Den religiösen Minderheiten in Südasien gehts schlecht

26. September 2014

CSI unterstützte ein Podium zur Religionsfreiheit in Südasien, das parallel zur 27. Session des UNO-Menschenrechtsrats in Genf stattfand. Es sprachen Experten aus Bangladesch, Nepal, Indien und Sri Lanka. Das Einleitungsreferat hielt der UNO-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt.



„Religiöse Minderheiten in Südasien bedroht“ lautete das Thema einer Begleitveranstaltung zur 27. Session des UNO-Menschenrechtsrats im Palais des Nations in Genf. Tehmina Arora, Rechtsanwältin in Indien, hatte den Anlass vom 18. September 2014 organisiert. CSI beteiligte sich an den Reisekosten der Redner, die aus Indien, Bangladesch, Nepal und Sri Lanka angereist waren – ganz verschiedene Länder: Während in Indien und Nepal Hindus in der Mehrzahl sind, sind es in Sri Lanka (und Nepal) Buddhisten und in Bangladesch (und Pakistan) Muslime.

UNO-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt: Religionsfreiheit ist auch im Interesse der Mehrheit

„Mehrheitsreligionen sind in der gleichen Region auch Minderheitsreligionen“, führte Heiner Bielefeldt, der UNO-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, ins Thema ein. Schon dies zeige, weshalb Religionsfreiheit nicht nur im Interesse der Minderheiten, sondern auch im Interesse der Mehrheit sei. Mehrheitsreligionen seien zudem auf Religionsfreiheit angewiesen, um sich aus der „engen Umarmung des Staats“ zu lösen, die für die Religion in der Regel schädlich sei. „Lasst uns die Mehrheiten mit ins Boot holen“, appellierte Bielefeldt an die Anwesenden.

In der ganzen Region fürchten Minderheiten zu Recht gewaltsame Übergriffe, sagte Bielefeldt. Diese gingen zwar meist von nichtstaatlichen Akteuren aus, trotzdem sei der Staat ebenfalls in der Verantwortung: Oft reagierten die Behörden nicht richtig – zum Beispiel kommt die Polizei viel zu spät – oder machten sich sogar zu Komplizen der Gewalttäter, indem etwa Gesetze erlassen werden, die sich gezielt gegen Minderheiten richten (Beispiel Antikonversionsgesetze in Indien).

Bangladesch: Dramatische Abwanderung religiöser Minderheiten

Der Rechtsanwalt Biblap Barua aus Bangladesch gab einen kurzen Überblick über die Entwicklung seiner Heimat seit der Unabhängigkeit 1971. Am Anfang habe Bangladesch eine der liberalsten Verfassungen gehabt. Säkulare Prinzipien seien jedoch nach und nach abgeschafft worden, 1988 wurde der Islam zur Staatsreligion ausgerufen. Der Islam sei mit Geldern aus dem Nahen Osten und in Tausenden staatlichen Koranschulen öffentlich gefördert worden.

Biblap Barua, Generalsekretär des Bangladesh Hindu Buddhist Christian Unity Council, wies auf die dramatische Abwanderung religiöser Minderheiten hin, die bei den Hindus besonders deutlich ist: Bei der Gründung von Bangladesch waren noch ein Viertel der Bevölkerung Hindus, heute seien es weniger als 10%. Es komme wiederholt zu grossen Gewaltausbrüchen, 2012 gegen Häuser und Heiligtümer von Buddhisten, 2013 gegen Tempel und Häuser von Hindus.

„Es braucht viel Aufmerksamkeit und Arbeit, um Gewalt zu verhindern“, mahnte Barua. „Wir können angesichts dieser schrecklichen Taten nicht einfach schweigen.“ Gesetz und Ordnung müssen aufrechterhalten und die Täter verfolgt werden.

Indien: Gesetze fördern Gewalt an Minderheiten

Tehmina Arora von der Alliance Defending Freedom, die das Podium organisiert hatte, sprach zur Situation in Indien. Die Antikonversionsgesetze, die in sechs Bundesstaaten in Kraft sind, haben verheerende Auswirkungen für religiöse Minderheiten. „Oft werden die Antikonversionsgesetze benutzt, um Gewalt zu schüren oder um einen Pastor festzunehmen.“ Im Bundesstaat Chhattisgarh haben 50 Dörfer den Angehörigen nichthinduistischer Religionen jegliche Verkündigungstätigkeit verboten.

Tehmina Arora kritisierte auch den Präsidentenerlass von 1950, der christliche und muslimische InderInnen mit Dalit-Hintergrund allein wegen ihres Glaubens von Hilfsmassnahmen ausschliesst.

Im Februar 2014 sprach Tehmina Arora vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses in den USA. Ihre Rede gibt einen guten Überblick über die Situation der Christen in Indien. Sie kann bei uns bestellt oder heruntergeladen werden.

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Nepal in Interimsverfassung säkular

Tanka Subedi, Gründer und Direktor des Institute for Theological Education by Extension, stellte eine zunehmende Schikanierung von religiösen Minderheiten in Nepal fest. Es gebe kaum Angehörige von Minderheitenreligionen in hohen Regierungsämtern und viele Christen würden in der Armee oder der Polizei wegen ihres Glaubens misshandelt.

In der wechselvollen Geschichte von Nepal seien Christen schon vertrieben worden, es habe auch einen Hindu-Staat gegeben. In der provisorischen Verfassung von 2007 sei nun festgehalten, dass Nepal ein säkularer Staat sei – es gebe jedoch viele Gegner.

Sri Lanka: Rasante Verschlechterung in den letzten Jahren

Zu Sri Lanka sprach Pfarrer Godfrey Yogarajah, Direktor der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz. Buddhistische Extremisten könnten ungestraft ihr Unwesen treiben, berichtete er. Manchmal würden sie sogar von der Polizei begleitet. Viele Kirchen seien illegal, weil sie nicht bewilligt werden. In einem Gesetzesentwurf von 2013 habe der Staat eine interessante Definition von Kirche geliefert, sagte Yogarajah sarkastisch. So müsse sie etwa über eine bestimmte Fläche Land verfügen und mindestens 150 Mitglieder haben.

Von den Gesetzen werde die Mehrheit beschützt, nicht die Minderheit. Auch bei der Bildung gebe es Diskriminierung: Christliche Kinder müssen sich an buddhistischen Ritualen beteiligen und christliche Lehrer werden an Staatsschulen nicht angestellt.

Yogarajah zog ein düsteres Fazit: „Die religiöse Situation in Sri Lanka hat sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert.“ Betroffen seien nicht nur Christen, sondern auch Muslime und Hindus. Gegen Muslime habe es 2013/2014 über 300 Gewalttaten gegeben, viele Hindu-Tempel seien durch buddhistische Tempel ersetzt worden. Es herrsche Straflosigkeit, obwohl es kein Geheimnis sei, wer dahinter steckt: extremistische buddhistische Gruppierungen. Nun sei „sofortiges Handeln dringend nötig, um die Religionsfreiheit zu gewährleisten“.

Adrian Hartmann

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