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Im Schweizer Alltag die verfolgte Familie im Kopf

26. März 2018

Dabrina Schwan lebt seit acht Jahren in der Schweiz. Sie spricht gut Deutsch, hat eine Arbeit, ist seit kurzem verheiratet. Doch an ihre Heimat denkt sie jeden Tag: Allen Familienangehörigen drohen mehrjährige Gefängnisstrafen. Bitte helfen Sie bei der Ermutigungsaktion mit.



Für Schweizer Christen ist sie eine Brücke zu den Verfolgten im Iran: Dabrina Schwan. Sie verliess ihre Heimat Iran 2010, weil sie wegen ihres christlichen Engagements massiv bedrängt wurde. Ihre Eltern und ihr Bruder befinden sich weiterhin im Iran – ihr Schicksal ist ungewiss.

Der Vater: Pastor Victor Bet Tamraz, im Juli 2017 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt (Berufung eingelegt).

Die Mutter: Shamiram Isavi Khabizeh, Anfang Januar 2018 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt (Berufung eingelegt).

Der Bruder: Ramiel Bet Tamraz, ohne Anklage drei Monate im Gefängnis, noch kein Urteil.

 

CSI: Können Sie sich an eine Zeit erinnern, als Sie Ihren Glauben im Iran noch ungehindert ausüben konnten?

Dabrina Schwan: Ich wurde nach der islamischen Revolution im Iran 1979 geboren und habe nie vollständige Glaubensfreiheit erlebt. Unter Präsident Mohammad Chatami (1997–2005) gab es eine gewisse Freiheit. Die Situation verschlechterte sich rapide, als Mahmud Ahmadinedschad Präsident war (2005–2013). 2009 wurde unsere Kirche, die assyrische Pfingstkirche, vollständig verboten.

Ihre Mutter wurde kürzlich zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Wie hat sie reagiert?

Meine Mutter ist eine starke Frau. Trotz Leid und harten Zeiten lacht sie. Viel schlimmer als ihre eigene Verurteilung waren für sie die Festnahmen von mir und meinem Bruder. Sie erlitt einen ersten Herzinfarkt und musste sich einer Bypass-Operation unterziehen.

Ihr Vater war 65 Tage in Isolationshaft. Hat ihn dies verändert?

Man sagt: Verfolgung macht einen besser oder bitter. Mein Vater hat sich zum Positiven verändert. Während der 65 Tage Isolationshaft war Christus an seiner Seite. Zusammen standhaft bleiben im Glauben, das Leid teilen, alles verlieren bis auf Gott, den Beschützer und Versorger – für so viele Christen hatte das positive Auswirkungen.

Wie steht es um Ihren Bruder?

Die Verhaftung von meinem Bruder war für uns alle ein Schock. Er ist noch nicht lange gläubig und besuchte die Kirche nicht oft. Aber das Gefängnis hat seinen Glauben gestärkt.

Ihre Eltern haben die Urteile weitergezogen. Rechnen Sie damit, dass sie am Ende ins Gefängnis gehen müssen?

Christus ist unsere Hoffnung. Wir beten für Freiheit. Wir beten dafür, dass sie frei und offen ihrer Kirche dienen können. Das ist unsere Vision, unser Traum. Gott hat ihre Zukunft in seiner Hand und wir vertrauen ihm.

Möchten Sie gerne in den Iran zurückkehren?

Ich kann es kaum erwarten!

Würden Sie Ihre Familie gerne in die Schweiz holen?

Es wäre für meine Familie sehr schwierig, sich für die Ausreise aus dem Iran zu entscheiden. Wir vertrauen auf Gottes Führung.

Sie erlebten im Iran Unterdrückung und kamen nun in die «freie Schweiz». Welchen Einfluss hat das auf Ihren Glauben?

Wenn man unterdrückt wird, ist das Verbotene sehr attraktiv. Wenn es nicht mehr verboten ist, verliert es diesen Reiz. Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen dem Glauben in Bedrängnis und dem Glauben in Freiheit. In der Verfolgung beteten wir sehr viel, in unseren alltäglichen Gesprächen war Gott viel präsenter.

Ich muss hier achtsamer sein als im Iran, um das innere Feuer für den Glauben zu erhalten. Es ist ein ständiger geistlicher Kampf. Der enge Kontakt mit meinen Eltern hilft mir dabei.

Erleben Sie unter den Christen in der Schweiz Interesse für Ihre Familie und die Situation der Christen im Iran?

Ja, die Leute sind sehr offen. Ich erfahre sehr viel Mitgefühl. Ich erhalte so viel Unterstützung: Gebete, Spenden, Karten – es ist unglaublich! Ich bin sehr überrascht, wie interessiert die Leute sind und wie sie wissen wollen, was passiert.

Natürlich gibt es auch andere Erlebnisse. Wir – auch ich – sind hier so beschäftigt mit unserem Leben, mit uns, dass wir keine Zeit haben, an die Gefangenen zu denken. Vielleicht auch als Selbstschutz: Wenn man für andere betet und weiss, was sie durchmachen, dann schmerzt das.

Adrian Hartmann


Dabrina Schwan – Assyrerin aus dem Iran in der Schweiz

Die 32-jährige Dabrina Schwan (geborene Bet Tamraz) stammt aus einer assyrischen Familie. Die Assyrer sind im Iran anerkannt und dürfen ihren Glauben als Zweitklassbürger ausüben, solange sie unter sich bleiben und Gottesdienste im klassischen Syrisch abhalten. Ihr Vater, Pastor Victor Bet-Tamraz, hielt jedoch früh Predigten in Farsi. Die Kirche wuchs rasant.

Dabrina Schwan studierte in England Theologie (2003–2006) und kehrte danach in den Iran zurück, wo sie Psychologie studierte (2006–2009) und in der Kirche ihres Vaters mithalf. 2010 flüchtete sie in die Schweiz, um einer mehrjährigen Gefängnisstrafe zu entgehen.

Dabrina ist seit kurzem verheiratet. Sie wohnt im Kanton Aargau und arbeitet als Pfarrerin.

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Anna Maria Forster

18.04.2019 07:02

Für mich ist der Artikel über Dabrina Schwan sehr, sehr interessant. Seit vielen Jahren unterstütze ich CSI finanziell. Seit einem Jahr interessiere ich mich für die Situation verfolgter Christen in Iran aus einem aktuellen Bezug. Ich hätte sehr gerne Kontakt zu Dabrina Schwan oder Adrian Hartmann. Könnten Sie mir bitte bald einen Weg dahin zeigen? Mit freundlichen Grüssen Anna Maria Forster


CSI

18.04.2019 09:53

Vielen Dank für Ihren Kommentar, Frau Forster. Ihr Interesse für verfolgte Christen im Iran freut uns sehr. Ich melde mich gleich per E-Mail bei Ihnen.


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