«Christen sind Hunde»

09. Mai 2012

Der pakistanische Christ Imran Ghafur Masih soll den Koran entheiligt haben. Er bekam deshalb lebenslänglich. Wir fordern seine Freilassung.



Update vom November 2014: Imran Masihs Fall ist weiterhin beim Obergericht in Lahore hängig. Dieses Gericht hat im Oktober 2014 das Todesurteil gegen Asia Bibi bestätigt.


 

Imran Ghafur Masih betrieb im Dorf Hajwari im Bundesstaat Punjab eine Buchhandlung. Seit langem beneidete ihn sein Nachbar Hajji Liaqat Ali deswegen, wie Imrans Vater sagte. Am 1. Juli 2009 verbrannte der damals 26-jährige Imran Altpapier. Der muslimische Nachbar sah nun seine Chance gekommen, das Geschäft an sich zu reissen. Er ehauptete, Imran – ein Christ – habe bei seiner Entrümpelungsaktion  absichtlich Seiten eines Korans verbrannt und ihn damit entheiligt. Dieses Gerücht wurde auch über die Lautsprecher an den Moscheen verbreitet. Darauf versammelten sich über 400  zornige Islamisten vor Imrans  Haus. Sie schlugen Imran und seinen Bruder Neveen zusammen. Noch am gleichen Tag nahm die Polizei Imran fest.

 «Imran soll hängen!»

Der aufgebrachte Mob gab keine Ruhe. Die Islamisten sammelten sich vor dem Polizeiposten, warfen Steine gegen das Gebäude und riefen: «Tod dem, der den Heiligen Koran entweiht hat, er soll hängen! Christen sind Hunde, Imran ist ein Hund!» Imran Ghafur Masih wurde in ein Gefängnis der Grossstadt Faisalabad geworfen. Am 11. Januar 2010 verurteilte das Gericht ihn wegen Entheiligung des Korans und Anstachelung zu religiösem Hass (Art. 295 lit. a und b) zu Lebenslanger Haft. Zusätzlich muss Imran eine Busse von umgerechnet über 2500 Franken zahlen, was etwa dem Zehnfachen eines durchschnittlichen Monatseinkommens entspricht.

Imrans Familie legte beim Obergericht Berufung ein. Diese ist jedoch bis heute hängig – und Imran sitzt im Gefängnis. Er darf seine Zelle nur zweimal täglich verlassen, und zwar beim Appell, wo alle Gefangenen gezählt werden müssen. Während des Sommers können die Temperaturen in seiner fensterlosen Zelle 49 Grad erreichen.

Autor: Max-Peter Stüssi
Quellen: Asia News, Compass Direct, Voice of Martyrs

 


 

Blasphemie-Gesetze als Mittel zur Verfolgung religiöser Minderheiten

Pakistans 186-Millionen-Bevölkerung ist in ihrer grossen Mehrheit muslimisch. Nur rund 3  % sind Christen, etwa 2  % Ahmadis (Muslime) und 1,8  % Hindus. Die religiösen Minderheiten werden vom Staat häufig diskriminiert, zum Beispiel bei der Vergabe von Arbeitsstellen, bei der Verteilung von Katastrophenhilfe oder auch bei Inhaftierungen: Sie werden oft schlechter untergebracht als Muslime und vor Übergriffen nicht geschützt.

Unter den sogenannten Blasphemie-Gesetzen leiden  vorwiegend religiöse Minderheiten. Seit dem Erlass der Blasphemie-Gesetze in den 1980er Jahren wurden über 4000 Verstösse gegen die Blasphemie-Gesetze registriert. Rund 1000 Personen wurden verurteilt, teilweise sogar zum Tod.

In den letzten Jahren hat insbesondere der Fall von Asia Bibi weltweit grosse Empörung hervorgerufen. Die arme Tagelöhnerin und Mutter von fünf Kindern wurde am 8.   November 2010 zum Tod verurteilt, weil sie sich in einem  Streit, der von ihren Arbeitskolleginnen angezettelt worden war, verächtlich über den Propheten Mohammed geäussert haben soll. Wir fordern ihre Freilassung.

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