Massaker mit über 200 Toten – CSI hilft Überlebenden

13. Juli 2018

Die religiöse Säuberung gegen Christen in Nigeria geht weiter: Islamistische Fulani-Milizen töteten im Bundesstaat Plateau über 200 schutzlose Menschen, darunter viele Frauen und Kinder. Ein CSI-Team ist vor Ort, um sich um Verletzte und Geflüchtete zu kümmern.



In einem Spital von Jos treffen die CSI-Mitarbeiter Franco Majok und Joel VanderSpek Überlebende, die Entsetzliches durchstehen mussten: Der zehnjährige Joseph war mit seiner Mutter und der Schwester zuhause, als ihr Dorf angegriffen wurde. In Todesangst verriegelten sie die Tür und versteckten sich. Doch die Islamisten brachen die Tür auf und setzten das Haus in Brand. Als Joseph den tödlichen Flammen entrinnen wollte und aus dem Zimmer kroch, schossen ihn die Extremisten nieder, verletzten ihn mit dem Buschmesser am Kopf und liessen ihn liegen im Glauben, dass er tot sei. Joseph hat das schreckliche Verbrechen überlebt. Doch seine Mutter und die Schwester wurden bei lebendigem Leibe verbrannt.

Es war eine der schlimmsten Attacken von islamistischen Fulani-Milizen gegen Christen: In mehreren Dörfern rund um die zentralnigerianische Stadt Jos ermordeten die schwerbewaffneten Nomaden am 21. /22. Juni 2018 mehr als 200 Christen, darunter auch viele Frauen und Kinder. Alleine im Dorf Nghar, das die Islamisten komplett niedergebrannt hatten, mussten 70 Leichen geborgen werden.

In einem einzigen Spital von Jos wurden 150 verletzte Menschen eingeliefert. Unzählige ergriffen zudem die Flucht. Fünf Kinder erlitten lebensbedrohliche Schnittwunden an ihrem Nacken. Fulani-Extremisten hatten versucht, ihnen den Kopf abzuhacken.

In der Kirche angeschossen

Auch die zehnjährige Gloria überlebte nur knapp. Sie rannte aus dem Haus, als die ersten Schüsse fielen und ihren älteren Bruder und ihre Schwester töteten. Inmitten des Kugelhagels in ihrem Dorf Gana Ropp schaffte sie es, in der Kirche Zuflucht zu finden.

Während sie drinnen erschöpft nach einem sicheren Versteck suchte, hörte sie plötzlich einen lauten Knall und sah ein Blitzgewitter. Sogleich spürte sie unglaubliche Schmerzen an ihrem Arm und Bein. Drei Kugeln waren in ihre Gliedmassen eingedrungen. Gloria stürzte zu Boden und konnte gerade noch rechtzeitig von Dorfbewohnern gerettet werden. Im Spital von Jos versucht das zehnjährige Mädchen, trotz des schrecklichen Leids den Mut nicht zu verlieren: «Ich vertraue Gott, dass er für mich sorgt», sagt sie zu CSI-Projektmanager Franco Majok.

Rasche Hilfe vor Ort

Das Leiden vieler Überlebenden und Hinterbliebenen ist schier grenzenlos. Viele stehen vor dem Nichts. Schwerverletzte Überlebende sind ratlos, wie sie die teuren Behandlungskosten im Spital bezahlen sollen.

CSI war wenige Tage nach dem Massaker vor Ort und begann sofort mit der Verteilung von dringend benötigten Hilfsgütern: Reis, Mais, Bouillon, Öl, Salz, Milchpulver, Zucker und Seife. Zudem werden Verletzte unterstützt, um die lebenswichtigen medizinischen Kosten zu decken.

Worten müssen Taten folgen

Die Christen in Nigeria sind seit Jahren Opfer islamistischer Gewalt. Die Terrormiliz Boko Haram und andere Islamisten wollen die Christen aus ihrem Land vertreiben. Über 20 000 vorwiegend christliche Nigerianer wurden in den letzten Jahren von Boko Haram und islamistischen Fulani umgebracht.

Viele Überlebende fürchten sich denn auch vor weiterer islamistischer Gewalt. Ihre Ängste sind berechtigt: Das Versagen der nigerianischen Regierung, die Christen vor islamistischen Angriffen zu schützen, ist offenkundig. Zudem geht sie nicht entschieden gegen die islamistischen Mörder vor. So erscheinen Christen als Freiwild.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari, selbst ein Fulani, verurteilte zwar das Massaker und versprach, die Täter zu bestrafen: «Ich spreche den betroffenen Familien mein tiefstes Beileid aus. Wir werden nicht ruhen, bis all die Mörder und kriminellen Hintermänner vor Gericht gebracht werden.» Doch erfahrungsgemäss folgen solchen Worten kaum Taten.

Stattdessen wurden bisher ein Pastor, dessen Frau und sein Sohn verhaftet. Die Familie hatte drei Tage nach dem Blutbad einen Protestmarsch in Jos organisiert, an dem tausende von schwarzgekleideten Christen teilnahmen. Die Proteste begannen friedlich. Nachdem aber der Gouverneur des Bundesstaats Plateau sich geweigert hatte, mit den Demonstranten zu sprechen, kam es auf dem Regierungsareal zu heftigen Zusammenstössen, bei denen die Demonstranten auch Steine gegen das Regierungsgebäude warfen.

Reto Baliarda msn, bbc

Bitte spenden Sie für die überlebenden Christen des Massakers


Katholische Bischöfe: Präsident soll zurücktreten

Die Katholische Bischofskonferenz von Nigeria verurteilte die Untätigkeit der Regierung in einer Erklärung vom 29. Juni 2018 scharf. Sie verwies dabei auch auf ihre Erklärung vom 26. April 2018, nachdem zwei Priester und 15 Messebesucher umgebracht worden waren.

«Seit über zwei Jahren appelliert die katholische Bischofskonferenz zusammen mit anderen Nigerianern guten Willens unaufhörlich an den Präsidenten, die Zusammensetzung des Sicherheitsapparats und seine Strategie zu überdenken. Zusammen mit Millionen von Nigerianern haben wir unseren Vertrauensverlust in die Sicherheitsdienste, die der Präsident absichtlich in die Hände der Angehörigen einer einzigen Religion gelegt hat, deutlich gemacht. (…)

Wenn der Präsident die Sicherheit des Landes nicht garantieren kann, verliert er automatisch das Vertrauen der Bürger. Er sollte nicht länger über das Schlachtfeld und das Massengrab herrschen, in das sich unser Land verwandelt hat. (…)

Der Nation ist klar, dass der Präsident in seiner Hauptaufgabe, die Leben der nigerianischen Bürger zu schützen, versagt hat. Ob dieses Versagen nun auf Handlungsunfähigkeit oder fehlenden politischen Willen zurückzuführen ist: Es ist Zeit, dass der Präsident den ehrenvollen Weg weg wählt und sich mit seinem Rücktritt befasst, um die Nation vor dem völligen Zusammenbruch zu bewahren.»

Hier finden Sie die Aussagen und Rücktrittsforderungen der nigerianischen Bischofskonferenz in voller Länge auf Englisch.

Statement vom 26. April 2018

Statement vom 29. Juni 2018

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