• Syrien

 «Le Sénevé»: Senfkorn der Hoffnung

28. Juni 2021

Trotz der vielen Herausforderungen kümmert sich das Team von «Le Sénevé» in Homs weiterhin mit Hingabe um die geistig beeinträchtigten Kinder, die ihm anvertraut wurden. Ebenso werden die Eltern begleitet, die sich oft überfordert fühlen.



Kindern mit geistiger Behinderung das Rüstzeug für die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins und ihrer Autonomie zu geben: Das ist die Mission des Tageszentrums «Le Sénevé» (Deutsch: Senfkorn) in Homs. Unter der Leitung von Schwester Samia von der «Kongregation der Schwestern von den Heiligen Herzen Jesu und Mariens» kümmert sich das etwa 40-köpfige Team (vom Schulbusfahrer bis zu den Fachlehrkräften) mit viel Hingabe um rund 120 Kinder und Jugendliche.

Kinderbetreuung auch zu Hause

«Le Sénevé» hat einen hervorragenden Ruf: «Die Warteliste ist lang», bemerkt Schwester Samia. «Im letzten Jahr konnten wir zusätzliche Klassen eröffnen und so etwa 30 weitere Kinder aufnehmen. Wir haben auch unser ambulantes Team verstärkt.» Dieses Team, bestehend aus vier Personen, kümmert sich um Kinder zu Hause, deren Beeinträchtigung sie daran hindert, ins Zentrum zu gehen. «Das gibt uns auch die Möglichkeit, ein individuelles Programm anzubieten und noch enger mit den Eltern zusammenzuarbeiten.»

Viele Eltern würden sich oft hilflos fühlen, wenn sie mit der Behinderung ihrer Kinder allein gelassen werden. Deshalb legt «Le Sénevé» grossen Wert auf die Begleitung der Eltern. Dies ist eine der Eigenschaften und Stärken des Zentrums.

Programm wegen Corona angepasst

«Die Coronavirus-Pandemie hatte offensichtlich einen Einfluss», sagt Schwester Samia. «Das Zentrum musste im Frühjahr 2020 für ein paar Wochen schliessen, wie alle Schulen und Bildungseinrichtungen im Land.» Die Programme wurden aus der Ferne fortgesetzt. Nach dieser Zeit «mussten wir auf die Feiern und Aufführungen verzichten, die normalerweise regelmässig stattfinden. Der Rest unserer Aktivitäten konnte jedoch fast planmässig durchgeführt werden», erklärt die Zentrumsleiterin und ergänzt dabei, dass die Kinder in kleinen Gruppen von fünf bis sechs Kindern betreut werden.

Grösste Herausforderung: Wirtschaftskrise

Wie für viele Syrerinnen und Syrer war auch für Schwester Samia die grösste Herausforderung des vergangenen Jahres nicht so sehr das Coronavirus, sondern die gravierende Wirtschaftskrise, die das Land getroffen hat. «Die Preise sind drastisch gestiegen, so dass die Menschen ums Überleben kämpfen müssen.» Ein durchschnittliches Gehalt könne kaum die Grundbedürfnisse einer Familie decken. «Viele Menschen befassen sich daher mit dem Gedanken, das Land zu verlassen. Das wäre schlimm. Aber wer könnte es ihnen übelnehmen?»

Auf die Frage von CSI, ob sie auch jemals daran gedacht habe, auszuwandern, lacht Schwester Samia: «Ich? Es ist unsere Mission, Hoffnung dorthin zu bringen, wo die Menschen sie verloren haben.» Syrien ist unbestritten einer der Orte, an denen ein solcher Einsatz absolut notwendig ist.

Doch war die Leiterin von Le Sénevé jemals der Verzweiflung nahe? «Es gibt sicherlich viele Herausforderungen, aber ich schöpfe Kraft von unserem Herrn und aus dem Gebet», antwortet sie und fügt an: «Ich danke Ihnen für Ihre Solidarität in den vergangenen Jahren. Ohne CSI und die anderen Menschen, die uns unterstützen, könnten wir unsere Arbeit nicht machen.»
Projektleiterin Syrien

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