte, wer ich sei und woher ich komme, und verlangte von Ibrahim, mich gehen zu lassen. Aber Ibrahim weigerte sich.» Der Mann war ein CSI-Sklavenrückführer. Am nächsten Tag kam er in Begleitung von bewaffneten Männern des Dorfvorstehers wieder und Ibrahim musste Agol gehen lassen.

Heute ist Agol frei. Sie wurde gemeinsam mit einer Gruppe anderer befreiter Sklaven zurück über die Grenze geschmuggelt. «Ich bin überaus glücklich, dass ich aus Ibrahims Klauen befreit wurde. Jetzt gehe ich und versuche, meine Eltern zu finden.» Ausgerüstet mit einem CSI-Startsack, Hirse und einer Ziege zieht sie los.

Autorin: Luise Fast

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