Dunkelziffern sichtbar machen

02. März 2018

Unter der aktuellen Regierung Indiens verzeichnen CSI und andere Beobachtungsstellen einen deutlichen Anstieg von Übergriffen gegen religiöse Minderheiten.



Allein über die Weihnachtstage wurden 45 Übergriffe, zum Teil mit schweren Körperverletzungen, gemeldet. Doch die Dunkelziffer ist um einiges höher. Wie traurig, wenn die Weihnachtstage, die Frieden auf Erden verkündigen wollen, zu Tagen des Alptraums für viele Christen in Indien werden. Das Schlimme ist dabei die omnipräsente Angst, in ihrer schutzlosen Situation angegriffen zu werden.

Regierung mit zwei Gesichtern

Die amtierende Regierung zeigt sich auf dem internationalen Parkett als weltoffen und wirtschaftlich im Aufschwung, während sie innerhalb des Landes hindu-extremistisches Gedankengut verbreitet. Sie propagiert, dass Bürger Indiens nur Hindus sein können. Die Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP) zielt auf einen 100 % Hindustaat per 2021. Andere Religionen haben keinen Platz. Gerade in abgelegenen, ländlichen Gebieten, fernab von grossen Städten und Touristen, finden die Opfer oft keine Fürsprecher. Sie sind schutzlos Diskriminierung und Angriffen ausgeliefert.

Unter Beobachtung von Hindu-Extremisten

Pastor David erlebte diese Schutzlosigkeit ganz persönlich. Als er von Hindu-Extremisten angegriffen wurde, wollte er eine Anzeige bei der Polizei einreichen. Doch er erhielt nur die folgende Warnung: «Die BJP-Regierung re­giert nun, ihr könnt euch nicht mehr zum Beten versammeln. Die lokalen Behörden sind über eure Aktivitäten informiert und werden euch verfolgen. Ihr müsst verschwinden. Nicht einmal wir können Euch mehr helfen.»

CSI hilft auf verschiedenen Ebenen

CSI unterstützt seit 2013 Partner vor Ort, um den verfolgten Christen mit Rat und Tat beizustehen. Sehr wichtig ist die juristische Unterstützung, aber auch konkrete materielle Hilfe. Zusätzlich sind Schulungen, in denen sie über ihre Rechte informiert werden, von grosser Bedeutung. Christliche Minderheiten müssen gestärkt werden, damit sie auf die schwierigen Situationen vorbereitet sind. Eine kürzlich eingerichtete nationale Notfallnummer sorgt dafür, dass Opfer wie Pastor David nicht mehr zur unsichtbaren Dunkelziffer gehören. Er kann den Angriff telefonisch melden und erhält Hilfe. Die Dunkelziffer geht somit langsam zurück und das Unrecht wird an die Öffentlichkeit getragen.

Corinne Germann, msn

 

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Projekt Indien