• Indien

Männer unschuldig in Haft, Familien in großer Not

19. Januar 2015

Der Mord am prominenten Hinduführer Laxamananda Saraswati im August 2008 wurde sieben unschuldigen Christen angelastet. Seit über sechs Jahren sind sie im Gefängnis. Zu Hause fehlen sie. CSI hat in Indien ihre Ehefrauen getroffen.



Im August 2008 zogen Hinduextremisten mordend, plündernd und brandschatzend durch christliche Dörfer in Kandhamal, Bundesstaat Odisha. Der Vernichtungszug wurde mit dem Mord am bekannten Hindu-Guru (Swami) Laxamananda Saraswati begründet, für den «die Christen» beschuldigt wurden. In einem unter politischem Druck gefällten Urteil wurden im Oktober 2013 sieben Christen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Beweise waren höchst fragwürdig. So wurde zum Beispiel vorgebracht, dass zwei der Christen nach dem Mord in einer Kirche Süssigkeiten verteilt haben. Drei Jahre nach der Tat tauchte plötzlich eine Augenzeugin auf, die zwei der Christen als Täter identifizierte – dabei sollen die Täter gemäss anderen Zeugenaussagen maskiert gewesen sein.

Ein Anwalt hat für die sieben verurteilten Christen beim Obergericht in Cuttack Berufung eingelegt. Weshalb wurden die Christen überhaupt festgenommen, wenn es doch keine Beweise gibt? Wahrscheinlich seien sie einfach Sündenböcke, vermutet er. «Nach dem Mord standen die Behörden unter gewaltigem Druck. Die Polizei tappte auch drei Monate nach der Tat noch völlig im Dunkeln, deshalb begann sie, Beweise zu konstruieren.»

Treffen mit den Ehefrauen

Auf unserer Indienreise im November/Dezember 2014 trafen Projektleiterin Inés Wertgen, CSI-Stiftungsrätin Ursula Köppel und ich die Frauen der sieben unschuldig verurteilten Christen. Sie leiden schwer unter der nun bereits über sechs Jahre dauernden Abwesenheit ihrer Männer. Besuche sind nur selten möglich, die Reise aus den abgelegenen Dörfern zum Gefängnis ist teuer. Fast alle haben ihre Kinder in kostenlosen christlichen Heimen untergebracht. Die Frauen selber sind abgemagert, einige leiden unter gesundheitlichen Beschwerden.

Debaki, die Frau von Bhaskar Sunamajhi, sagt uns, die Polizei habe keinen Grund angegeben, weshalb ihr Mann verhaftet worden sei. «Wir haben nicht einmal gewusst, dass der Swami getötet wurde!» Ein anderer Mann, Gananath Chalanseth, wurde von einem Bekannten zur Polizei gelockt. Seine Frau Ruta ging immer und immer wieder zur lokalen Polizeiwache, wo man ihr jedoch jegliche Auskunft verweigerte. Sie erfuhr schliesslich über den dortigen Fernseher, dass ihr Mann als angeblicher Mörder des Hindu-Gurus festgenommen worden war. Besonders erschütternd ist die Erzählung von Nilandri, der Frau von Budhadeb Nayak: Mitten in der Nacht stürmten 50 Polizisten ihre Hütte. «Sie banden meinen Mann an Händen und Füssen. Er wurde wie ein Tier weggeschleppt», sagt Nilandri unter Tränen.

Schliesslich müssen die Frauen gehen, um noch vor Einbruch der Dunkelheit ihre Dörfer zu erreichen. «Unsere Männer sind jetzt schon so lange eingesperrt», sagt Ruta beim Abschied und weint. Die andern trocknen sich die Augen. «Wir können uns nicht einmal medizinische Behandlung leisten, weil niemand uns hilft.»

Es gibt zwei Lichtblicke: Laut dem Anwalt wird der Fall vor dem Obergericht voraussichtlich bald behandelt. Angesichts der dürftigen Beweislage rechnet er mit einem Freispruch. Zusätzlich werden die Familien finanzielle Hilfe bekommen, damit ihre Not gelindert wird und sie auch ihre gesundheitlichen Beschwerden behandeln lassen können. 

Adrian Hartmann


Weihnachts-Schreibaktion

 Im November 2013 (und auch wieder 2014) riefen wir dazu auf, den sieben Christen Weihnachtsgrüsse ins Gefängnis zu schicken. Die Karten wurden von den Kontaktleuten der Gefangenen gesammelt, die das CSI-Team auf seiner Reise traf. Sie waren sehr erfreut und bedankten sich herzlich. «Weit über 200 Karten» seien eingetroffen. Unsere Kontaktleute teilten die Karten auf die Gefangenen und ihre Frauen auf, so dass sich alle über diese Zeichen der Solidarität aus der Schweiz freuen konnten. Wir danken ganz herzlich für Ihr Mitmachen!

Schreibaktion

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