Befreiung nach dem zweiten Fluchtversuch

03. April 2018

17 Jahre lang wurde Ajang Akok Akoon von der Familie ihres Sklavenhalters gedemütigt, beschimpft und misshandelt. Nach einem missglückten Fluchtversuch droht ihr der Sklavenhalter mit dem Tod. Dennoch flieht sie erneut.



Ajang hatte im Wald wilde Blätter gesammelt und befand sich auf dem Weg nach Hause, als sie von arabischen Milizen verschleppt wurde. «Ich hatte versucht, wegzulaufen. Doch sie holten mich ein, packten mich und schlugen mich fürchterlich zusammen.» Die Entführung in den Norden dauerte sieben unendlich lange Tage. Nachts wurde Ajang gefesselt, womit ihr jegliche Hoffnung auf einen Fluchtversuch genommen wurde.

Nach der Ankunft im heutigen Süden des Sudans wurde Ajang an Hessan Abdhala übergeben, der fortan seine neue Sklavin behandeln konnte, wie es ihm gefiel. Ständig wurde Ajang von Hessans grosser Familie beschimpft und zusammengeschlagen. «Meistens wurde ich verprügelt, wenn ich ihrer Ansicht nach das Essen zu spät brachte oder ich nicht schnell genug eine Antwort auf eine Frage gab», erzählt sie.

Dazu kam, dass sie ständig an Hunger litt, weil sie nur die dürftigen Essensreste erhielt. Sie hielt ihren Leidensdruck nicht mehr aus und floh. Doch Hessan fing sie wieder ein: «Ich wurde fürchterlich zusammengeschlagen. Hessan und seine Leute drohten, mich zu töten, falls ich es nochmals versuchen sollte.» Ajang musste Todesängste ausstehen. Denn sie hatte auch mitansehen müssen, wie anderen Sklaven nach gescheitertem Fluchtversuch der Hals aufgeschlitzt wurde.

Missglückter Fluchtversuch

In ihrer Verzweiflung erfuhr Ajang eines Tages im Frühsommer 2017, dass sich ein Araber in ihrer Umgebung aufhielt, der Sklaven befreien und diese zurück ins Dinkaland (Südsudan) bringen würde. Diese Nachricht schenkte ihr neuen Mut. Trotz der Drohungen beschloss sie erneut, zu fliehen. Zu ihrem Glück dauerte es nur kurze Zeit, bis sie den Sklavenbefreier fand.

Doch ihre Freude über die angeblich geglückte Flucht währte zunächst nur kurze Zeit. «Hessan fand heraus, wohin ich geflohen war, und suchte den Befreier auf», erklärt sie. Die beiden Männer begannen, intensiv miteinander zu diskutieren. Ajang verfolgte das Gespräch nebenan und war voller Angst. «Würde mich Hessan wieder an sich reis­sen und mich töten, wie er gedroht hatte?» Mit rasendem Herzklopfen hörte sie ihren ruchlosen Sklavenhalter sagen, dass er seine Sklavin mit dem arabischen Befreier nur dann ziehen lassen würde, wenn dieser ihm etwas bezahlen würde. «Ich war unglaublich erleichtert, als ich sah, wie der fremde Mann Hessan etwas gab, und ich tatsächlich gehen konnte.» Der Befreier führte Ajang zu seinem Lager, wo sich bereits andere ehemalige Sklaven aufhielten.

Auf dem Weg zurück in ihre Heimat wurden alle vom Befreier gut behandelt. «Doch wir hatten grosse Angst davor, von sudanesischen Milizen entdeckt zu werden», gesteht Ajang. Diese Angst wich jedoch einer grossen Freude, als die Gruppe die Grenze zum heutigen Südsudan überquert hatte. «Ich bin so froh und dankbar, dass ich wieder im Dinkaland sein kann. Nun brauche ich mich nicht mehr zu fürchten.»

Reto Baliarda

 

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Projekt Südsudan