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Junge Mutter entkam dem Terror der Dschihadisten nach monatelanger Gefangenschaft

28. Juni 2017

Beim Überfall auf ihr Dorf wird die Nigerianerin Rebecca Bitrus von Boko Haram verschleppt. Während ihrer Gefangenschaft wird sie von einem Mitglied der Terrormiliz geschwängert. Schließlich kann Rebecca bei einem Angriff der nigerianischen Armee fliehen.



Im Flüchtlingslager der katholischen Kirche von Maiduguri begegnet CSI-Projektleiter Franco Majok Rebecca Bitrus. Sie wirkt erstaunlich gefasst und ruhig, obschon sie Fürchterliches durchgemacht hat. Ihr jüngster Sohn kann noch nicht richtig gehen und lehnt sich beim Gespräch mehrheitlich an seine Mama. Obwohl das Kind gar nichts dafür kann, erinnert es die Mutter immer wieder an die Gefangenschaft unter Boko Haram. Der Vater des Kindes gehört der islamistischen Terrormiliz an.

Rebecca ist eine starke Frau und auch bereit, mit Franco Majok über ihre schlimmen Erlebnisse zu sprechen.

«Ich stamme aus dem Dorf Pulka in der Nähe von Gwoza. Mein glückliches Leben mit meiner jungen Familie nahm im August 2014 ein jähes Ende. Ich war gerade mit meinem Mann und den Kindern auf unserer Farm beschäftigt, als wir von einem gewaltigen Lärm überrascht wurden. Die Dorfbewohner rannten weg und schrien laut, dass wir auch fliehen sollten. Wir hörten auch Schüsse und wussten sogleich, dass Boko-Haram-Milizen Pulka überfielen. Es war am späten Nachmittag und wir waren erschöpft vom langen Arbeitstag. Doch uns blieb nichts anderes als die Flucht.

Sohn vor ihren Augen getötet

Mein Mann und ich rannten davon mit unseren beiden Kindern in den Armen. Während wir um unser Leben rannten, sahen wir, wie Boko Haram alle Männer abschlachteten, die sie einfingen. Ich hatte schreckliche Angst um meinen Mann und bat ihn, er solle unseren ältesten Sohn selbst laufen lassen, damit er nicht auch noch getötet werde.

Mein Mann tat dies und konnte fliehen, während ich mit meinen beiden Söhnen von Boko Haram eingeholt und gefangen genommen wurde. Sie entrissen mir mein älteres Kind, das mein Mann getragen hatte. Vor meinen Augen warfen sie meinen Sohn in den Fluss. Ich musste zusehen, wie er qualvoll starb.

Versklavt und missbraucht

Die Dschihadisten brachten uns in ein Gefangenenlager in einem Dorf am Sambisa-Wald. Dort wurde mein kleiner Sohn als Sklave verkauft. Ich selbst wurde an einen Boko-Haram-Kämpfer versklavt, der mich regelmässig sexuell missbrauchte. Auch wurde ich von ihm schwanger und gebar einen Sohn. Trotz dieser fürchterlichen Ereignisse klammerte ich mich an die Hoffnung, eines Tages das Lager verlassen zu können.

Armee als Fluchthelfer

Ich musste auch für die Frauen von Boko Haram arbeiten und ihre Haare pflegen. Immerhin erhielt ich dafür etwas Geld, mit dem ich meinen Sohn zurückkaufen konnte. Eines Tages wurde das Lager von der nigerianischen Armee angegriffen. Ich realisierte sofort, dass dies eine günstige Gelegenheit für die Flucht war. Ich nahm meine Kinder und ergriff die Flucht. Praktisch ohne Pause lief ich wohl etwa 30 Kilometer und trug dabei meinen Jüngsten auf dem Rücken.

Schliesslich erreichte ich ein Dorf namens Nchard. Dort wurden wir der Armee übergeben. Nachdem ich einem Vertreter des Militärs meine schlimmen Erlebnisse anvertraut hatte, geschah etwas Unerwartetes. Die Armee konnte mit Hilfe unseres Namens meinen Mann ausfindig machen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich nach monatelanger Gefangenschaft und Ungewissheit meinen Mann wieder in die Arme schliessen konnte. Ich bin ihm und Gott unendlich dankbar, dass er trotz fremdem Kind bei mir geblieben ist. Dankbar bin ich auch, dass wir als Familie im Flüchtlingslager der katholischen Kirche in Maiduguri Schutz gefunden haben.»

Mit der Unterstützung von CSI konnte Rebecca ein kleines Geschäft eröffnen. Sie ist zuversichtlich, dass sie damit den Lebensunterhalt ihrer Familie bestreiten kann.

Reto Baliarda

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