• Iran

Iranische Christin ist endlich in Freiheit

03. August 2017

Die ehemalige Muslimin Maryam Naghash Zargaran ist frei. Die zum Christentum konvertierte Iranerin wurde am Abend des 1. August 2017 nach über vier Jahren aus dem Gefängnis in Teheran entlassen. Die lange Haftstrafe hat Maryam vor allem gesundheitlich schwer zugesetzt.



Zum christlichen Glauben war Maryam durch den Kontakt mit Saeed Abedini gekommen. Sie hatte den iranisch-amerikanischen Pastor, der selbst vier Jahre im Gefängnis sass, bei ihrer Arbeit als Musiklehrerin in einem Waisenhaus kennengelernt. Nach ihrer Konversion gründete und leitete Maryam mehrere Hausgemeinden der «Assemblies of God».

In Untersuchungshaft gesteckt

Diese Hausgemeinden sind den iranischen Behörden ein Dorn im Auge. Sie seien eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Bereits im Dezember 2009 wurde die heute 39-jährige Maryam wegen ihrer Tätigkeit als aktive Christin von der Polizei verhört. Am 15. Januar 2013 nahmen Sicherheitsleute Maryam bei einem Hausgemeindetreffen in der Hauptstadt Teheran in Untersuchungshaft. Sie war während 19 Tage im berüchtigten Evin-Gefängnis eingesperrt.

Verurteilung während ihrer Abwesenheit

Ein Gericht verurteilte Maryam im Juli 2013 wegen «Untergrabung der nationalen Sicherheit» zu vier Jahren Gefängnis. Die Richter warfen der engagierten Christin vor, im «Interesse von England und dem besetzten Palästina (Israel) das Christentum im Iran zu verbreiten und damit die muslimische Gesellschaft im Iran zu pervertieren». Während der Urteilsverkündigung hielt sich Maryam selbst in der Türkei auf. Sie wurde aufgefordert, in den Iran zurückzureisen, wo sie am 19. Juli 2013 verhaftet wurde.

Schikaniert – medizinische Behandlung verweigert

Während der vierjährigen Haft wurde Maryam häufig schikaniert und körperlich missbraucht. Vor allem aber wurde der gesundheitlich schwer angeschlagenen Frau die medizinische Versorgung nicht richtig gewährt. Zwar konnte sie einige Male, nachdem sie aus Protest in den Hungerstreik getreten war, das Gefängnis für Arztbesuche verlassen. Doch musste sie jedes Mal frühzeitig ins Gefängnis zurück und so die Behandlung abbrechen.

Dabei wäre für sie eine umfassende medizinische Betreuung äusserst wichtig gewesen: Maryam litt an Herzbeschwerden, für die eine Operation nötig war.  Zudem plagten sie regelmässig Ohren- und Kopfschmerzen sowie Gelenkbeschwerden und Gefühllosigkeit in den Gliedmassen. Schliesslich hatten ihr die unzumutbaren Haftbedingungen derart zugesetzt, dass sie immer mehr mit Depressionen zu kämpfen hatte.

Maryams schlechter Gesundheitszustand veranlasste ihre Mutter dazu, sich mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit zu wenden und auf die prekäre Lage ihrer Tochter aufmerksam zu machen.

Trotz ihrer grossen Not konnte Maryam auch nicht von ihrem Antragsrecht auf eine provisorische Entlassung Gebrauch machen. Im Gegenteil: Wegen der sporadischen Arztbesuche wurde ihre Haft, die eigentlich am 5. Juni 2017 zu Ende gehen sollte, um mehrere Wochen verlängert.

Entlassung nochmals aufgeschoben

Nun ist Maryam endlich frei. Am Abend des 1. August 2017 wurde sie aus dem Evin-Gefängnis in Teheran entlassen. Gross ist die Freude ganz besonders auch bei ihren Eltern, obwohl diese zunächst mit einem Rückschlag fertig werden mussten: Die Gefängnisaufsicht hatte ihnen versprochen, dass man ihre Tochter am 28. Juli 2017 entlassen würde. Daher reisten die Eltern an jenem Tag zur Haftanstalt. Doch weil die Entlassungspapiere anscheinend noch nicht in Ordnung waren, blieb Maryam zunächst im Gefängnis.

Jetzt kann die engagierte Christin endlich wieder bei ihrer Familie in Freiheit leben. Ihre körperliche und psychische Verfassung ist jedoch besorgniserregend. Es wird Monate – wenn nicht Jahre – dauern, bis sich Maryam gesundheitlich erholt haben wird und sie wieder ein normales Leben führen kann.

 

Reto Baliarda

Quellen: Mohabatnews, Worldwatchmonitor

 

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