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Lynchmord nach Terroranschlag: 39 beschuldigte Christen sind frei

04. Februar 2020

Ein pakistanisches Sondergericht hat 39 christliche und einen muslimischen Gefangenen freigelassen. Sie waren beschuldigt worden, im Frühling 2015 nach islamistischen Selbstmordanschlägen auf zwei Kirchen in Lahore zwei Muslime getötet zu haben. Für die Freilassung hatten sich die Gefangenen mit den Hinterbliebenen auf eine Schadensumme geeinigt, obwohl sie auf ihrer Unschuld bestehen.



Der Leidensweg der Christen begann am 15. März 2015 in der pakistanischen Grossstadt Lahore. In der christlichen Siedlung Youhanabad wollten zwei Attentäter in die beiden Kirchen «Christ Church» und «St. John» eindringen. Mutige christliche Türsteher hinderten die Islamisten am Zutritt. Darauf zündeten die Attentäter ihre Sprengsätze. 15 Menschen starben, 70 weitere wurden verletzt. Mit ihrem beherzten Eingreifen hatten die Türsteher wohl ein viel grösseres Blutbad in der Kirche verhindert.

Zwei Männer getötet

Unmittelbar nach dem Attentat gingen aufgebrachte Christen auf die Strasse, um zu protestieren. Dabei wurden zwei muslimische Männer verbrannt, weil sie im Verdacht standen, mit den beiden Selbstmordattentaten in Verbindung zu stehen. In Verlaufe der Ermittlungen verhaftete die Polizei willkürlich 41 christliche Männer und einen Muslim. Ein Jahr später wurde ein Gerichtsverfahren gegen die Verdächtigen eröffnet.

Folgenschwere Haftbedingungen

Während der fast fünfjährigen Inhaftierung unter miserablen Bedingungen starben zwei Christen infolge mangelhafter medizinischer Versorgung. Diverse Medien berichteten, dass der stellvertretende Staatsanwalt von Lahore, Syed Anees Shah, den Gefangenen einen Freispruch angeboten habe, falls sie sich zum Islam bekehren würden. Er wurde deswegen suspendiert.

Obwohl der Fall nicht bis heute nicht geklärt ist, haben sich die 40 Betroffenen mit den Familien der zwei getöteten Muslime auf Bezahlung einer Schadenssumme in der Höhe von über 190‘000 US-Dollars geeinigt. Im Gegenzug ordnete das zuständige Gericht am 29. Januar 2020 die Freilassung der 40 Gefangenen an.

Viele der freigelassenen Christen stammen aus sehr armen Verhältnissen und haben während der über vier Jahre dauernden Inhaftierung unsägliches Leid erfahren. Irfan Bashir Masih, einer der Betroffenen, erzählt: «Ich kann gar nicht beschreiben, was ich in den letzten fünf Jahren durchgemacht habe. Es gab Momente, in denen ich jegliche Hoffnung verloren hatte, meine Familie jemals wiederzusehen.» Masih bemerkt, dass er nicht einmal vor Ort gewesen sei, als die beiden muslimischen Jugendlichen getötet wurden. Auch die anderen Freigelassenen beteuern ihre Unschuld.

Reto Baliarda

Quellen: msn, fi

 

CSI hat mehrmals Überlebende des Attentats vom 15. März 2015 besucht und umfangreiche Hilfe geleistet. Lesen Sie dazu die folgenden Berichte:

Anwar kehrt ins Leben zurück

Jesus treu bleiben bis in den Tod

Christen ohne Rechte

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