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Entführt und zwangsverheiratet – 13-jährige Arzoo nun in Sicherheit

25. Dezember 2020

Die 13-jährige Christin Arzoo wurde von einem über 30 Jahre älteren Muslim entführt und zwangsvermählt. Nach einem Gerichtsentscheid befindet sie sich in einem staatlich geführten Schutzhaus für Frauen. Unser Partner kämpft für ein höheres heiratsfähiges Alter für pakistanische Mädchen.




Bitte fordern Sie den pakistanischen Premierminister auf, der erzwungenen Heirat und der Zwangsislamisierung ein Ende zu setzen.

Mr. Imran Khan
Prime Minister of Pakistan
Prime Minister’s Secretariat
Islamabad
Pakistan

 

Dear Mr. Prime Minister

In Pakistan, thousands of girls from religious minorities are victims of abduction, forced marriage and Islamization. Their «husbands» are in violation of the law preventing child marriage. The police and judges often take the side of the kidnappers despite being presented with forged marriage and birth certificates.

We call on you to take comprehensive legal and political measures to stop the forced conversion and

marriage of girls from religious minorities throughout Pakistan.

 

Yours sincerely

In Pakistan sind tausende Mädchen von religiösen Minderheiten Opfer von Entführung, Zwangsheirat und -islamisierung geworden. Ihre «Ehemänner» verletzen damit das Gesetz zur Einschränkung der Kinderheirat. Die Polizisten und Richter entscheiden oft zu Gunsten der Entführer, obwohl diese ihnen gefälschte Heiratsurkunden und Geburtsscheine der Mädchen vorweisen.

Ergreifen Sie umfassende rechtliche und politische Massnahmen, um die Zwangskonvertierung und erzwungenen Eheschliessungen von Mädchen aus religiösen Minderheiten in ganz Pakistan zu stoppen.


* obligatorische Angaben

Die Petition wurde 52 mal unterzeichnet.

Arzoo Raja, ein 13-jähriges Mädchen, wurde am 13.Oktober 2020 in der 20-Millionen-Stadt Karachi im Süden Pakistans aus ihrem Zuhause in Railway Colony entführt, kurz nachdem ihre Eltern zur Arbeit gingen. Ihr Peiniger, der 44-jährige Ali Azhar, zwang sie, zum Islam zu konvertieren und ihn zu heiraten. Nachdem die Eltern Anklage erhoben hatten, wehrte sich Ali mit der Aussage, dass Arzoo 18-jährig sei, freiwillig zum Islam konvertiert sei und ihn geheiratet habe.

Der Fall Arzoo wurde in den sozialen Medien bekannt. Dabei ging ein Schrei der Empörung durch die Gesellschaft. Vor allem Christen, aber auch Muslime sprachen sich gegen diese Tat aus. Auf Facebook wurde eine eigene Seite eingerichtet, die viele Pakistani nutzten, um Solidarität zu zeigen. Die CSI-Partnerorganisation PTMA (Pakistan Teacher Minority Association) unterstützte die Familie finanziell, da der Vater seine Arbeit als Fahrer verlor, weil er sich um den Fall seiner Tochter kümmern musste. Auch half CSI mit Rechtshilfe, um den Peiniger vor Gericht bringen zu können.

Arzoo konnte nach einem Gerichtsentscheid ihre Freiheit zurückgewinnen und wurde an einen sicheren Ort für verfolgte Frauen gebracht. Anjum Paul setzt sich weiter dafür ein, dass das Mädchen zu den Eltern zurückkehren kann.

Problem an den Wurzeln packen

Leider gibt es noch ganz viele andere Arzoos: minderjährige Christinnen und Hindumädchen, die in Pakistan zu einer religiösen Minderheit gehören und allzu oft Opfer von Zwangsislamisierung und Heirat werden. Es sind Fälle, von denen man nichts hört, Mädchen, deren Eltern zu arm sind, um überhaupt eine Anklage erheben zu können oder die eine Anklage nach Bedrohung und Bestechung schnell wieder zurückziehen. Die betroffenen Mädchen leben in den Fängen ihrer Peiniger, ohne dass jemand davon Kenntnis hat. Die Zahl der Entführungen und Zwangskonvertierungen nimmt in besorgniserregendem Masse zu. Die Regierung unternimmt dagegen nur wenig. Zu oft sind Polizisten und Politiker selbst in die Machenschaften verwickelt.

Das Problem muss an den Wurzeln gepackt werden, dafür setzt sich CSI-Projektpartner Anjum Paul ein. Die Mädchen brauchen allgemein mehr Rechte und Schutz. Steigt das Mindestalter für Heirat auf 18, sind Mädchen auch eher vor Kinderarbeit geschützt und können eine adäquate Schulbildung abschliessen. Zurzeit liegt das Mindestalter zur Heirat für Mädchen in Pakistan bei 16 Jahren, für Jungen bei 18.

Zwar wurde im Jahr 2019 im Senat ein Gesetz abgesegnet, welches verbietet, dass Mädchen unter 18 Jahren heiraten dürfen. Doch dessen Umsetzung wurde im Parlament eingestellt. Einige Mitglieder der Regierung, die mit dem Ministerium für religiöse Angelegenheiten verbunden sind, lehnten das Gesetz ab, da es nicht der islamischen Ideologie und der Scharia entspricht.

Auch Muslime setzen sich für Kinderrechte ein

Nun initiiert Anjum Paul eine neue Kampagne, um das Gesetz auf Parlamentsebene durchzubringen. Unter dem Titel «Child Rights & Gender Equality» (Kinderrecht und Gleichstellung der Geschlechter) läuft die Sensibilisierungsarbeit. Verschiedene Treffen fanden schon mit MenschenrechtsaktivistInnen und Parlamentariern statt.

Ganz bewusst arbeitet Anjum Paul mit muslimischen Politikern zusammen, denen das Kinderrecht am Herzen liegt. «Nur so», sagt er, «haben wir eine Chance, mit der Gesetzesänderung durchzukommen. Es ist wunderbar, dass viele muslimische Parteiangehörige sich nun für die Sache stark machen.» Die Muslimin Farah Agha ist Mitglied des grossen Rats der Provinz Punjab. Sie ist von der Initiative begeistert: «Kinderehen müssen gestoppt werden! Ich unterstütze eure Kampagne, indem ich einen Gesetzesentwurf vorbereite und dem Parlament vorlegen werde.»

Kampagne auch in den pakistanischen Medien

Durch Radio und Fernsehinterviews wird das Thema in der Gesellschaft bekannt gemacht. Ausserdem gibt es Journalisten, die sich des Themas annehmen und in renommierten Zeitungen darüber berichten. Es wird noch ein langer Weg zu gehen sein, bis der Schutz minderjähriger Mädchen gewährleistet ist, doch Anjum Paul und sein Team geben nicht auf. Anjum sagt: «Ich habe einen Traum, dass eines Tages alle zwangsverheirateten Mädchen zu ihren Eltern zurückkehren können.

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