Ein Jahr Kim Jong Un – noch keine Besserung

21. November 2012

Nordkorea ist der letzte Staat stalinistischer Prägung. Während die Bevölkerung hungert, unterhält das Regime eine Armee mit 1,2 Millionen Soldaten. Etwa 200?000 Personen sind unter erbärmlichsten Bedingungen in Arbeitslagern eingesperrt, unter ihnen viele Christen.



Kim Jong Un habe als Kind zweieinhalb Jahre inkognito eine Schweizer Schule, das Schulhaus Steinhölzli in Liebefeld bei Bern, besucht. Dafür legte die Schweizer Zeitung Le Matin Dimanche im April 2012 glaubwürdige Beweise vor. Trotz seiner westlichen Bildung setzt der junge Diktator des 24-Millionen-Staates  den menschenverachtenden Kurs seines Vaters fort.

24 Millionen Gefangene

Nordkorea ist der am stärksten abgeschottete Staat der Welt. Die Bevölkerung ist im eigenen Land eingesperrt. Alle grundlegenden Menschenrechte werden mit Füssen getreten. Während Millionen chronisch unterernährt sind, leistet sich das kleine Land mit einem 1,2-Millionen-Heer eine der grössten Armeen weltweit. Etwa 200  000 Personen befinden sich aus politischen oder religiösen Gründen in Arbeitslagern, wo sie – mangelernährt und geschlagen – zu harter Arbeit gezwungen werden. Selbst Frauen und Kinder werden entsetzlich gefoltert. Viele überleben die furchtbaren Haftbedingungen nicht. Mindestens 20  000 der Sträflinge sollen Christen sein. Sie werden nach Berichten von Überlebenden besonders brutal misshandelt.

Personenkult ersetzt Religion

Nordkorea hat eine eigene Art Religion geschaffen, deren Grundlage die (kläglich versagende) Selbstversorgung des Landes und der Personenkult um Grossvater und Vater des aktuell regierenden Diktators bildet. Die ganze Bevölkerung wird gezwungen, deren übergrossen Statuen zu huldigen. Die Riesenbauten sollen den Einzelnen gegenüber dem Staat klein und machtlos erscheinen lassen. Um die Bevölkerung mit dieser Ideologie zu indoktrinieren, bestehen im ganzen Land hunderttausend  Zentren.

Neben dieser Pseudoreligion werden keine anderen Religionen geduldet. Zwar werden in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang vier Kirchen unterhalten, zwei evangelische, eine katholische und eine russisch-orthodoxe. Diese Kirchen sollen den Anschein erwecken, dass christliche Aktivitäten offiziell erlaubt sind. Doch auch hier hat das übermächtige Regime alles unter Kontrolle: Die einheimischen Gottesdienstbesucher sind registriert und werden mit Bussen zur Kirche hin- und zurückgefahren. Gesangsbücher und geistliche Literatur werden streng geprüft und an die Staatsideologie angepasst.

Ausserhalb der Hauptstadt gibt es nicht einmal Scheinkirchen. Wer sich dort zum Christentum bekennt, muss dies im Geheimen tun, zu Hause oder gar in Höhlen. Wer von den Sicherheitskräften erwischt wird, muss mit mehreren Jahren Straflager rechnen – für manche ein Todesurteil.

Wehe den Flüchtlingen!

Es gibt immer wieder nordkoreanische Flüchtlinge, die das riesige Gefängnis Nordkorea unter Todesgefahr zu verlassen versuchen. Wenn eine Flucht tatsächlich gelingt, endet sie oft in China. Nordkoreanische Flüchtlinge, die dort von den chinesischen Behörden aufgegriffen werden, werden nach Nordkorea zurückgeschafft, wo sie inhaftiert und gefoltert werden. Nordkoreas Regime forscht in China gezielt nach nordkoreanischen Christen, indem Geheimdienstmitarbeiter die Kirchen unterwandern.

Autor: Max-Peter Stüssi

Quellen: International Religious Freedom Report 2011, Reuters, Compass Direct, Christian Post

 


 

Wann verbessert sich die Lage endlich?

Als am 17. Dezember 2011 mit Kim Jong Un die dritte Generation der Diktatorenfamilie an die Macht kam, keimte schwach Hoffnung auf – immerhin erhielt er einen Teil seiner Ausbildung höchstwahrscheinlich in der Schweiz. Zwar weicht der noch nicht einmal 30-Jährige bisweilen tatsächlich von den Gepflogenheiten seines Vaters ab: Zum Beispiel zeigte er sich lächelnd und winkend mit einer Frau in der Öffentlichkeit. Ende Juli 2012 hat er sie, Ri Sol Ju, geheiratet.

Die Ernährungslage im Land und die menschenrechtliche Situation, insbesondere die Haftbedingungen, haben sich jedoch nicht verbessert. Man wartet bislang vergeblich auf die Freilassung politischer und religiöser Gefangener. Auch die Aufrüstung des Militärs setzt Kim Jong Un unvermindert fort.

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