Eine Handvoll Mais für die ganze Familie

23. Mai 2013

Juan ist bereits 72 Jahre alt. Er lebt in einer trostlosen Gegend mit viel Gewalt und Armut. Hier versucht er, seine Kinder vor dem Elend zu bewahren. Die Karmeliterschwestern, CSI-Partner in Nicaragua, sind ihm dabei eine große Hilfe.



Er könne uns leider nichts zu trinken anbieten, entschuldigt sich Juan und beginnt zu weinen. Er habe nicht einmal etwas, worauf wir uns setzen könnten.

Von Kriminellen bedrängt

Der 72-jährige Juan sorgt alleine für vier Kinder. Das jüngste ist gerade einmal drei Jahre alt. Die Familie wohnt in einer der ärmsten Gegenden von Nicaraguas Hauptstadt Managua. Die fünf Personen müssen sich mit einem einzigen Raum begnügen. Mit Tüchern hat Juan eine Art Schlafzimmer abgetrennt. Obwohl die Wohnung so klein ist, müssen die Kinder oft drinnen bleiben. Juan will sie vor der herrschenden Kriminalität und Verwahrlosung schützen, unter denen das ganze Gebiet stark leidet. Es gebe Kinder im Alter von José – er ist 9-jährig –, die bereits Alkoholiker seien.

Juan selber wurde vor kurzem überfallen und mit einer Kette ins Gesicht geschlagen. Seither ist er auf einem Auge blind. Zusätzlich rammten die Angreifer ihm einen grossen Stein in den Rücken, so dass er einen Moment dachte, sie hätten ihm den Rücken gebrochen.

Er erlitt unglaubliche Schmerzen. Den dreijährigen Antonio verletzte jemand mit einem Stein am Kopf. Es gibt viele Banden hier. Sie haben der Familie alle Fenster ihrer Einzimmerwohnung eingeschlagen, erzählt Juan traurig. Er versuche, mit allen Nachbarn gut auszukommen, damit sie ihn und seine Kinder in Ruhe lassen.

Rente reicht nur für Miete

Juan war früher Mechaniker. Inzwischen ist er pensioniert.  Von den 1800 Pesos Rente (etwa 65 Franken) bleibt nach Bezahlung der Miete von 1500 Pesos nicht mehr viel übrig. Entmutigt zeigt Juan uns ein kleines Gefäss, in dem das Frühstück für die ganze Familie war: etwas Mais. «Mit Milch?», fragen wir. Betrübt schaut Juan auf: «Natürlich nicht, mit Wasser!»

«Ich wäre froh, wenn Gott mich zu sich nähme», sagt Juan. Er mache sich jedoch Sorgen um die Kinder. Er weine oft mit ihnen. Am meisten schmerze ihn, dass sie keine Mutter  haben, die sie streichelt. Seine Frau war Alkoholikerin und hat ihn vor etwa zwei Jahren verlassen. Sie habe die beiden jüngeren Kinder ständig geschlagen; der jüngste trägt jetzt noch Narben davon. Wieder bricht der hagere Mann in Tränen aus. «Wenn ich wenigstens noch Verwandte hätte, dann  wären wir nicht so alleine!» Aber seine Geschwister sind schon alle gestorben.

Lichtblick im Elend

«Die einzigen, die ich noch habe», sagt Juan, «sind die Karmeliterschwestern». Seine vier Kinder bekommen bei ihnen fünfmal pro Woche ein warmes Mittagessen.

Schwester Guadalupe kümmert sich regelmässig um den  Mann und bringt ihm auch materielle Hilfe. Dafür ist Juan sehr dankbar. Wir spüren: Auf Juan lastet viel, aber er hat nicht aufgegeben. Schwester Guadalupe ermutigt ihn, er werde den Kindern den Glauben und eine gute Erziehung mitgeben. Das sei das Wichtigste. «Vielen Dank», sagt Juan. Seine inzwischen verstorbene Mutter habe ihm das auch gesagt. «Ich bin nur wegen der Gnade der heiligen Maria noch nicht krank geworden», sagt der gläubige Katholik. Zum Abschied drückt er uns weinend fest an sich.

Autor: Adrian Hartmann

 

Projektbesuch in Lateinamerika: Projektleiterin Inés Wertgen und Chefredaktor Adrian Hartmann besuchten im April 2013 die CSI-Projekte in Nicaragua und in Peru. Dies ist der erste Artikel über die Reise.

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