Flucht nach Überfall der Fulani-Extremisten

03. Dezember 2017

Bei einem Überfall auf ein Dorf in Zentralnigeria töteten islamische Fulani-Extremisten neun Men­schen. Die Familie von Dinatu John schaffte es gerade noch, zu fliehen. Im Flüchtlingslager von Kuru bemüht sich die Familie, eine neue Existenz aufzubauen.



Auf ihrer Reise nach Nigeria besuchten die CSI-Vertreter Franco Majok und Joel Veldkamp auch das Flüchtlingscamp in Kuru im Gliedstaat Plateau, 25 Kilometer südlich der Stadt Jos. Gegenwärtig sind zehn Familien darin beherbergt, die alle vor der Gewalt von extremistischen Fulani-Viehhütern fliehen mussten. Die Überfälle der Fulani wurden nicht etwa im Nordosten des Landes verübt, wo Boko Haram Terror verbreitet, sondern in Dörfern in der Nähe des Lagers.

Neun Menschen getötet

Die junge Christin Dinatu John fand vor einem Jahr mit ihrem Mann und den vier Kindern im Lager von Kuru Zuflucht, nachdem ihr Dorf Zakupang von Fulani-Extremisten überfallen worden war. «Die Fulani töteten neun Menschen, darunter auch meinen Onkel. Wir konnten noch rechtzeitig fliehen. Aus unserem Versteck mussten wir mit Entsetzen ansehen, wie unser Haus geplündert wurde und in Flammen aufging», erinnert sie sich mit Schrecken an den schlimmsten Tag ihres Lebens.

Zwei Stunden lang rannte die Familie um ihr Leben, bis sie mit anderen Vertriebenen das Dorf Foron erreichte. Während einige Familien nach Jos weiterflohen, fand Dinatu mit ihrem Mann und den Kindern in Kuru Unterschlupf.

Zu grosse Angst vor der Rückkehr

Drei Monate nach dem Überfall erfuhr Dinatu im Flüchtlingslager, dass die nigerianische Armee gegen die Fulani-Extremisten in Zakupang gekämpft hatte und sie in die Flucht schlagen konnte. Seitdem sind einige Familien wieder in ihr zerstörtes Dorf zurückgekehrt. «Doch wir trauen uns nicht zurück», gesteht sie. Zu gross ist die Angst vor erneuten Übergriffen der Fulani. «Früher lebten wir mit den Fulani friedlich zusammen. Sie haben uns wie aus dem Nichts angegriffen, auch weil sie uns unser Land wegnehmen wollen».

Im Flüchtlingslager von Kuru fühlt sich Dinatus Familie zwar sicher. Doch sie muss um ihre Existenz kämpfen. «Zwei unserer Kinder besuchen die öffentliche Schule. Doch wir bringen das dafür nötige Schulgeld kaum zusammen. Mein Mann ist von Beruf Schneider. Aber womit soll er einen Geschäftsraum mieten, wenn uns das Geld dazu fehlt?» fragt sie sich.

Dinatu John kämpft mit ihrem Schicksal und auch darum, das wenige Vertrauen, das sie in ihre muslimische Mitmenschen noch hat, nicht ganz zu verlieren: «Die Welt soll wissen, was Islamisten wie Boko Haram und die Fulani-Milizen uns Christen angetan haben.»

CSI konnte Dinatu John eine erste Unterstützung ermöglichen. Nächstes Jahr werden die Flüchtlinge im Lager von Kuru eine breitere Hilfe erhalten, um eine neue Lebensgrundlage aufzubauen.

Reto Baliarda

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