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Christen zusehends in Bedrängnis

27. September 2020

In Nepal wächst die Not der Menschen, die sich vom Hinduismus zum Christentum bekehren. Von staatlicher Seite werden sie zusehends in die Enge getrieben, wie Projektpartner Stephen Adhikari berichtet. Zudem sind gerade christliche Frauen vielfach häuslicher Gewalt ausgesetzt.



Infolge des Coronavirus hat sich die Lage der Christen in Nepal zugespitzt. CSI-Projektpartner Stephen Adhikari* schreibt uns: «Christen wurden bei der staatlichen Nahrungsmittelverteilung erheblich benachteiligt.» Zudem kam es während dieser Zeit zu mindestens acht Gerichtsverhandlungen, in denen Christen wegen ihres Glaubens auf der Anklagebank sassen. Und weil die Kirchen seit vier Monaten geschlossen sind, werden die Gottesdienste vor allem im Internet ausgestrahlt. «Diese Online-Gottesdienste stehen unter strenger Beobachtung der Regierung, ebenso wie die christlichen Schulen», so Adhikari weiter.

Staat will christliche Organisationen schliessen

Wie schon in Indien wird es auch in Nepal für christliche Organisationen immer schwieriger, ihren Dienst wahrzunehmen, erklärt unser Partner. Die Regierung habe ein Rundschreiben an die zuständigen Ämter geschickt mit der Aufforderung, die Zulassung christlicher Organisationen nicht zu erneuern, ausser sie würden auf jegliche christliche Bezeichnung in ihrem Namen verzichten. Im Weiteren sollen Banken keine Konten für neugegründete christliche Werke eröffnen.

Adhikari warnt, dass Nepals Regierung plane, sämtliche christliche Institutionen im Land zu schliessen.

Die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Christen schlug sich in einem Anti-Konversionsgesetz nieder, das im August 2018 in Kraft trat. Es verbietet, «Personen zu einer anderen Religion zu bekehren oder die Religion anderer zu stören». Das «Verletzen religiöser Gefühle» kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

Ritu verliert Mann, Haus und soziale Kontakte

In Nepal geraten ehemalige Hindus, die sich zum Christentum bekehren, auch in ihrem privaten Umfeld immer mehr unter Druck. Auf unserer Nepalreise von Anfang 2020 begegneten die CSI-Projektleiterin und ich christlichen Konvertiten, die durch ihren Glaubenswechsel viel Leid und Ablehnung erfahren haben. Zu ihnen gehört auch die 45-jährige Ritu Pariyar*. Wir treffen sie zusammen mit anderen Christinnen in einer Kirche im Westen Nepals.

Der christliche Glaube schenke ihr viel Kraft, betont sie mit einem ansteckenden Lächeln. Dies, obwohl er gleichzeitig mit grossem Leid verbunden sei, meint Ritu: «Mein Mann und ich führten eine Ehe nach hinduistischen Prinzipien. Als ich mich für Christus entschied, bekam ich massive Probleme: Mein Mann schlug mich regelmässig, zum Teil äusserst heftig», erzählt die tapfere Frau.

Der erzürnte Ehemann kämpfte auf allen Ebenen gegen Ritu und ihre Entscheidung. «Es verging kaum ein Tag, an dem ich seine unbändige Wut nicht zu spüren bekam. Ich hatte enorme Angst. Aber ich blieb immer ruhig und betete voller Liebe für ihn. Zweimal wurde ich schwanger, verlor das Kind jedoch beide Male. Mein Mann gab mir wegen meines christlichen Glaubens die Schuld dafür.»

Schliesslich warf der Mann Ritu aus dem Haus und heiratete eine andere Frau. «Ich wurde von der Dorfgemeinschaft geächtet und lebte in grosser Unsicherheit.» Ritu war gezwungen, ihr Dorf zu verlassen, und absolvierte in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu eine zweijährige Bibelschule.

Trotz vieler Drohungen ist es Ritu ein grosses Anliegen, andere Menschen mit ihrem christlichen Glauben vertraut zu machen. Sie zieht dafür von Dorf zu Dorf. Zudem hat sie in ihrem Heimatdorf eine Kirche gegründet, der heute über 100 Mitglieder angehören.

Reto Baliarda

* Namen aus Sicherheitsgründen geändert

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Als Frau und Konvertitin besonders gefährdet

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