• Ägypten

Doppelanschlag gegen Christen fordert mindestens 44 Menschenleben

10. April 2017

Die koptische Gemeinschaft in Ägypten wurde am Palmsonntag durch zwei Bombenattentate in Tanta und Alexandria erschüttert. Mindestens 44 Menschen starben. Der koptische Papst Tawadros II entkam dem Anschlag.



 

Die erste Bombe ging in der gut besuchten orthodoxen Kirche St. Georg in der Stadt Tanta hoch, rund 60 Kilometer nördlich von Kairo. Mindestens 27 Gläubige wurden dabei getötet, 78 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Wie örtliche Medien berichten, ist der Sprengsatz unter einem Stuhl befestigt worden.

Sicherheitsleute verhinderten wohl Schlimmeres

Stunden später wollte sich ein Selbstmordattentäter in der Küstenstadt Alexandria Zugang zur koptisch-orthodoxen Kathedrale St. Markus verschaffen. Er wurde vor dem Eingang von Sicherheitsleuten gestoppt, konnte aber dennoch die Bombe zünden. Mindestens 17 Menschen verloren ihr Leben, weitere 48 Personen wurden verletzt.

Das Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst Tawadros II, befand sich zum Zeitpunkt des Attentats in der Kirche und hatte kurz vor der Explosion zu den Gläubigen gesprochen. Er blieb unverletzt. Im staatlichen Fernsehen äusserte sich Tawadros später zu den Anschlägen: «Diese Taten werden die Einheit und den Zusammenhalt der Ägypter nicht zerstören.»

Die Sicherheitskräfte konnten laut Medienberichten vor der Moschee Sidi Abdel Rahim in Tanta zwei weitere Sprengsätze entschärfen.

Nach den verheerenden Anschlägen bekundete Papst Franziskus den Kopten und dem ägyptischen Volk sein Beileid. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wird voraussichtlich Ende April 2017 in Ägypten einen Besuch abstatten.

Ausnahmezustand angekündigt

 Ägyptens Präsident Abdel Fattah al Sisi hat noch am Sonntag, 9. April 2017, den Ausnahmezustand für die nächsten drei Monate angekündigt. Dieser werde in Kraft treten, sobald die verfassungsrechtlichen Massnahmen getroffen seien. «Das geschieht nur, um unser Land zu schützen», so die Begründung des Präsidenten.

Anhaltende Mordserie gegen Christen

Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu den Anschlägen, die die traurige Serie von tödlichen Angriffen gegen Christen in Ägypten fortsetzen. Am 11. Dezember 2016 kamen 25 Menschen, vorwiegend Frauen und Mädchen, in der Peter und Paul-Kirche in Kairo ums Leben. In den ersten Monaten dieses Jahres wurden mehrere Christen in Ägypten von Islamisten getötet, vor allem auf der Halbinsel Sinai.

Etwa zehn Prozent der rund 94 Millionen Einwohner Ägyptens sind koptische Christen. Sie leben überwiegend friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Spannungen gibt es vor allem in ländlichen Gebieten.

Mit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Jahre 2013 hatten die Übergriffe auf Christen zugenommen. Unter Al Sisi hatte sich die Lage leicht gebessert. Doch das Problem des Terrors gegen religiöse Minderheiten bleibt.

 

Reto Baliarda

Quellen: msn, faz, sda

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