• Indonesien

Christlicher Gouverneur von Jakarta abgewählt

21. April 2017

Bei der Gouverneurswahl in Indonesiens Hauptstadt Jakarta wurde der bisherige christliche Amtsinhaber Basuki Tjahaja Purnama (Ahok) abgewählt. Gegen ihn läuft immer noch ein Verfahren wegen Blasphemie. Gewonnen hat die Wahl der muslimische Kandidat Anies Baswedan, der im Wahlkampf auch mit Islamisten zusammenspannte.



Eine schnelle Auszählung von fünf Prozent aller Wahlurnen in Jakarta ergab ein deutliches Resultat. Demnach kam der ehemalige Erziehungsminister Anies Baswedan auf 57 Prozent der Stimmen, während Ahok 43 Prozent auf sich vereinigte. Wegen diesem klaren Ergebnis gestand Ahok bereits am Wahltag vom 19. April 2017 seine Niederlage ein, gratulierte seinem Rivalen und rief seinen Anhängern zu: «Ich weiss, dass ihr traurig seid. Aber das ist der Wille Gottes.» Die Wahlkommission in Jakarta wird das offizielle Resultat voraussichtlich Anfang Mai bekannt geben.

Immer wieder angefeindet

Ahoks Wahlkampf war in den letzten Monaten durch die Blasphemieklage beeinträchtigt, mit der er nach wie vor konfrontiert ist. Islamisten werfen ihm vor, den Koran beleidigt zu haben. Ahok hatte letzten Herbst verlauten lassen, dass Muslime selbst entscheiden sollen, wen sie bei der Wahl unterstützen möchten.

Trotz der Klage und den Massenprotesten hunderttausender Muslime gegen Ahok konnte sich der christliche Gouverneur auf eine starke Wählerbasis abstützen. Das jetzige Wahlresultat fällt in dieser Deutlichkeit entsprechend überraschend aus, hatte Ahok doch den ersten Wahlgang von Februar 2017 gewonnen. Anfang April sagte er während einer Gerichtsverhandlung im Rahmen der Blasphemievorwürfe aus, dass er seit Beginn seiner politischen Karriere vor zwölf Jahren immer wieder wegen seines christlichen Glaubens angegriffen wurde. Dies obschon der Islam in Indonesien bisher als tolerant galt.

Baswedans Nähe zu den Islamisten im Wahlkampf

Wer ist der neu gewählte Gouverneur von Jakarta? Anies Baswedan war Erziehungsminister unter dem gegenwärtigen indonesischen Präsidenten Joko Widodo. Nach einer Kabinettsumbildung im Juli 2016 wechselte er die Seiten. Im Wahlkampf wurde er auch von Hardlinern aus dem muslimischen Lager unterstützt.

Bei den Auftritten trug er stets ein weisses Hemd und ein Peci, die traditionelle Kopfbedeckung von Muslimen in Indonesien. Ausserdem betete er auch gemeinsam mit Rizieq Shabib, dem Vorsitzenden der radikalen Islamischen Verteidigungsfront (FPI). Dabei gilt Baswedan mit seiner westlichen Ausbildung keineswegs als fundamentalistisch.

Begründete Angst vor der Radikalisierung?

Bei den Christen in Jakarta macht sich nach der Abwahl von Ahok Ernüchterung breit. Die 53-jährige Katholikin Retno Setyawati ist über den Wahlausgang sehr enttäuscht: «Was soll ich sagen? Ich muss das Resultat akzeptieren.» Setyawati bemerkt, dass Ahok die Lebensbedingungen für die Menschen in Jakarta verbessert habe. Sie bezweifelt, dass dies Baswedan auch gelingen werde. «Ich habe ausserdem Angst, dass Baswedan vor allem auf seine Unterstützer hören wird und die Menschen in Jakarta zusehends radikalisiert werden.»

Der katholische Politologe Yohanes Handoyo Budhisedjati kann nachvollziehen, dass religiöse Minderheiten wegen Baswedans Nähe zu islamistischen Gruppen besorgt sind. «Unsere Hoffnung ist, dass Baswedan seine eigene Religion als Gouverneur in den Hintergrund stellen und eine entsprechend neutrale Politik betreiben wird.»

Gouverneur bis Oktober 2017

Ahok wird noch bis zu Baswedans Amtseinsetzung im Oktober 2017 Gouverneur von Jakarta bleiben. Das Gerichtsverfahren gegen den christlichen Politiker läuft weiter. Wegen der Blasphemievorwürfe droht Ahok eine Freiheitsstraffe von fünf Jahren.

 

Reto Baliarda

Quellen: dpa, ucanews, worldwatchmonitor

 

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