Bessere Schulen verändern Slum in Amauta

19. Juni 2014

Teenager stehen bei unserer peruanischen Partnerorganisation im Zentrum. Ihr jahrelanger Einsatz hat sich gelohnt. Im April 2014 reiste ein CSI-Team nach Peru und sah den positiven Wandel im Slumgebiet Amauta bei Lima.



«Die Verbesserung an unserer Schule ist enorm. Es ist für mich ein grosses Vorrecht, den positiven Veränderungsprozess miterleben zu dürfen», sagte mir Andrés Hilario, der Leiter der Aichi-Nagoya-Schule in Amauta, einem Slum bei der peruanischen Hauptstadt Lima. Er rühmte die «wertvolle Arbeit» von Intsol, dem CSI-Partner in Peru; Intsol habe diesen positiven Veränderungsprozess in Gang gesetzt. Die Atmosphäre an der Schule sei viel besser geworden. Ein Beispiel:

Joselyn wurde schon als 15-Jährige schwanger. «Ich war schockiert», erzählte sie mir. «Ich hatte enorme Angst vor den Reaktionen meiner Mitschüler und Lehrer.» Junge Mütter werden normalerweise respektlos behandelt, von der Schule ausgeschlossen und auch zu Hause abgelehnt. Bei Joselyn war das nicht so. Sie sei tief beeindruckt: «Mein Schulleiter, Andrés Hilario, hat mir versichert, dass er und die Lehrer mich unterstützen werden, damit ich den Unterricht weiter besuchen kann.» Auch ihre Mitschüler seien ermutigt worden, sie zu unterstützen. «Ich bin überzeugt, dass ich dies Intsol zu verdanken habe.» Sie könne jetzt die Schule abschliessen und sehe so wirklich eine Zukunft. «Ohne Schulabschluss hätte ich schwarz gesehen für mich und meinen Sohn.»

Keine Pflichtübung mehr

An jeder Schule in Lima ist die Schulstunde Tutoría Pflicht. Was dort genau gemacht werden soll, ist jedoch nicht klar festgelegt und interessiert auch niemanden so recht. «Es war eine Stunde ohne Inhalt und Ziel», so Olga Arellano, Lehrerin der fünften Klasse in der Aichi-Nagoya-Schule. «Diese Stunde hat jetzt einen ganz neuen Stellenwert erhalten.» Arellano geht nun nach dem Programm von Intsol vor und behandelt alltagsnahe Themen wie «respektvoller Umgang», «Welchen Nutzen hat die Schule» oder «Meine Pläne für die Zukunft». «Die Jugendlichen sind plötzlich sehr motiviert, hier mitzumachen.» Viele der Kinder haben schon viel Schweres erlebt und seien sehr dankbar, sich darüber austauschen zu können.

Alle Fünftklässler nehmen am Intsol-Programm für Teenager teil. Somit dürfen sie neben dem Tutoría in der Schule zusätzlich jeweils samstags an speziellen Workshops teilnehmen, wo Themen behandelt werden wie zum Beispiel häusliche Gewalt, kriminelle Banden oder Drogen.

Für diese Workshops arbeitet Intsol eng mit Regierungsstellen zusammen, etwa den Ministerien für Erziehung, Kultur und Gesundheit sowie den lokalen Behörden. Dass die Regierungsstellen in die Arbeit von Intsol einbezogen werden, ist enorm wichtig und fördert das Vertrauen zwischen den staatlichen Stellen und der Bevölkerung.

In einem ersten Schritt müssen die Regierungsangestellten selbst motiviert und ermutigt werden, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Oft haben sie von ihrem Aufgabenbereich keine Ahnung und werden den Problemen der Jugendlichen nicht gerecht. In einem zweiten Schritt werden die Regierungsangestellten durch Psychologen und Sozialarbeitende von Intsol geschult, damit sie die Unterstützungsarbeit für Jugendliche in Zukunft alleine weiterführen können. Intsol organisiert Frühstückstreffen mit allen Beteiligten, damit sich diese kennenlernen und eng zusammenarbeiten – was bisher nicht der Fall war. «Sobald die Lehrer, die Schulleitung und die lokalen Behörden die Kurse selbstständig durchführen können, gehen wir mit unserem Fachwissen an die nächsten Schulen», sagt Marilú Villanueva, die Geschäftsführerin von Intsol.

Auch die Eltern sind gefragt

Die Kinder erleben oft häusliche Gewalt und werden von den Eltern häufig vernachlässigt. Deshalb müssen die Eltern ebenfalls in den Veränderungsprozess einbezogen sein. Bei regelmässigen interaktiven Treffen leitet Intsol sie an, die Nöte und Probleme ihrer Kinder wahrzunehmen und ihnen richtig zu begegnen, ihnen mit viel Liebe, Weisheit, Klarheit und Geduld zur Seite zu stehen. «Es braucht alle Parteien, damit wir die Jugendlichen optimal auffangen, unterstützen und langfristig Positives bewirken können», so Marilú. Es ist ermutigend zu sehen, wie das Konzept funktioniert: Teenager, Eltern, Lehrer und andere Staatsangestellte verändern sich positiv und verbessern gemeinsam die menschenverachtenden Verhältnisse in den Slums.

Autorin: Projektleiterin Inés Wertgen

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