Buharis Kampf gegen den Terror

11. August 2015

Der neue nigerianische Präsident Muhammadu Buhari hat der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram den Kampf angesagt. Ob diesen Worten auch Taten folgen, bleibt abzuwarten.



Am 31. März 2015 wurde zum ersten Mal in Nigeria ein amtierender Präsident, Goodluck Jonathan, durch eine ordentliche Wahl abgelöst. Jonathan räumte seine Wahlniederlage ein und trug so entscheidend zu einem friedlichen Machtwechsel bei. Bei seinem Amtsantritt am 29. Mai 2015 versprach der 72-jährige Buhari, entschlossen gegen Boko Haram vorzugehen. Der neue nigerianische Präsident ist frommer Muslim, der Religion für Privatsache hält und sich öffentlich in aller Form vom Extremismus der Terroristen distanziert. «Boko Haram ist eine Gruppe verrückter und gottloser Menschen», betont er.

Putsch in den 80er-Jahren

Dass Entschlossenheit zu seinen Charakterzügen gehört, hat Muhammadu Buhari bereits vor 30 Jahren bewiesen: Als General hatte er 1983 die damalige Zivilregierung weggeputscht. Seine rund 20 Monate dauernde Diktatur trug groteske Züge. Da er Mangel an Disziplin als Hauptgrund für den Niedergang seines Landes erachtete, führte er teilweise eigenartige Massnahmen ein. So machten mit Peitschen ausgerüstete Soldaten Stichproben, ob die Menschen an den Bushaltestellen ordentlich in der Reihe anstanden. Beamte, die zu spät zur Arbeit erschienen, wurden öffentlich erniedrigt und gezwungen, wie Frösche durch die Büros zu hüpfen. Auch die Pressefreiheit wurde eingeschränkt. Doch auch gegenüber sich selbst scheint Buhari eiserne Disziplin einzufordern. Er hat den Ruf des Unbestechlichen. Sogar Kritiker beschreiben ihn als bescheiden und integer.

Anschlag entkommen

Seine Härte und Kompromisslosigkeit ist ihm bei der Wahl zugute­gekommen. Diese erwartet man von ihm nun bei der Bekämpfung des Dschihads von Boko Haram. Buhari ist sich dessen bewusst. Während seines Wahlkampfs wurde er selbst beinahe Opfer der Terrorgruppe. Im Juli 2014 entkam er in seiner Heimat Kaduna einem Angriff, welcher offensichtlich die Handschrift von Boko Haram trug. Nach diesem vereitelten Anschlag versprach er, den Aufstand der Islamisten zu beenden, sollte er gewählt werden. Bei seinem Amtsantritt betonte er, dass Nigeria «enormen Herausforderungen» ausgesetzt sei, die er frontal angehen werde.

Kommandozentrale in Maiduguri

So kündigte er an, die Terrorgruppe vor Ort zu bekämpfen und dazu eine eigene Militär-Kommandozentrale im Konfliktgebiet in der nordöstlichen Stadt Maiduguri einzurichten, bis die Unruhen vorbei seien. Doch damit dieser Plan erfolgreich verlaufen kann, muss das Vertrauen der Bevölkerung in die Armee wiederhergestellt werden. Laut einem Bericht von «Amnesty International» starben seit 2011 mindestens 8000 Personen in Militärgewahrsam oder wurden rechtswidrig hingerichtet. Buhari ist nicht nur das erste nigerianische Staatsoberhaupt, das sich klar zu diesem Missstand äus­sert. Mitte Juli 2015 entliess er die gesamte Führung der Armee und den nationalen Sicherheitsberater. Bei all seiner Entschlossenheit kann auch Buhari keine Wunder vollbringen. In den ersten zehn Tagen seiner Amtszeit wurde Nigeria von elf Anschlägen mit mindestens 93 Todesopfern heimgesucht. Dennoch gilt der neue Präsident als Hoffnungsträger der Nigerianer, die sich nach einem starken Mann an der Staatsspitze sehnen. Überdies war Buhari unter der armen, marginalisierten Bevölkerung im Norden Nigerias immer beliebt. Keine schlechte Voraussetzung, um ein Gleichgewicht zwischen dem kargen Norden und dem erdölreichen Süden zu finden, und so vielleicht dem Nährboden des Extremismus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Obiora Ike, Generalvikar der nigerianischen Diözese Enugu, hofft, dass Buhari die christlichen Werte Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und Menschenrechte respektieren wird. Reto Baliarda Unterstützen Sie den nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari in seinem Kampf gegen Boko Haram.


15’000 Todesopfer

Seit 2009 wurden bei Anschlägen und Kämpfen der Rebellen über 15’000 Menschen getötet. Noch immer befinden sich Hunderte in Geiselhaft. So ist auch unklar, wo die mehr als 200 Schulmädchen sind, die Boko Haram im April 2014 aus Chibok (Bundesstaat Borno) entführt hatte. Angehörige hatten Goodluck Jonathan vorgeworfen, zu wenig für ihre Befreiung zu tun.


CSI hilft vor Ort

Seit Mai 2013 leitet CSI Projekte in Nigeria. In der südlichen Stadt Enugu ermöglicht CSI Flüchtlingskindern den Schulbesuch, unterstützt ein Waisenhaus und vergibt Mikrokredite, damit sich Vertriebene aus dem Konfliktgebiet eine neue Existenz aufbauen können. In Madalla unterstützt CSI die langfristige medizinische Betreuung für Überlebende, die an Weihnachten 2011 beim Bombenanschlag auf eine Kirche verletzt wurden. Schliesslich hilft CSI auch Flüchtlingen in den nördlichen Städten Maiduguri und Yola mit Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Auch Josephs Familie ist dankbar für die Unterstützung von CSI

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