Gezielte Säuberung – CSI hilft

27. September 2018

Das schreckliche Massaker von Fulani-Islamisten in Zentralnigeria hat unsägliches Leid verursacht. Über 230 Christen wurden getötet. Zehntausende haben ihre Heimat verloren. CSI versorgte elf Flüchtlingscamps mit Hilfsgütern.



Jerry und Rachel sind dankbar, dass sie und ihre vier Kinder den brutalen Angriff von fünf Islamisten auf ihr Haus überlebten, selbst wenn einer der beiden schwere Verletzungen an einer Hand davontrug: «Wir danken Gott, dass wir am Leben sind.» Die Familie stand Todesängste aus, als sie zitternd von ihrem Haus aus mitansehen musste, wie Islamisten ihre Nachbarn töteten und dann auf ihr Haus losstürmten. «In meiner Verzweiflung betete ich, dass Gott uns das richtige Versteck zeigt», erzählt Jerry den CSI-Mitarbeitern Franco Majok und Joel VanderSpek.

Jerry hatte noch versucht, die Tür zu verriegeln, doch die Extremisten waren schneller und drangen hinein. «Meine vier Kinder hatten sich unter dem Bett versteckt und versuchten, trotz Todesangst ruhig zu bleiben.» Die fünf Fulani-Islamisten waren mit Gewehren, Knüppeln und Buschmessern bewaffnet. «Sie fanden mich und meine Frau. Mit ihren Messern stachen sie auf uns ein. Da sie uns tot wähnten, liessen sie von uns ab und verschwanden. Als mein Sohn aus seinem Versteck die Blutlache sah, erschrak er und kroch hervor. Ich musste ihn wieder unter das Bett stossen, bis wir uns sicher waren, dass die Gefahr vorbei war.»

Christen sollen ausgerottet werden

Jerry und Rachel gehören zu den rund 30 000 Christen, die den mörderischen Übergriff von islamistischen Fulani-Viehhütern überlebt haben und aus ihrer Heimat fliehen mussten. Die meisten Geflohenen können nicht zurückkehren. Ihre Häuser wurden entweder niedergebrannt oder durch die Angreifer besetzt. Ihre Viehherden haben hunderte von landwirtschaftlichen Grundstücken abgefressen, die einst erfolgreich bewirtschaftet wurden und eine stattliche Ernte abwarfen. Alleine im Dorf Jol (unweit von Jos) wurden so 350 Äcker zunichte gemacht.

Einige vertriebene Christen wagten trotz des grausamen Überfalls den Versuch, in ihre Dörfer zurückzukehren. Doch die Fulani hinderten sie daran mit der provokativen Frage: «Wer hat dir die Erlaubnis gegeben, zurückzukommen?»

Der tödliche Überfall extremistischer Fulani-Milizen ist kein isoliertes Ereignis. Er ist Teil einer Serie von Attacken mit dem Ziel, die Christen aus ihrer Heimat zu vertreiben. «Die Islamisten gingen bei ihren Attacken gezielt auf Christen los und haben die Muslime verschont. Manche muslimische Bauern unterstützten gar die Angreifer und zeigten ihnen die christlichen Bauernhöfe», erklärt CSI-Projektmanager Franco Majok.

40 000 Franken für Gewaltopfer

Zwar sind die Christen in Zentralnigeria in der Mehrheit. Doch die ständigen Attacken durch islamistische Fulani-Viehhüter haben sie völlig verunsichert. Dies auch deshalb, weil sie nicht auf die Hilfe der Armee zählen können. Die katholische Bischofskonferenz von Nigeria forderte nach dem Massaker einmal mehr Nigerias Präsident Muhammadu Buhari zum Rücktritt auf.*

CSI hat den Gewaltopfern bisher 40 000 Franken zugesprochen. Damit wurden überlebenswichtige Hilfsgüter an die Vertriebenen in elf Flüchtlingslagern verteilt: Reis, Bohnen, Brennholz, Wolldecken oder auch Eimer für Trinkwasser. «Ich habe ansonsten keine grösseren Hilfseinsätze gesehen, weder von der UNO noch von anderen grossen internationalen Hilfswerken», so Franco Majok.

Die Hilfe vor Ort wird fortgesetzt. Dazu Franco Majok: «Die Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern sind miserabel. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Besonders dringend benötigt werden Nahrungsmittel und Wasser. Um dieser grossen Not zu begegnen, müssen unbedingt neue Bohrlöcher gegraben und sanitäre Einrichtungen erstellt werden.» Sorgen machen wir uns auch um die Schulbildung der vielen Kinder. Für sie braucht es unbedingt temporäre Schulen, da die wenigen lokalen Schulen unmöglich ausreichen, um all die Flüchtlingskinder aufzunehmen.

Reto Baliarda

 

Video zum Massaker

 

 

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