John Eibner von CSI gibt neuen Sammelband heraus: «The Future of Religious Minorities in the Middle East»

03. Mai 2018

Im Nachgang des «Arabischen Frühlings» startete Christian Solidarity International 2012 die Vortragsreihe «Die Zukunft der religiösen Minderheiten im Nahen Osten». 20 Experten aus Wissenschaft, Journalismus und Politik referierten zum Thema. Fast alle Vorträge fanden in der Schweiz statt. Nun liegen sie als Buch vor.



Haben die religiösen Minderheiten im Nahen Osten eine Zukunft? «Wäre diese Frage in Konstantinopel Ende des siebten Jahrhunderts gestellt worden», so Herausgeber John Eibner in der Einleitung des kürzlich erschienenen Sammelbands, «hätten griechisch-orthodoxe Gelehrte über die Überlebenschancen der jüngsten religiösen Minderheit in der Region debattiert»: die muslimische.

Heute sieht der Nahe Osten ganz anders aus: Über 90% der Bevölkerung im Nahen Osten sind Muslime. Christen – einst die Mehrheit – stellen weniger als 5%, die Juden sind bis auf Israel vollständig verschwunden.

«Gemeinschaften wie die Alawiten, Jesiden, Drusen, Kakai und Sabäer-Mandäer kämpfen wie die Christen ums Überleben», schreibt John Eibner. Der schweizerisch-amerikanische Historiker Dr. John Eibner ist bei der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) für den Nahen Osten verantwortlich.

Genozid-Warnung bereits 2011

CSI hatte bereits Ende 2011 vor einem Genozid an den religiösen Minderheiten im Nahen Osten gewarnt und zum Handeln aufgefordert. In ähnlich dramatischer Weise hatten sich vorgängig Nicholas Sarkozy, damals Präsident Frankreichs, und der ehemalige Präsident des Libanon, Amine Gemayel geäussert. Damals fand die Warnung kaum Gehör. Im März 2016 bezeichneten dagegen die amerikanische Regierung (Aussenminister John Kerry) und andere das Vorgehen des Islamischen Staats gegen Christen, Jesiden und schiitische Muslime als «Genozid».

CSI-Vortragsreihe 2012–2017: «Die Zukunft der religiösen Minderheiten im Nahen Osten»

Unter dem Eindruck des «Arabischen Frühlings», der sehr bald von Islamisten dominiert wurde und sich als Winter – nicht nur, aber insbesondere – für religiöse Minderheiten herausstellte, startete CSI 2012 eine Vortragsreihe mit dem Titel, den nun auch das Buch trägt: «The Future of Religious Minorities in the Middle East» («Die Zukunft der religiösen Minderheiten im Nahen Osten»). 20 Experten aus Wissenschaft, Journalismus und Politik legten ihre Sicht zum Thema dar. Ihr Hintergrund ist ganz verschieden, ebenso ihre Weltanschauung. Manche äussern Hoffnung für die Zukunft, andere beurteilen die Situation pessimistischer.

«Am düsteren Horizont nicht viele Silberstreifen»

Die Expertenreferate hat John Eibner im Auftrag von CSI nun in Buchform beim Verlag Lexington Books (Rowman & Littlefield) auf Englisch herausgegeben. «Die Leser dieses Bandes werden am düsteren Horizont nicht viele Silberstreifen ausmachen», schreibt Eibner. «Wenn die institutionalisierte Gewohnheit der massgeblichen Regional- und Grossmächte nicht gebrochen werden kann, ist die Zukunft tatsächlich sehr düster.»

Weitere Infos

Bilder in hoher Auflösung (zip-Ordner, 20 MB; Verwendung kostenlos, Quelle: CSI)

Buch bestellen oder Rezensionsexemplar anfordern (kostenlos)

Medienmitteilungen zu jedem Vortrag inklusive Medienberichterstattung (deutsch)

Originalvideos, Medienmitteilungen und Informationen zu den Referentinnen und Referenten (englisch)

Autoren

Taner Akçam, Clark University

Cengiz Aktar, Sabancı-Universität

Madawi Al-Rasheed, London School of Economics and Political Science (LSE)

Fabrice Balanche, Université de Lyon 2, Washington Institute for Near East Policy (ehemals)

Patrick Cockburn, The Independent

Marius Deeb, Johns Hopkins University (emeritiert)

John Eibner, Christian Solidarity International (Herausgeber)

Amine Gemayel, ehemaliger Präsident des Libanon

Joshua Landis, University of Oklahoma

Habib Malik, Lebanese American University

Michael Nazir-Ali, ehemaliger Bischof von Rochester

Daniel Pipes, Middle East Forum

Franck Salameh, Boston College

Mariz Tadros, University of Sussex

Bassam Tibi, Universität Göttingen (emeritiert)

Hannibal Travis, Florida International University

Bat Ye’or, unabhängige Historikerin

William Warda, Vorsitzender der Allianz Irakischer Minderheiten

Daniel Williams, Washington Post, LA Times und andere (ehemals)

Kontakt

Adrian Hartmann (adrian.hartmann@csi-schweiz.ch)

+41 44 982 33 40
+41 78 836 07 47

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