In widrigen Umständen die Hoffnung nicht aufgegeben

04. Juli 2012

Abgelegener Wohnort, viele Kinder, fehlende Erwerbsmöglichkeiten – Armut prägt den Alltag von Familie Utkins. Mit bescheidener, aber gezielter Hilfe hat sich ihr Leben jedoch deutlich verbessert.



«Labdien», guten Tag! Frau Malevica öffnet die Tür und bittet uns herein. Sie lächelt freundlich – mit geschlossenem Mund. Als sie ihn doch kurz öffnet, sehen wir sofort, was sie verbergen möchte.

Kinder kommen, Zähne gehen

Agita Malevica ist es so gegangen wie vielen andern Lettinnen auch: Während der Schwangerschaft hat sie einen Zahn nach dem andern verloren. Diese Zahnausfälle wirken sich im Leben stark aus: Sie erschweren das Essen, beeinflussen manchmal das Sprechen negativ und verhindern oft sogar ein Lächeln, weil sich die Frauen schämen und sich hässlich fühlen. CSI hilft ihnen und übernimmt wenn möglich die Zahnarztkosten. So erhalten die Frauen ein ganz neues Selbstbewusstsein.

Agita Malevica hat schon acht Schwangerschaften hinter sich. Zusammen mit ihren eigenen Kindern zieht sie ihre beiden Enkel auf. Ihre älteste Tochter hat die beiden Kinder bei den Grosseltern zurückgelassen, als sie Lettland Richtung Irland verliess. Leider geht es vielen jungen Leuten so wie ihr: Sie sehen in Lettland keine Perspektive mehr.

Arbeit finden ist unmöglich

Agita Malevica ist mit den vielen Kindern nicht alleine. Wir sind überrascht, wie stark ihr Partner Juris Utkins Anteil nimmt und sich um die Kinder kümmert. Oft sind junge Mütter auf sich allein gestellt. Sie erhalten vom Mann eher Schläge als Unterstützung und müssen mitansehen, wie er das wenige Geld vertrinkt. Viele Frauen flüchten deshalb vor ihren gewalttätigen,  alkoholabhängigen Männern.

Juris Utkins trinkt nicht. Er möchte arbeiten. Arbeit finden ist aber schwierig: Im Dorf Irlava, wo die Familie wohnt, gibt es keine Arbeit und die nächstgrössere Stadt Tukums ist 20 Kilometer entfernt. Ein Auto, ein Moped oder auch nur ein Fahrrad besitzt Juris Utkins nicht. Der öffentliche Verkehr ist auf dem Land praktisch inexistent, während in der lettischen Hauptstadt Riga unzählige Züge, Trams und Busse verkehren. In Irlava fährt zwar hin und wieder ein Bus.

Der erste Bus erreicht Tukums aber erst um 9 Uhr – für viele Arbeitgeber zu spät. Dennoch hat Juris die Hoffnung nicht aufgegeben und bewirbt sich jetzt für die Teilnahme an einem staatlichen  Ausbildungsprogramm.

Ein renoviertes Zuhause

Auch wenn er im Moment keine Stelle hat, bleibt Juris nicht untätig. Stolz zeigt er uns, was er dank Spenden aus der Schweiz an seiner Baracke instand setzen konnte. Ein Teil der Aussenwände ist bereits sauber gemauert. Zudem wurde ein neues Fenster eingesetzt. Das mache enorm viel aus, gerade was den Holzbedarf für die Heizung betreffe, erzählt Juris Utkins. Er ist motiviert, auch den Rest der einfachen Behausung noch zu renovieren: die bröckelnden Mauern zu ersetzen, das einstürzende Dach zu flicken, die weiteren undichten und morschen Fenster auszutauschen. Hoffentlich klappt es vor dem nächsten Winter!

Unvorstellbares wird wahr

Die früher dunkle und modrige Behausung von Agita Sternberga (39) und ihren sieben Kindern ist renoviert. Die Zimmer und die Küche sind fast nicht wiederzuerkennen und endlich bewohnbar geworden.

Agita Sternberga und ihre Kinder lebten bis vor einem Jahr in Zimmern, wo sich Dreck und Schimmel breit machten. In den feuchten Räumen wurden die Kinder häufig krank, die dunklen Zimmer verbreiteten eine erdrückende Atmosphäre und der üble Geruch liess jeden Besucher für einige Sekunden den Atem anhalten.

Wie befreiend wirkten dagegen beim letzten Besuch die hell gestrichenen Wände und die neuen Böden. Die sanfte Renovation hat der Familie ein Leben in Würde gebracht.

Weitere lettische Familien hausen weit unter dem Existenzminimum in schäbigen Holzhütten. Undichte Wände und feuchte Räume machen ihnen das Leben schwer und führen häufig zu Krankheiten. Mit  einfachen Renovationsarbeiten können wir diesen Menschen eine schwere Lebenslast abnehmen.

Autor: Adrian Hartmann

 


 

Reise nach Lettland

Projektleiterin Inés Wertgen und Chefredaktor Adrian Hartmann besuchten im April die lettische CSI-Partnerorganisation Pakāpieni und deren Leiterehepaar Dana und Viljams Šulci (Dana und Bill Schultz).

Bei vielen Besuchen konnten sie sich davon überzeugen, dass die CSI-Spendengelder gewissenhaft eingesetzt werden und mit kleinen Beträgen viel erreicht werden kann.

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