• Indien

Menschenhandel – das Grauen hinter dem Wort

16. März 2015

Vor kurzem reiste CSI-Stiftungsrätin Dr. Ursula Köppel gemeinsam mit Projektleiterin Inés Wertgen nach Indien, um das Projekt gegen Menschenhandel in Augenschein zu nehmen. Im Folgenden berichtet sie von den erschütternden Eindrücken.



Una, Ranja und Malou (alle Namen geändert) sitzen uns gegenüber. Die drei sind eigentlich hübsche Mädchen, doch das Elend hat sie zerbrochen. Die Schultern hängen, der Blick ist auf den Boden gerichtet. Sie wagen kaum aufzuschauen, als wir uns vorstellen und sie dann bitten, das Gleiche zu tun.

Una, Ranja und Malou sind drei der Kinder, die regelmässig in die von CSI finanzierte und von unseren lokalen Partnern betriebene Betreuungsstelle kommen. Dort können sie nachmittags spielen und lernen. Und, mit wachsendem Vertrauen, erzählen sie ihre Geschichten – unvorstellbares Leid müssen die meisten dieser Kinder ertragen.

Schreckliche Geschichten

Die drei Mädchen wagen nicht, ihre tragischen Lebenssituationen in Anwesenheit der Freundinnen zu schildern. Sie schämen sich zu sehr. Im jeweiligen Einzelgespräch hören wir dann Schreckliches. Una ist elf Jahre alt, als ihr Vater im Rausch die Mutter erschlägt und bald darauf selber an den Folgen des Alkoholkonsums stirbt. Una kommt in die Obhut ihrer Tante. Bald fängt diese an, sie abends ins Bordell zu bringen, wo sie drei bis vier Männer bedienen muss. Ausserdem muss sie regelmässig mit dem Mann der Tante, ihrem Onkel, schlafen. Es werden keine Schutzmassnahmen getroffen. Sie hat deshalb, jetzt 14-jährig, schon zwei Abtreibungen hinter sich. Sie fühlt sich elend, vielleicht wurde sie sogar mit Aids angesteckt.

Auch die andern beiden Mädchen erzählen ihre Geschichten. Mir wird allein von den Berichten schlecht. Als die Gespräche zu Ende sind, ist es bereits 5 Uhr abends. Die Kinder müssen zurück «nach Hause». Heute gibt es keine Möglichkeit mehr, sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Doch kurz nach unserer Abreise gelingt es dem lokalen Hilfsteam, alle drei Mädchen in Sicherheit zu bringen.

Geschwister befreit

Als nächstes treffen wir drei Geschwister. Der älteste, ein etwa 12- oder 13-jähriger Junge, schaut für seine zwei Schwestern, die acht und vier Jahre alt sind. Die Kleinste sitzt auf seinem Schoss und klammert sich an ihn. Die Mutter der Kinder ist tot, der Vater Alkoholiker. Die Kinder wurden entführt und wie Sklaven verkauft. In einer Ziegelfabrik mussten sie täglich schwer arbeiten. Selbst die Kleinste musste stundenlang mit ihren kleinen Händchen Lehm kneten. Essen erhielten sei einmal am Tag, wenn überhaupt. Der Willkür des Fabrikbetreibers waren sie schutzlos ausgeliefert.

Als unsere lokalen Partner vom Verschwinden der drei Geschwister erfuhren, fingen sie an, nachzuforschen. Es gelang ihnen, die Kinder ausfindig zu machen und in Zusammenarbeit mit der Polizei zu befreien. Dank dem Einsatz unserer Anwälte wurde der Fabrikbetreiber angeklagt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Für die Kinder konnte eine gute und sichere Unterbringung organisiert werden.

Konkrete Hilfe ist möglich

So gibt es viele traurige Geschichten. Besonders Kinder ohne Eltern, Kinder von Minderheiten und Kinder von in Armut lebenden Eltern sind gefährdet, in die Hände von skrupellosen, gut organisierten Menschenhändlern zu fallen. Was kann CSI tun? Durch kompetente lokale Partner kann CSI konkrete Hilfe für Opfer von Menschenhändlern leisten und sie aus diesem Netz befreien. Daneben werden Präventionskampagnen organisiert, um Kinder und Jugendliche vor den drohenden Gefahren zu warnen.

Besonders wichtig ist eine koordinierte Rehabilitationsarbeit für befreite Opfer. Die lokalen Partner haben CSI dringend empfohlen, ein eigenes Schutzhaus für Opfer von Menschenhändlern zu errichten. Momentan sind die befreiten Opfer in verschiedenen Einrichtungen untergebracht. Dies bringt verschiedene Nachteile und Gefahren mit sich. CSI hat entschieden, ein entsprechendes Schutzhaus zu errichten, wo die Opfer optimal und mit viel Liebe betreut werden, die Schule besuchen und in einem geschützten Umfeld aufwachsen können.

Zusätzlich will CSI auch hierzulande Informationen zum Thema Menschenhandel vermitteln, so dass wir gemeinsam unsere Stimme erheben können im Kampf gegen dieses schreckliche Krebsgeschwür.
Für mich war die Reise nach Indien ein echter Augenöffner: Menschenhandel ist kein Schlagwort, sondern für viele brutale Realität. Vom Unrecht hören ist das Eine, den direkt Betroffenen in die Augen zu sehen und ihre schrecklichen Geschichten aus ihrem Mund zu hören das Andere.

Aus dieser Erfahrung heraus bitte ich Sie, liebe Unterstützer und Spender: Tragen Sie weithin bei, dem Grauen des Menschenhandels entgegenzutreten und die Arbeit unserer Partner zu unterstützen.
Ich danke Ihnen herzlich! 

Stiftungsrätin Ursula Köppel

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