Christ nach elfjähriger Haft endlich frei – fünf Unschuldige bleiben eingesperrt

02. August 2019

Nach der Ermordung des bekannten Hindu-Mönchs Swami Laxamananda Saraswati wurden im Jahre 2008 ungerechterweise sieben Christen der Tat beschuldigt und eingesperrt. CSI unterstützt ihre ums Überleben kämpfenden Familien. Nun wurde der zweite Christ gegen Kaution freigelassen.



«Einfach grandios», so die Aussage unserer Partnerin vor Ort, Anita*. «Seit Jahren kämpfen wir mit Anwälten und Menschenrechtlern für die Freilassung der sieben unschuldig inhaftierten Christen. Dass nun der zweite der sieben Christen das Gefängnis verlassen durfte, erfüllt uns mit unbeschreiblicher Freude.» Am 22. Juli 2019 wurde die Freilassung gegen Kaution für Bijaya Kumar Sanaseth angeordnet.


Bijaya Kumar Sanaseth wurde am 27. Juli 2019 aus dem Gefängnis in Phulbani entlassen, nachdem er zehn Jahre und sieben Monate unschuldig im Gefängnis gesessen hatte.


Familien verarmt, gesundheitlich angeschlagen

Welche Auswirkungen die plötzliche Inhaftierung der sieben Christen für ihre Familien hatten, ist kaum vorstellbar. Der einzige Ernährer der Familie fiel von heute auf morgen aus. Die Ehefrauen blieben mit ihren Kindern alleine zurück und mussten die Rolle des Ernährers und Beschützers einnehmen – wobei sie ohne männlichen Schutz selber gefährdet sind, Opfer von sexuellen Übergriffen zu werden. Viele der Kinder mussten in Heimen untergebracht werden, weil die Mütter nicht für sie sorgen konnten.

Als ich die Ehefrauen vor einigen Jahren persönlich traf, befanden sie sich gesundheitlich in einem desolaten Zustand. CSI konnte in den letzten Jahren immer wieder finanzielle Unterstützung leisten und somit den Ehefrauen behilflich sein.

Bis auch der Letzte frei ist

Unsere Partner vor Ort und weitere Personen haben sich über Jahre unermüdlich für die Freilassung der sieben Christen eingesetzt. Im Mai 2019 kam der erste gegen Kaution frei, Ende Juli nun der zweite. Der Einsatz geht weiter bis auch der letzte der unschuldig inhaftierten Christen auf freiem Fuss ist und alle freigesprochen werden. Anwältin Arora, eine weitere CSI-Partnerin, verspricht: «Wir werden auf jeden Fall nicht aufgeben, bis alle wieder zu Hause und mit ihren Familien vereint sind.»

Inés Wertgen

*Name geändert


Klares Signal gegen Christen

Religiöse Minderheiten leiden schon seit vielen Jahren unter den Hinduextremisten. Besonders in abgelegenen Gebieten ist Diskriminierung alltäglich. Attacken und sogar Morde sind keine Seltenheit.

Der Mord von 2008 am Hindu-Mönch wurde von den Hinduextremisten ausgenützt, um die Christen anzugreifen, obwohl sich Maoisten zur Tat bekannten. Innerhalb von wenigen Tagen wurden über 100 Christen brutal getötet, Tausende verletzt, über 55 000 Christen mussten fliehen. Unzählige Häuser und Kirchen wurden zerstört. Für die Christen war die Gewaltwelle ein deutliches Signal, dass Nichthindus in Indien nicht erwünscht sind.

Leider hat sich die Lage der religiösen Minderheiten, insbesondere der Christen und Muslime, weiter verschlechtert, seit die hindunationalistische BJP mit ihrem Präsidenten Narendra Modi 2014 an die Macht gekommen ist.

Ihr Kommentar zum Artikel

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.

Projekt Indien