Gute Saat ist aufgegangen

07. Oktober 2016

CSI-Schweiz setzt sich seit der Gründung von 1977 für religiös verfolgte Menschen ein. Die christliche Menschenrechtsorganisation ist derzeit in zwölf Ländern tätig. Nun kommen zwei Projekte in Peru und in Rumänien zu ihrem Ende.



In den 80er Jahren herrschte in Peru ein brutaler Bürgerkrieg zwischen der maoistischen Terrororganisation «Leuchtender Pfad» und dem Militär. Dieser Krieg kostete mehr als 70’000 Menschen das Leben. Von beiden Seiten wurden schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begangen. Besonders die einfache Bevölkerung auf dem Land litt unter der Situation. Sie stand im Kreuzfeuer beider Kriegsparteien und wurde immer wieder verdächtigt, der Gegenpartei anzugehören. Der peruanischen Bevölkerung ist unendlich viel Ungerechtigkeit widerfahren.

Grosse Verdienste von Caleb Meza

Der Soziologe und Menschenrechtsaktivist Caleb Meza war seit den 80er Jahren unser lokaler Partner. Während der Bürgerkriegszeit baute er ein Netzwerk von Anwälten, Aktivisten und Kirchenleitern auf, um Opfern der Angriffe zu helfen. Unter grossen Gefahren deckten sie die Gräueltaten beider Seiten auf und standen den Opfern zur Seite, sei es durch die juristische Vertretung vor Gericht, durch humanitäre Hilfe oder psychologische Betreuung. Die Betreuung von unschuldig Inhaftierten und ihrer Familien war lange ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit. Nach Kriegsende wurden vor allem Schulungen für Anwälten und Aktivisten durchgeführt, um die Durchsetzung von Menschenrechten zu fördern.

Dank des unermüdlichen Einsatzes von Caleb Meza wurde so in den letzten Jahrzehnten viel getan, um Unrecht in der peruanischen Gesellschaft aufzuarbeiten, Menschen für Gerechtigkeit und Menschenwürde zu sensibilisieren und vielen Opfern konkrete Hilfe zu bringen. So konnte Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gesät werden.

Altersbedingt geht dieser Einsatz nun jedoch zu Ende, da Caleb Meza inzwischen das Pensionsalter überschritten hat. Mit einem tiefen Dank an ihn werden wir nun dieses Projekt per Ende 2016 beenden. Die soziale Arbeit für Bewohner der Armenviertel wird in Zusammenarbeit mit INTSOL bis auf weiteres noch fortgesetzt.

Waisenkinder in Rumänien

Auch das Waisenkinderprojekt in Rumänien neigt sich dem Ende zu. Manche mögen sich noch an die schrecklichen Bilder von völlig verwahrlosten Babys und Kleinkindern in rumänischen Heimen erinnern, die nach dem Sturz des Ceaucescu-Regimes durch die Medien gingen.

CSI rief damals ein Pilotprojekt ins Leben mit dem Ziel, Waisenkinder in einem guten familiären Umfeld aufwachsen zu lassen. Drei Pflegefamilien waren bereit, zehn Waisenkinder aus einem Heim in ihre Familien aufzunehmen. Projektpartner Catalin Florescu, der die Kinder und ihre Pflegeeltern bis heute mit grossem persönlichem Engagement betreut, vertritt die Arbeit gegenüber den Behörden. Ein grosser Erfolg war, dass regionale Behörden das Konzept bei CSI studierten und für die eigenen staatlichen Betreuungskonzepte über­nahmen.

Auch für die Kinder war es ein grosses Glück, aus den alten Heimstrukturen entfliehen und in einer richtigen Familie aufwachsen zu können. Nun sind sie fast erwachsen oder bereits volljährig. Das Projekt neigt sich deshalb langsam dem planmässigen Ende zu. Für alle Kinder wurden individuelle Vorkehrungen getroffen, um ihnen einen guten Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen.

Von Herzen danken wir allen treuen Spendern, die diese Langzeitprojekte über die Jahre unterstützt haben. Die Saat, die hier ausgesät wurde, hat viel gute Frucht gebracht.

Inés Wertgen


Strategische Überlegungen bei CSI

CSI setzt sich schwerpunktmässig für die Opfer von religiös motivierter Gewalt und Verfolgung ein. Auch beim Start der Projekte in Peru und in Rumänien spielte dies eine bedeutende Rolle. In Peru war die Zerschlagung christlicher Gemeinschaften ein ausdrückliches Ziel des «Leuchtenden Pfads». Die Vernachlässigung von Kindern in Rumänien gründete in der nihilistischen Staatsideologie, die Andersgläubige gezielt verfolgte. Wunderbar, dass die Welt etwas besser geworden ist. Religiöse Verfolgung spielt in diesen Ländern heute keine Rolle mehr. Umso mehr nimmt sie in im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und in Asien zu. CSI beobachtet die Entwicklungen und wird das Engagement in diesen Gebieten fortführen und nach Möglichkeit auch ausbauen.

Benjamin Doberstein

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Projekt Peru