Eine Schule für ehemalige IS-Kindersklaven

23. Februar 2019

Tausende von jesidischen Kindern waren 2014 von der Terrormiliz IS gekidnappt worden. Mittlerweile konnten viele wieder in ihre Gemeinschaft aufgenommen werden. CSI unterstützt ein Bildungsprogramm mit dem Ziel, die Wiedereingliederung der Kinder zu erleichtern.



«Kuffār! Ihr seid alle kuffār (Ungläubige)!» ruft ein junger Knabe mit fanatischem Blick jedes Mal, wenn er einem Jesiden über den Weg läuft. Dabei ist dieser Junge selber Jeside. Elias ist eines von tausenden Kindern, das Anfang August 2014 vom Islamischen Staat (IS) verschleppt worden war.

Genozid an den Jesiden

Für die Terrormiliz IS sind die Jesiden Teufelsanbeter, die vernichtet werden müssen. Entsprechend hatte der IS bei der Eroberung der Region Sindschar, wo die meisten Jesiden lebten, tausende getötet, vorwiegend Männer. Frauen und Kinder wurden als Geiseln gefangengenommen und verkauft oder auch als Kindersoldaten missbraucht.

Elias ist eines der Opfer: Sein Vater wurde vor seinen Augen geköpft. Der abgetrennte Kopf wurde in die Hände des völlig verstörten Jungen gedrückt mit der unmissverständlichen Botschaft: Wenn du nicht konvertierst, machen wir mit dir das gleiche. Es folgten Wochen, ja Monate brutalster Unterdrückung.

Als Elias gerettet wurde, empfand er nichts als Hass und Verachtung gegenüber seinem Volk. Überlebende seiner Familie begegneten Elias mit Misstrauen. Ist er nicht ein Sicherheitsrisiko? Findet er jemals wieder den Zugang zu seinen Wurzeln?

Der jesidische Geschäftsmann Khairy Ali Kubo hat ein Ausbildungsprogramm ins Leben gerufen, das Kindern wie Elias einen Neustart ermöglicht. Das Programm «Kaniya Spî» («Weisse Quelle») trägt den Name einer Quelle, die bei den Jesiden für die Taufe benützt wird. Zu «Kaniya Spî» gehören mittlerweile fünf Schulen, die von rund 600 Schülern zwischen 7 und 20 Jahren besucht werden.

Die Lehrer bringen den Schülern die Grundlagen ihrer Kultur, Tradition und Sprache bei, die viele von ihnen verlernt haben. Im Zentrum steht ein Umdenken und ein friedliches Zusammenleben. «Entgegen aller Erwartungen gelingt es uns, bei den Kindern einen Veränderungsprozess in Gang zu setzen», erklärt der Direktor einer der Schulen, die von CSI unterstützt werden. «Elias gehört heute zu den Wortführern, wenn es um Frieden und Hilfe für den Nächsten geht. So sieht unser Sieg gegen den IS aus.»

Hélène Rey

 

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Projekt Irak