• Ägypten

Massenflucht von Christen auf der Halbinsel Sinai nach Drohung und Dreifach-Mord

09. März 2017

Nach dem Mord an drei Kopten in drei Tagen sind hunderte von Christen aus der Stadt Al-Arish auf der Halbinsel Sinai geflohen. Zuvor hatte die Terrormiliz Islamischer Staat in einer Videobotschaft gedroht, die Christen aus Sinai zu vernichten.



Hunderte von Christen sind aus der Stadt Al-Arish im Norden von Sinai nach Ismailia, 120 Kilometer östlich von Kairo, geflohen. Dies nachdem am 23. Februar 2017 der dritte Kopte innerhalb drei Tagen getötet wurde. Militante Islamisten hatten das Haus des Sanitärs Kamel Youssef gestürmt und ihn vor den Augen seiner Familie erschossen. Zwei Tage zuvor war Saied Hakim von maskierten Männern erschossen worden. Hakims Sohn war am gleichen Tag entführt und bei lebendigem Leibe verbrannt worden.

Der Islamische Staat droht

Die Tötungen wurden angeblich von Extremisten der «Wilayat Sinai» verübt, einem regionalen Ableger der Terrormiliz IS. Am 19. Februar hatte der IS in einem Video gedroht, alle Christen aus Sinai zu töten. Im 20-minütigen Videobeitrag wird auch der Selbstmordattentäter Abu-Abdullahi al-Masri gelobt, der am 11. Dezember 2016 in Kairo das Bombenattentat auf die Kapelle der Petruskirche mit 29 Todesopfern verübt haben soll. «Wir werden in Zukunft noch mehr solche Operationen durchführen, so Gott will», drohte der IS-Terrorist im Video.

Gemäss der katholischen Nachrichtenagentur Fides haben muslimische Institutionen die neue Gewaltspirale gegen ägyptische Kopten verurteilt. Das Haus der Fatwa unter Leitung des ägyptischen Grossmufti betont, dass die dschihadistische Kampagne gegen Christen die nationale Einheit untergraben wolle. Über die Dringlichkeit, den Christen Schutz vor neuen Übergriffen zu bieten, sprachen auch der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. und der ägyptische Premierminister Sherif Ismail in einem Telefongespräch.

Seit der Machtübernahme von 2013 kämpft die Regierung gegen Aufständische der Muslimbruderschaft und salafistische Gruppen, die nun im Namen des IS Terror verbreiten. Bislang ist es ihr nicht nachhaltig gelungen, die koptische Minderheit vor ständig neuen Angriffen der Islamisten zu schützen. 

 

Reto Baliarda

Quellen: ap/msn/fides

 

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