• Nicaragua

Das Land kommt nicht zur Ruhe

02. Februar 2021

Nicaragua wird immer wieder von Gewalt, Korruption und repressiven Führungen geplagt. Auch die Kirche bleibt vor Unterdrückung nicht verschont. Kommt dazu, dass zwei heftige Wirbelstürme das ohnehin schon arme Land in eine noch tiefere Krise gestürzt haben.



Im November letzten Jahres fegten zwei folgenschwere Wirbelstürme über das Land. Besonders an der Ostküste, die ohnehin von extremer Armut geprägt ist, machten die Hurrikane Eta und Iota grosse Teile dem Erdboden gleich. Laut offiziellen Angaben von Behörden wurden nach den Wirbelstürmen über 160 000 Menschen obdachlos. Mindestens 21 Personen sind beim Unwetter ums Leben gekommen. Es seien die schlimmsten Hurrikane, die jemals über Nicaragua hinweggefegt sind.

Not und Verzweiflung

Zwar ist es gut zwei Monate her, seit die Wirbelstürme Zerstörung und Tod mit sich brachten. Doch Tausende von Menschen ­leben weiterhin schutzlos im Freien. Sie leiden Hunger und Durst. «Sauberes Wasser ist viel zu knapp. Vor lauter Verzweiflung haben die Menschen angefangen, das Salzwasser vom Meer zu trinken», so eine Ordensschwester und CSI-Partnerin.

Leider haben auch Korruption und Gewalt noch mehr als sonst zugenommen. Für viele geht es ums nackte Überleben.

In einer Videoaufnahme hören wir die eindringliche Botschaft einer Betroffenen der Wirbelstürme. Sie sitzt auf einem in Schlamm eingetauchten Brett, in ihre Stimme mischen sich Trauer und Wut: «Gott sei unendlich Dank, haben wir beide Stürme überlebt. Doch wo war die staatliche Hilfe, als bekannt wurde, dass die Stürme über unsere Ostküste gerast sind? Und wo ist der Staat jetzt? Von Evakuierungs-Bemühungen ist keine Spur zu sehen.  Wir bleiben hilflos unserem Schicksal überlassen. Für die Regierungs­leute haben wir keinen Wert.»

Staatliche Repression

Der einst geschätzte Daniel ­Ortega, Anführer der Linken und seit 2006 Staatspräsident von Nicaragua, hat sich im Laufe der Zeit in einen selbstgerechten sozialistischen Despoten verwandelt.

Als im April 2018 tausende besorgte Menschen friedlich gegen eine Renten- und Sozialleistungskürzung demonstrierten, ging die Regierung mit äusserster Brutalität auf die protestierende Zivil­bevölkerung los. Als direkte oder indirekte Folge dieser Übergriffe starben mehr als 540 Menschen. Es gab unzählige Verletzte. Zehntausende Nicaraguaner sind ins Ausland geflüchtet, vor allem ins Nachbarland Costa Rica.

Bedrohte Kirche

Jeder, der Opfer dieser brutalen Übergriffe verarzten oder sonst unterstützen wollte, wurde automatisch als Staatsfeind eingestuft. Auch die Kirchen wurden als Regierungsgegner abgekanzelt. Denn sie halfen den leidenden Menschen von Anfang an, wo sie nur konnten, und tun es weiterhin.

Noch heute werden Kirchen und Konvente rund um die Uhr beobachtet. Geistliche müssen sich in Acht nehmen. «Bereits wurden einige Priester und Bischöfe angegriffen. Wir sind der Willkür des Staates ausgesetzt und wissen nie, ob und wann sie eingreifen», so ­eine Partnerin vor Ort.

Hinzu kommt, dass sich die ­Corona-Pandemie nochmals stark verbreitet hat, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Bis heute sind mehrere tausend Nicara­guaner wegen des Virus gestorben. Doch die Regierung ergreift weiterhin keine Massnahmen zum Schutz ihres Volkes.

Ein Notleidender, der anonym bleiben will, drückt seine Hilflosigkeit wie folgt aus: «Das Schmerzhafteste am Ganzen ist, dass die amtierende Führung uns in der Zeit der grössten Not und Verzweiflung alleinlässt und uns sogar weiterhin unter­drückt. Was für eine Führung ist das, dass sie sich aus lauter Machtgier dermassen feindlich gegen das ­eigene Volk stellt?»

Im Einsatz für die Ärmsten

Seit über 20 Jahren widmen sich die CSI-Partner den Ärmsten – meist an Orten, wo andere Menschen nicht hinzu­gehen wagen. Warme Mahlzeiten, Lebensmittelpakete, Medikamente, Schulbesuch oder auch Schutzorte für verwahrloste Mädchen gehören zu ihrer Hilfe, die sie täglich mit ­einer besonderen Liebe und Hingabe leisten.

Auch jetzt sind die Ordensschwestern wieder in vollem Einsatz für leidende Sturmopfer: Nach der ersten Phase der akuten Hilfe mit Notunterkunft, Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten, die jedoch weiterhin nötig ist, unterstützen die Partner die Menschen beim Aufbau der Behausungen. CSI wird weiterhin den Partnern und der arg gebeutelten Bevölkerung Nicaraguas beistehen, um ihnen dringend be­nötigte Hilfe und auch ein Zeichen der Solidarität und Hoffnung zu bringen.

Projektleiterin Nicaragua

Hier können Sie für die notleidenden Menschen in Nicaragua spenden. Ganz herzlichen Dank.

Ihr Kommentar zum Artikel

Wir freuen uns, wenn Sie hierzu eine Rückmeldung oder Ergänzung haben. Themenfremde, beschimpfende oder respektlose Kommentare werden gelöscht.

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.

Projekt Nicaragua