Diese Leute leiden unter den Sanktionen

24. März 2019

In der Schweiz geht es bei den Sanktionen um Politik. In Syrien geht es um Leben oder Tod. Besonders schlimm betroffen sind Schwerkranke, die auf Medikamente aus dem Ausland angewiesen sind.



Jamileh kommt aus Homs und ist mit ihrer Familie vor den Angriffen islamistischer Rebellen vor sieben Jahren nach Tartus geflüchtet. In Tartus lebte die vierköpfige Familie in einer winzigen, dunklen Zweizimmer-Wohnung. Die Mutter arbeitete als Dienstmädchen, der Vater und der 21-jährige Bruder als (schlecht bezahlte) Angestellte in einem Supermarkt. Jamileh besuchte die Primarschule und war in der 6. Klasse, als die Ärzte bei ihr Leukämie entdeckten.

Plötzlich war sie auf lebensnotwendige Medikamente angewiesen, die wegen der Sanktionen kaum ins Land gelangen konnten und für die Familie schlichtweg unbezahlbar waren. Die Medikamente kosteten mehrere hundert Franken pro Monat – mehr als das Familieneinkommen. Zudem musste die Mutter ihre Arbeitsstelle aufgeben, damit sie ihre Tochter zu den wöchentlichen Behandlungen nach Lattakia (eine Autostunde von Tartus entfernt) begleiten konnte. Dank CSI und der CSI-Projektpartnerin Schwester Marie-Rose bekam Jamileh die Medikamente, ohne die sie wohl nicht überlebt hätte. Wegen der besonders verletzlichen Lage der Krebskranken ist ihre Behandlung seit 2017 ein Schwerpunkt der CSI-Hilfe in Syrien.

Heute ist Jamileh 16 Jahre alt. Die Behandlungen sind abgeschlossen, sie muss lediglich noch zu Kontrolluntersuchungen. Letzten Sommer hat sie die Sekundarschule mit sehr guten Noten abgeschlossen, was ihr Mut und Hoffnung für die Zukunft gibt. Ihr nächstes Ziel ist es, die Matura zu machen und an der Universität Medizin zu studieren. Sie dankt herzlich für die Hilfe. 

Adrian Hartmann

 


Das sagen Syrierinnen und Syrer zu den Sanktionen

Dr. med. Nabil Antaki, Aleppo: «Wir sind wütend über die Sanktionen (…). Sie verschärfen nur die humanitäre Lage, ohne irgendeine Wirkung auf das Ende der Feindseligkeiten oder die Stiftung von Frieden zu haben. Der Exodus der Syrer, insbesondere der Christen, geht weiter. Das Ausmass scheint sogar grösser zu sein als in den dunklen Stunden des Krieges.»

Drei Patriarchen aus Damaskus: Johannes X. (griechisch-orthodox), Ignatius Aphrem II. (syrisch-orthodox), Gregorius III. (griechisch-katholisch): «Stoppen Sie die Be­lagerung des syrischen Volkes! He­-ben Sie die internationalen Sanktionen gegen Syrien auf und ermöglichen Sie diesem Volk ein menschenwürdiges Dasein!»

Eine Näherin aus Aleppo: «Die Sicherheitslage in Aleppo verbessert sich stetig, aber als Folge der wirtschaftlichen Belagerung, der Syrien ausgesetzt ist, leiden wir unter enormen finanziellen Schwierigkeiten. Ohne die Unterstützung von Hilfswerken wären wir nicht in der Lage, hier zu bleiben.»

 

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