• Nigeria

Christen im Scharia-Staat zur Seite stehen

30. Mai 2017

Die Anfeindungen von vielen Muslimen machen den Christen im nord-nigerianischen Bundesstaat Kano das Leben schwer. Doch Zulai Musa hatte es besonders hart getroffen. Jahrelang plagte sie ein Geschwür am Bein. Dank der Hilfe der Diözese von Kano und von CSI ist sie heute geheilt.



Auf seiner letzten Nigeria-Reise vom Februar 2017 war CSI-Projektkoordinator Franco Majok auch in Kano. In diesem mehrheitlich muslimischen Bundesstaat im Norden ist seit 2000 die Scharia in Kraft. Die Christen müssen sich hier in erster Linie nicht vor dem islamistischen Terror fürchten, sondern vor der Ausgrenzung. «Diese Christen gehören dem Hausa-Stamm an, der mehrheitlich muslimisch ist», berichtet Franco Majok.

In den sechs abgelegenen Dörfern, in denen die Christen leben, wird ihnen alles vorenthalten. Sie haben kein sauberes Wasser, keinen Strom, keinen Handy-Empfang, keine Schule und kein Spital. Zudem scheuen sich die muslimischen Anwohner nicht, Christen aus religiösem Hass vor ein Scharia-Gericht zu zerren.

Leiden jahrzehntelang verheimlicht

Christen, die unter diesen Voraussetzungen noch an einer chronischen Erkrankung leiden und dementsprechend keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, trifft es besonders hart. Ein solches Schicksal widerfuhr Zulai Musa aus Gamashina. Der Ehemann der sechsfachen Mutter ist arbeitslos. Sie selbst litt seit ihrer Kindheit an einem chronischen Geschwür am linken Unterschenkel. Wegen der klaffenden Wunde erlitt Zulai immer wieder Infektionen.

Das Geschwür nagte ausserdem am Selbstwertgefühl der 40-Jährigen. Sie schottete sich zusehends ab und mied aus Schamgefühl die Öffentlichkeit so oft wie möglich. Musste sie das Haus dennoch verlassen, so deckte sie ihre Wunde mit einem Umschlag zu. Eine der wenigen Freundinnen von Zulai versuchte jeweils heimlich, die Wunde mit einer Spritze zu behandeln, obwohl sie dazu keine Befugnis hatte. Diese Behandlung erwies sich als nutzlos.

Die Patientin konnte jahrelang ihr Leiden verheimlichen, bis eines Tages eine Schwester der katholischen Diözese von Kano Zulais Freundin mit den Spritzen sah und sie eindringlich fragte, was sie damit vorhabe. Nachdem diese die geheime Behandlung zugab, zögerte die Schwester keinen Augenblick und stattete Zulai einen überraschenden Besuch ab. Da die leidende Frau in jenem Moment niemanden erwartete, hatte sie ihre Wunde nicht abgedeckt. Die Schwester sah das Geschwür und wusste sogleich, dass dieses möglichst schnell ärztlich behandelt werden musste.

Als Zulai den Ärzten im Spital ihre Wunde am linken Bein zeigte, konnten diese vor Verblüffung nicht glauben, dass jemand über 30 Jahre lang mit einem solchen Geschwür leben konnte und obendrein sechs Kinder zur Welt gebracht hatte. Die Laboruntersuchungen ergaben zu Zulais grossem Glück, dass sich in der Wunde keine einzige Krebszelle entwickelt hatte.

Schon nach kurzzeitiger Pflege der Wunde verschwand der üble Geruch. Auch traten die Infektionen nicht mehr auf. Schliesslich wurde das Geschwür am 20. April 2016 operativ entfernt. Am 17. Mai konnte Zulai das Spital verlassen. Sie ist überglücklich: «Endlich kann ich mich frei fühlen. Kein Geschwür, kein abstossender Geruch und keine lästigen Fliegen mehr, die mich ständig plagten!»

Tüchtige Geschäftsfrau

Zulai ist der Diözese von Kano unendlich dankbar, dass sie Spitalkosten vollumfänglich übernahm. Doch zuhause war sie wieder mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage ihrer Familie konfrontiert. Umso glücklicher war sie, als sie im Oktober 2016 Besuch von CSI-Projektkoordinator Franco Majok erhielt, der ihr eine Starthilfe für ein Kleingewerbe gewährte. Zulai investierte den wertvollen Betrag in Erdnüsse und Öl. Die selbstgebackenen Erdnusskuchen verkauft sie seitdem gewinnbringend auf dem Markt. Am 15. Februar 2017 besuchte sie Franco Majok erneut und zeigte sich beeindruckt vom erfolgreichen Geschäftsverlauf, den Zulai auch der Hilfe ihrer Schwester verdankt. Mit einem zusätzlichen Beitrag von CSI erwarb Zulai nun zwei Schafe. «Ich danke CSI von ganzem Herzen. Dank der grosszügigen Unterstützung konnte ich ein Geschäft aufbauen, womit ich auch meine Familie ernähren kann.»

 

Reto Baliarda

 


 

Hilfe für bedrängte und mittellose Christen

In Zusammenarbeit mit der katholischen Diözese von Kano und ihrem initiativen Bischof Niyiriny unterstützt CSI vor Ort mittellose Christen, die in der Minderheit sind und von muslimischen Nachbarn häufig angefeindet werden. In Gamashina und weiteren christlichen Dörfern erhalten die Menschen Nahrungsmittel und medizinische Hilfe. Mit der Finanzierung von Bohrungen für einen Grundwasserbrunnen ermöglicht CSI zudem den Zugang zu sauberem Wasser. Im Weiteren hat die Diözese kürzlich ein Spital gebaut, dessen Ausstattung CSI finanziell mitunterstützt hat.

 

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