• Laos

Der Staat will christliches Engagement zermürben

23. Dezember 2015

Anders als in Vietnam sind im heutigen Laos keine Fälle mehr von langjährig inhaftierten Christen bekannt. Umso mehr will der kommunistische Staat mit wiederholten kurzen Haftstrafen und fortgesetzter Drangsalierung Christen zermürben und die Verbreitung ihrer Religion stoppen.



Unter den verschiedenen Glaubensgemeinschaften anerkennt die laotische Regierung folgende: Buddhisten (gegen 60 % der Bevölkerung, verglichen mit einem Christenanteil von zwei bis drei Prozent); evangelische Christen, die sich der staatlich kontrollierten Evangelischen Kirche von Laos (LEC) angeschlossen haben; Katholiken und Adventisten. Wie auch in Vietnam verweigern hingegen die Behörden den protestantischen Freikirchen die staatliche Registrierung: Im Laufe der letzten Jahre wuchsen deren Anhänger überdurchschnittlich stark an.

Kommunisten privilegieren Buddhisten

Buddhisten bilden die Mehrheit der Bevölkerung. Diese verhalten sich in der Regel treu zum kommunistischen Staat, werden daher von den Behörden kaum noch überwacht und dürfen ihre Aktivitäten weitgehend frei von Auflagen durchführen. Laut Dekret 92 aus dem Jahre 2002 müssen zwar selbst die – beim Staat registrierten – evangelischen Christen der LEC, Katholiken und Adventisten Gottesdienste und andere geplante Aktivitäten vor ihrer Abhaltung der Laotischen Front für den Nationalen Wiederaufbau (LFNR) melden.

Doch regelrecht drangsaliert werden die protestantischen Freikirchen: Von ihren Gläubigen machen Angehörige von nichtlaotischen Bergvölkern wie den Hmong den grössten Anteil aus. Die kommunistischen Behörden tragen es diesen Volksstämmen noch heute nach, dass sie zur Zeit der bis zum kommunistischen Sieg 1975 andauernden bewaffneten Konflikte (zunächst gegen Frankreich, dann gegen die USA) Partei für diese westlichen Mächte bzw. gegen die einheimischen kommunistischen Guerillabewegungen ergriffen.

Nachteilig für die Freikirchen wirkt sich darüber hinaus der Druck seitens fanatischer Anhänger der buddhistischen Mehrheit sowie der vorab in den Hochlandregionen lebenden ursprünglich animistischen Bevölkerung von Laos aus. Während sich kommunistische Regierungsstellen auf höherer Ebene diesbezüglich eher zurückhaltend zeigen, verbünden sich viele lokale Behörden mit buddhistischen und bisweilen auch animistischen Extremisten, um die Bekehrung von Einheimischen zum Christentum zu verhindern und dadurch das eigene Machtmonopol im jeweiligen Dorf oder Distrikt zu sichern.

Wer dem Christentum nicht abschwören und zum buddhistischen oder animistischen Glauben der Vorfahren zurückkehren will (oder auch Evangelisationsarbeit unter Buddhisten oder Animisten betreibt), muss damit rechnen, entweder aus seinem Heimatdorf vertrieben oder teils monatelang inhaftiert, bisweilen sogar ermordet zu werden (vgl. Kasten).
Max-Peter Stüssi 


 Chronologie der Repression 2015

2. Februar 2015: Die Pastoren Tiang Kwentianthong, Puphet, Kaithong, Muk und Hasadee aus dem Dorf Huey in der Provinz Savannakhet, seit Juni 2014 bereits in Untersuchungshaft, werden wegen «Verletzung des Ärztegesetzes» zu neun Monaten Gefängnis und umgerechnet je 63 Franken Busse sowie zur Zahlung von umgerechnet rund 2480 Franken Kompensationsgeldern an die Familie einer Verstorbenen verurteilt. Die fünf Christen hatten für die schwerkranke Christin Chansee gebetet, die später trotz Spitalbehandlung verstarb. Die Heilungsgebete wurden von den laotischen Behörden als eine nicht fachmännisch durchgeführte ärztliche Behandlung betrachtet.

20. März 2015: Die fünf im Februar 2015 wegen «Verletzung des Ärztegesetzes» festgenommenen Christen aus Savannakhet werden freigelassen. Es droht ihnen jedoch eventuell eine erneute Festnahme, zumal noch ein Entscheid hinsichtlich ihres Falls beim Berufungsgericht von Savannakhet aussteht.

31. August 2015: Höhere Gerichtsstellen verhindern die Ausführung einer von den Vorstehern des Dorfes Atan in der Provinz Savannakhet verhängten Todesstrafe gegen den Christen Lahoie und sechs Mitglieder seiner Familie: Der animistische lokale Dorfvorsteher hatte den sieben Christen angelastet, infolge ihrer eigenen Bekehrung zum Christentum und der damit einhergehenden Verärgerung der Dorfgeister den Tod seiner Tochter verursacht zu haben.

2.–12. September 2015: Untersuchungshaft für die Christen Bountheung Phetsomphone und Neuy aus dem Dorf Nong-hang in der Provinz Khammouane wegen Evangelisationstätigkeit. Sie waren bereits im Jahr 2012 im Gefängnis.

14. September 2015: Mord an Pastor Singkeaw Wongkongphong aus dem Distrikt Chomphet in der Provinz Luang Prabang durch fünf maskierte Männer mit Verbindungen zu lokalen Behörden. Letztere hatten zuvor wiederholt den Tod des Pastors wegen Evangelisationstätigkeit gefordert, was jedoch von höheren Parteistellen abschlägig beschieden wurde.

17. September 2015: Tod von Pastor Tiang Kwentianthiong, 61, einem im Februar 2015 verurteilten und mittlerweile freigelassenen Gefangenen. Wiederholt hatten es die Gerichtsbehörden seiner Heimatprovinz Savannakhet abgelehnt, den Diabetes-Kranken noch während seiner Haftzeit ärztlich behandeln zu lassen.

Ihr Kommentar zum Artikel

Wir freuen uns, wenn Sie hierzu eine Rückmeldung oder Ergänzung haben. Themenfremde, beschimpfende oder respektlose Kommentare werden gelöscht.

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.