• Irak

Genozid an Jesiden

20. März 2015

Der Islamische Staat verübt einen Genozid an Jesiden. Tausende wurden getötet, Tausende entführt. CSI besucht jesidische Flüchtlinge regelmäßig, bringt Hilfe und macht ihre Situation publik.



Als wir mit den Hilfsgütern auf den Platz vor der Schule fahren, laufen sofort einige Kinder herbei. Sie lachen über die Scherze von Mitarbeitenden unserer irakischen Partnerorganisation Hammurabi und freuen sich über die Süssigkeiten. Nach und nach kommen auch die Väter der Kinder. Einige Mütter schauen aus der Ferne zu.

53 jesidische Familien leben hier. Gegen die Jesiden verübt der Islamische Staat (IS) gemäss UNO-Definition einen Genozid. Jesidische Männer wurden getötet, die Frauen zu Tausenden entführt. Die kleine und geschlossene Gemeinschaft der Jesiden hat kaum internationale Fürsprecher und ist weitgehend auf sich selbst gestellt. «In Kotscho wohnten 1700 Familien», erzählt uns ein Jeside. «Nur 200 Personen haben überlebt.» Er ist einer von zehn Männern aus dem Dorf, die aktiv gegen den IS kämpfen. «Das Kampfgebiet liegt nur etwa eine Autostunde von hier.» Dort könnte er uns mehrere Massengräber zeigen, in denen die Dschihadisten unzählige Jesiden verschwinden liessen.

Bei Rückkehr lauert Tod

Die jesidischen Kämpfer hatten einigen Erfolg gegen den IS. Doch eine Rückkehr in die Dörfer ist gefährlich: Der IS hat Sprengfallen gelegt, um möglichst viele Rückkehrer in den Tod zu reissen. In einem Dorf wurden fast alle Häuser zerstört, nur eines blieb unversehrt und diente als Lagerhaus. Als einige jesidische Rückkehrer das Haus betraten, ging es in die Luft. In einem anderen Dorf starben zwei Jesiden, als beim Öffnen des Kühlschranks eine Bombe explodierte.

Auch etwa 20 Exil-Jesiden aus Deutschland kämpfen gemeinsam mit ihren irakischen Brüdern gegen den IS, sagt der Kämpfer. Im Scherz fragt er mich, ob ich mich ihnen anschliessen wolle. Kein Scherz ist seine zweite Frage: «Ist es leicht, in die Schweiz zu kommen?» 

Adrian Hartmann


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