Dame in Weiß seit zwei Jahren unschuldig in Haft

25. März 2014

Die Afro-Kubanerin Sonia Garro setzte sich mit der Menschenrechtsbewegung «Damen in Weiß» für Gewissensgefangene ein. Schwer erkrankt sitzt sie seit zwei Jahren hinter Gittern und wartet auf ihren Prozess. Auch ihr Ehemann wurde verhaftet.



Update vom November 2014: Der Prozess gegen Sonia Garro und ihren Ehemann hätte am 7. November 2014 stattfinden sollen. Er wurde jedoch erneut verschoben. Die beiden sitzen damit fast drei Jahre nach ihrer Festnahme noch immer ohne Gerichtsurteil im Gefängnis.


 

Sonia Garro geht es schlecht. Die Gefangene des Castro-Regimes leidet seit längerem an Nieren-, Magen- und Hautbeschwerden, die nicht ausreichend behandelt werden. Doch auch nach zweijähriger Haft gibt sie nicht auf. «Ich bleibe eine Dame in Weiss!», sagte sie. Zusammen mit anderen Damen in Weiss hatte Sonia Sonntag für Sonntag friedlich für die Freilassung von Gewissensgefangenen und für Freiheit und Menschenrechte in Kuba protestiert – bis sie selbst festgenommen wurde.

Im Vorfeld des Kuba-Besuchs von Papst Benedikt XVI. im März 2012 nahmen die Behörden etwa 200 Menschenrechtler fest. Die Kunde über Menschenrechtsverletzungen sollte nicht zum Papst durchdringen. Auch Sonia Garro und ihr Mann Ramón Alejandro Muñoz waren unter den Verhafteten: Rund 50 Polizisten drangen in ihre Wohnung ein und führten die beiden ab. Dabei feuerten sie Gummigeschosse ab und verletzten Sonia am Fuss.

Die meisten Menschenrechtsaktivisten wurden bald nach dem Papstbesuch wieder freigelassen. Sonia und Ramón sitzen jedoch bis heute im Gefängnis und warten auf ein Urteil. Am 31.  Oktober 2013 wurde die für den nächsten Tag anberaumte Gerichtsverhandlung gegen Sonia wieder einmal ohne Begründung vertagt. Sonias Anwältin Amelia Rodríguez Cala beantragte daraufhin, dass ihre Mandantin aus gesundheitlichen Gründen bis zum Gerichtsverfahren freigelassen wird – erfolglos.

Brutale Behandlung im Gefängnis

 Sonia ist nicht die einzige, die ohne Prozess im Gefängnis sitzt. Sie hat es jedoch besonders schwer, nicht nur wegen ihrer Krankheit, sondern auch, weil sie Afro-Kubanerin ist. Kubaner schwarzafrikanischer Herkunft werden von der Regierung häufig benachteiligt und unterliegen erschwerten Haftbedingungen. Sonia wurde wiederholt heftig geschlagen. Im Juni 2013 war sie zehn Tage lang in Einzelhaft, durfte weder duschen noch ihre Kleider wechseln und musste sich die winzige Zelle mit Ratten und Moskitos teilen.

Ihr Ehemann Ramón wird ähnlich brutal behandelt. Im April 2013 war er mit anderen Häftlingen des Hochsicherheitsgefängnisses Combinado del Este in den Hungerstreik getreten, um gegen die Inhaftierung seiner Frau zu protestieren. Mehrmals wurde er daraufhin in eine für Misshandlung und Folter berüchtigte Strafzelle eingesperrt.

Seit mehr als zwei Jahren warten Sonia und Ramón auf ihren Prozess. Bei einer Verurteilung drohen Sonia zehn, Ramón 14 Jahre Zuchthaus. Beiden wird «Angriff der staatlichen Autorität» und «Erregung öffentlichen Ärgernisses» vorgeworfen. Sie sind zusätzlich des «versuchten Mordes» angeklagt, weil sie sich gegen ihre Festnahme – durch 50 (!) Polizisten – angeblich handgreiflich gewehrt hatten.

Autor: Max-Peter Stüssi

Quellen: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte | Diario de Cuba

 


 

Damen in Weiss für Menschenwürde

Ins Leben gerufen wurde die christliche Menschenrechtsbewegung Damen in Weiss (Damas de Blanco) im März 2003 von der – inzwischen unter nicht ganz geklärten Umständen verstorbenen – Literaturprofessorin Laura Pollán. Der Gründung vorausgegangen war ein Rundumschlag der kommunistischen Regierung, bei dem 75 Regimekritiker gefangen genommen und später zu teils jahrzehntelanger Haft verurteilt wurden. Die Mütter, Ehefrauen und Töchter der Dissidenten forderten als Damen in Weiss die Freilassung ihrer Angehörigen. 2011 kamen die letzten dieser Dissidenten frei.

Den Damen in Weiss haben sich über die Jahre viele weitere Frauen angeschlossen. Sie fordern nun die Freiheit aller Gewissensgefangenen in Kuba. Jeden Sonntagmorgen versammeln sich die Damen in Weiss in vielen Landesteilen vo den Kirchen. Nach dem Messebesuch treten sie ihre friedlichen Umzüge durch die Strassen an. Sie kleiden sich ganz in Weiss, tragen in der rechten Hand das Portrait eines Gewissensgefangenen und in der linken eine Gladiole als Zeichen des friedlichen Widerstands. 

Für ihren Einsatz müssen die Damen in Weiss immer wieder arge Drangsalierung auf sich nehmen: brutale Misshandlung, Festnahme und Gefängnis. So wurden allein im Februar 2014 bei der Zwangsauflösung friedlicher Kundgebungen in den Provinzen Santiago de Cuba, Camagüey, Holguín, Matanzas, Granma, Mayabeque und Havanna über 150 Damen in Weiss festgenommen und vorübergehend eingesperrt.

2005 verlieh die EU den Damen in Weiss den prestigeträchtige „Sacharow-Preis für geistige Freiheit“ (EU-Menschenrechtspreis). Die Menschenrechtsbewegung wurde zudem mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert.

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