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Morddrohungen wegen Weihnachtsbotschaft

04. Januar 2017

Er hatte an Weihnachten auf Facebook dazu aufgerufen, für die Opfer der Blasphemiegesetze zu beten. Nun hat der pakistanische Muslim Shaan Taseer Morddrohungen erhalten. Shaan ist einer der Söhne von Salman Taseer, der wegen seiner Kritik an den Basphemiegesetzen getötet wurde.



 

Auf seiner Facebookseite hatte Shaan Taseer ein Video gepostet, in dem er allen Menschen frohe Weihnachten wünscht. Ebenso bittet er um Gebete für alle Opfer der «unmenschlichen» Blasphemiegesetze. Namentlich erwähnt er dabei auch Asia Bibi, die als erste Frau in Pakistan wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurde.

Ernsthafte Drohungen

Wegen dieser Videobotschaft hat Shaan nun Morddrohungen von islamistischen Hardlinern erhalten. Diese Drohungen seien sehr ernst zu nehmen. «Sie haben mir Fotos von Mumtaz Qadri, dem Mörder meines Vaters, gesendet. Dazu haben sie mir mitgeteilt, dass viele Mumtaz Quadris auf mich warten», erzählte Shaan Taseer am 2. Januar 2017 der Nachrichtenagentur Reuters.

Ausserdem haben Islamisten zu Massenprotesten aufgerufen, falls die Polizei Shaan Taseer nicht wegen Blasphemie anklagen sollte.

Erinnerung an Shaans Vater

Shaan ist einer der Söhne von Salman Taseer, dem ehemaligen Gouverneur der pakistanischen Provinz Punjab. Salman wurde am 4. Januar 2011 von seinem Leibwächter Mumtaz Qadri erschossen. Er hatte sich für die Befreiung von Asia Bibi eingesetzt und sich für Reformen der Blasphemiegesetze stark gemacht.

Der Fall Shaan Taseer zeigt den Einfluss der Islamisten in Pakistan, die im Namen ihrer Religion die Gewalt verherrlichen, obschon die Regierung dem islamistischen Terror den Kampf angesagt hat. Ein Beispiel für diesen gefährlichen Einfluss ist auch die Tatsache, dass Zehntausende an der Beerdigung von Mumtaz Qadri teilnahmen, nachdem dieser am 29. Februar 2016 wegen Mordes hingerichtet worden war. Qadri wurde dabei als Held verehrt.

Shahbaz, der andere Sohn von Salman Taseer, war im August 2011 entführt worden und kam im März 2016 frei.

 

Reto Baliarda

 

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