• Indonesien

Herr Präsident, stoppen Sie die Extremisten!

21. November 2014

Indonesien galt lange als Vorzeigebeispiel eines mehrheitlich muslimischen Landes ohne religiöse Diskriminierung. In den letzten Jahren gewannen Islamisten jedoch immer stärkeren Einfluss auf die Regierung. Bitte fordern Sie den neuen Präsidenten auf, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.



Indonesien ist das Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung weltweit. Etwa 87 % der rund 250 Millionen Einwohner sind Muslime (220 Millionen), 10 % Christen, 2 % Hindus und 1 % Buddhisten und Konfuzianer. Lange galt Indonesien als Beispiel relativ friedlichen Zusammenlebens von verschiedenen Religionen in einem Land mit muslimischer Mehrheit.

Religiöser Friede gefährdet

Die Wahrung des religiösen Friedens war bei der Staatsgründung von Indonesien vor über 65 Jahren ein wichtiger Grundsatz. Die Religionsvielfalt gehört neben Humanismus, nationaler Einheit, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit zu den Grundpfeilern der Identität Indonesiens. Offiziell anerkannt sind allerdings nur der Islam, das Christentum, der Buddhismus, der Hinduismus und der Konfuzianismus. Alle Bürger Indonesiens müssen sich zu einer dieser Religionen bekennen, die gleichgestellt sind. Dieses nationale Verständnis bietet eine solide Basis für eine Gesellschaft, die sich nicht an religiösen Trennlinien orientiert.

Durch den wachsenden Einfluss von extremistischen islamischen Lehren und durch das Machtkalkül lokaler Politiker ist der religiöse Friede in Indonesien zunehmend gefährdet. Die Aktivitäten extremistischer Gruppen wie etwa der Front zur Verteidigung des Islams (FPI) werden von offizieller Seite vielfach geduldet, teils sogar aktiv unterstützt. Dadurch werden Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten zunehmend zu Opfern von gewaltsamen Übergriffen und Diskriminierung.

Attacken und Scharia

In den letzten zehn Jahren wurden mindestens 430 Kirchen geschlossen, angegriffen oder niedergebrannt. Anfang Juni 2014 kam es in Sleman (Yogyakarta) zu einem Angriff mit Steinen und Schlagstöcken auf eine protestantische Gebetsgruppe. Die Polizei schaute untätig zu. Nur wenige Tage zuvor war im gleichen Quartier eine katholische Versammlung von Extremisten überfallen worden. In West-Java kommt es fast wöchentlich zu Attacken von FPI-Gruppen auf Kirchgemeinden.

Besonders gravierend ist die Situation in der Provinz Aceh. Dort wurde, mit Erlaubnis des Präsidenten, 2004 die Scharia zur Grundlage für das lokale Recht gemacht. Seitdem wacht eine Sittenpolizei (Wilayatul Hisbah) über die Einhaltung von Kleidungsvorschriften und sittlichem Verhalten. Andere muslimische Richtungen wie die Schia (Schiiten), die Ahmaddiyya und der Sufismus sind in Aceh verboten.

Präsident soll religiöses Miteinander garantieren

Die unheilvolle Allianz der Behörden mit religiösen Extremisten bedroht den Frieden, die Stabilität und die Sicherheit Indonesiens. Die Wiederherstellung des religiösen Friedens muss daher ganz oben auf der Prioritätenliste des neuen indonesischen Präsidenten, Joko Widodo, stehen. Er hat am 20. Oktober 2014 sein Amt angetreten und inzwischen ein erstes erfreuliches Signal gesendet: Auf Bitten von religiösen Minderheiten hat Präsident Widodo den bisherigen Religionsminister (Lukman Hakim Saifuddin), einen moderaten Muslim, im Amt belassen.

Bitte machen Sie bei unserer Online-Protestaktion (Ganz am Ende dieses Artikels) mit, um Präsident Widodo zu seinem neuen Amt zu gratulieren und ihn zu Massnahmen zum Schutz von religiösen Minderheiten aufzufordern:

  • Die Behörden dürfen in ihrer Arbeit religiöse Minderheiten nicht benachteiligen.
  • Präsident Widodo soll religiöse Gewalt deutlich verurteilen und sich beharrlich für religiösen Frieden aussprechen.
  • Gewalttäter, die religiöse Minderheiten angreifen, dürfen nicht weiterhin straflos davonkommen.

Benjamin Doberstein

 


 

Christen ausgesperrt

Unter dem Druck von Islamisten verweigern die Behörden der Stadt Bogor (West-Java) den Christen der GKI-Yasmin-Kirche seit Jahren den Zutritt zu ihrem Gotteshaus. Dabei hatte das Oberste Gericht bereits 2010 angeordnet, den Christen die uneingeschränkte Benutzung zu gestatten. Jetzt kommt möglicherweise Bewegung in den Fall: Religionsminister Lukman Hakim Saifuddin kündigte an, sich dieses Problems annehmen zu wollen.

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